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Hochfest der Gottesmutter Maria

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir singen zu Weihnachten „Stille Nacht“. In dieser Nacht, wo Maria und Josef anbetend vor der Krippe sind und still ihr Kind bestaunen. In dieser Nacht, wo die Engel die Stille durchbrechen mit ihrem Gesang und jubelnd das Gloria singen und die Frohbotschaft verkünden. Es hat uns hoffentlich die Stille dieser Nacht berührt. Diese Stille finden wir wieder am Morgen des heutigen Tages, des 1. Tages im Neuen Jahr. Es ist ein stiller Morgen nach einer sehr lauten Nacht, wo wieder ein gewaltiges Feuerwerk das neue Jahr eröffnet hat. Acht Tage nach Weihnachten war also eine laute Nacht. Dafür ist ein stiller Morgen. Viele schlafen sich noch aus, weil es spät geworden ist. Die Treuen, die die Gottesmutter an ihrem Hochfest ehren wollen, haben aber zur Kirche gefunden. Es sind dies wenige, und das macht diese Stille am Morgen aus. Es liegt eine eigene Atmosphäre in der Luft. Die Gedanken schweifen vielleicht ab in verschiedenste Richtungen. Die einen wandeln in die Zukunft. Was wird dieses Jahr bringen? Vieles ist ungewiss und unsicher. Bringt es mir Gutes oder Schlechtes? Ist es ein Jahr, wo sich persönlich etwas ändern wird? Wie schaut es mit dem Frieden in der Welt aus? Manche lassen auch das vergangene Jahr nochmals vorbeiziehen. Was durften wir erleben an Freude, an Leid, an Glück und an Schicksalsschlägen? Bei jedem schaut es anders aus. Heute morgen lenkt uns die Stille hin zu solchen Gedanken. Man wir besinnlich und nachdenklich.

Aber denken wir nochmals über das Geheimnis vor einer Woche nach. Das ist das Entscheidende. Im Evangelium hörten wir es. Maria tat es auch. „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Es macht uns wirklich nachdenklich.
Eine Frau hat den Sohn Gottes geboren in einem Stall. Sie hat ihn in eine Krippe gelegt. Gott hat sich ganz arm gemacht. Was soll das alles? Und heute feiert die Kirche diese Gottesmutterschaft Mariens. Maria nennen wir Gottesmutter. Eine höhere Auserwählung, einen höheren Titel kann es nie geben. Eine innigere Verbindung konnte der Schöpfer mit seinem Geschöpf nicht eingehen. Den Satz: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ haben wir in seiner vollen Bedeutung noch gar nicht wirklich begriffen. Weil sich Gott mit der menschlichen Natur so eng verbunden hat, hat die Kirche betont, dass es sich geziemt Maria auch als Gottesmutter anzurufen. Auf dem Konzil von Ephesus im 4. Jahrhundert wurde dies als Glaubenswahrheit festgehalten und niedergeschrieben. Es war das Fundament für all die anderen marianischen Vorrechte.
Die Kirche stellt bewusst Maria mit diesem Vorzug an den Anfang des bürgerlichen Jahres, um so manchen heidnischen Auswüchsen auch entgegenzutreten. Schornsteinfeger und Glücksschweinchen, Hufeisen und Bleifiguren verschiedenster Art sind nur die orakelhaften Smbole, die sich Menschen als Begleiter in ein neues Jahr ausgedacht haben. Je mehr der christliche Glaube schwindet, umso mehr gewinnen solche Fetische und Talismänner wieder an Bedeutung.

Maria aber wird die Schlangenzertreterin genannt und sie zertritt auch solche abergläubischen Bräuche. Wir Christen wollen daher bewußt das neue Jahr 2001 in die Hände Mariens legen. Wir wollen bewusst nochmals, so wie der hl. Vater, das 3. Jahrtausend der Gottesmutter weihen und mit Maria ins neue Jahr gehen. Dies wollen wir uns heute morgen bewusst machen. Die Stille lässt uns Gott für alles Gelungene im vergangenen Jahr Dank sagen. Alles Verkehrte lege ich auch in Gottes Hände zurück. Lassen wir den Frieden des „Neujahrsmorgen“ in unser Herz. Ich darf das Alte loslassen und kann neu anfangen. Mit Gottes Hilfe werde ich versuchen, das Beste daraus zu machen. Und so lege ich an diesem „Neujahrsmorgen“ Gott meine leeren Hände hin, damit er sie ergreife und mich den Weg führe, der ihm gefällt. Maria sei mir dazu der Begleiter und die Gefährtin. Amen.

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