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Allerheiligen 2002

Autor: Pfarrer Poschenrieder

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Viele Menschen denken zu Allerheiligen an einen Gräberbesuch, und für manche ist es eine unangenehme und doch unausweichliche Erinnerung an den Tod.
Zunächst aber ist dieses Fest ein Fest mit dem Blick nach oben. Erst der nachmittägliche Friedhofsgang nimmt in gewisser Weise den morgigen Allerseelentag vorweg, der uns den Blick nach unten vorgibt.
Schauen wir zuerst aber mit der Kirche auf die große Zahl, die im Himmel ihre Vollendung gefunden haben. Wir nennen sie die Heiligen, die Freunde Gottes. Das Wort „heilig“ scheint im Sprachgebrauch immer unbeliebter zu werden. „Heilig sein“ klingt sehr unmodern. Doch die Heiligen sind nicht nur Gestalten der Vergangenheit, Heilige gibt es zu allen Zeiten, und Heilige gibt es auch in der heutigen Zeit. Noch kein Papst hat so viele Menschen und besonders auch Menschen des 20. Jahrhunderts, heilig gesprochen wie der jetzige Papst. Er möchte damit hinweisen, dass es zu jeder Zeit Heilige gibt, und dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.
Gott hat sozusagen nur ein Hobby. Er sammelt Heilige für den Himmel. Er ist unentwegt auf der Suche Menschen zu Heiligen zu machen.
Er sammelt keine seltenen Gegenstände, sondern wertvolle Menschen. So wie manche bestimmte Briefmarken sammeln, so sammelt Gott in seinem Album Heilige. Wir sollen alle einmal in diese Sammlung eingehen und keiner darf fehlen.
Wie ein eifriger Sammler nimmt Gott viele Mühen auf sich. Um seine Sammlung zu vervollständigen und zu vergrößern, lässt er sich vieles einfallen. Er hat sogar den weiten Weg auf sich genommen und ist selber Mensch geworden, um Menschen zu suchen und zu gewinnen nach Heiligkeit zu streben, um seine Sammlung auch ganz vollständig zu haben, dass ja keiner am Ende abgeht und vermisst wird. Auf viele Weisen sendet er auch heute sein Wort an uns. Da gibt es das Angebot der Sakramente, die uns auf den Weg zur Heiligkeit helfen. Das Wort Gottes kann durch eine Predigt zu uns gelangen, das kann im Religionsunterricht verkündet werden, das können Einkehrtage und Exerzitien sein, das kann ein Aufruf zum Gebet sein, u.s.w.
Wenn wir beim Beispiel mit dem Briefmarkensammler bleiben, können wir vielleicht sagen. Der liebe Gott ist ein Briefmarkensammler, der nur gestempelte Briefmarken sammelt. Gott sammelt nur Menschen, die mit dem Stempel Gottes versehen sind. Du musst den Stempel der Heiligkeit in deinem Herzen tragen, dann nimmt Gott dich in sein Album auf.
Eine Möglichkeit gestempelte Briefmarken zu bekommen ist, Briefe zu schreiben, mit der Bitte um Antwort. Der Briefmarkensammler schreibt viele Briefe und bittet um eine Antwort durch einen Brief, um eine gestempelte Briefmarke zu bekommen. Aber nicht immer kommt der ersehnte Antwortbrief.
Manche Briefe Gottes gehen schon auf dem Weg verloren oder kommen an den Absender zurück mit dem Vermerk: „Annahme verweigert“. Das sind Menschen, die von Gott nichts wissen wollen.
Andere kommen zwar an, werden aber als bloße Reklame manchmal achtlos weggeworfen. Vielleicht ist zufällig mal etwas dabei: Vielleicht zu Weihnachten oder zu Ostern. Da könnte ich dann in die Kirche gehe.
Wieder andere Briefe werden oberflächlich gelesen, dann aber schnell wieder vergessen: Leute, die zu bestimmten Phasen zur Messe kommen und an Gott denken, wenn Firmvorbereitung ist, wenn Erstkommunionvorbereitung ist.
Manchmal aber wird der Empfänger gefesselt von der Botschaft Gottes in diesem Brief und er antwortet darauf. Wer sich auf die Brieffreundschaft Gottes einlässt, ist auf dem Weg zur Heiligkeit. Er schreibt ihm zurück, er tritt in Kontakt mit Gott, er spricht mit Gott. Wir können sagen: Er betet, er gibt Antwort auf die Liebe Gottes und seine Briefmarke wird gestempelt. Je mehr er darauf antwortet, umso deutlicher wird dieses Siegel zu lesen sein. Wenn wir heute auf den Friedhof gehen, beten wir für die armen Seelen im Fegfeuer. Das sind die Menschen, die gestempelte Briefmarken sind, aber noch nicht schön genug sind, um in das Album aufgenommen zu werden. Sie werden vorher gereinigt.
Heute soll das Fest Allerheiligen ein Aufruf an uns alle sein, auf den Brief Gottes zu antworten und die Einladung Gottes nicht beiseite schieben. Gott lädt uns ein, sich auf sein Hobby einzulassen. Erstens sich selber mit dem Siegel Gottes stempeln zu lassen und zweitens Ausschau zu halten, dass viele andere ebenfalls auf die Werbung Gottes hören. Er möchte sein Hobby vollenden und alle gestempelten Briefmarken einmal haben. Eines ist bei seinem Hobby entscheidend. Nur gestempelte Briefmarken können in den Himmel eingehen und im Album Gottes die ewige Heimat finden. Amen.

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