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Die Seligpreisungen |
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Autor: Pfarrer Poschenrieder |
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Lk 6,17.20-26
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Im heutigen Evangelium werden im Unterschied zu den 8 Seligpreisungen bei Matthäus nur 4 aufgezählt. Dafür setzt Lukas Wehrufe hinzu. Wenn wir uns besonders die 4 Wehrufen anschauen, mag uns vielleicht so mancher Wehruf erschrecken und irritieren. Weh euch, die
ihr reich seid. Ich bin fast schockiert, wenn ich das in der hl. Schrift lesen muss. Jesus sagt solche Sätze? Wie sollen wir das verstehen? Jesus verkündet uns die frohmachende Botschaft und jetzt weh ihr, die ihr lacht, reich seid, satt seid usw. Jetzt droht Jesus. Wie meint er das also? Meint Jesus damit uns alle hier in der westlichen Konsumgesellschaft, Wohlstandsgesellschaft? Jeder von uns hat etwas zu essen, keiner braucht hungern oder gar verhungern. Unser Niveau an Vergnügung, Freizeit und ähnlichem ist sehr hoch. Es kann sich doch jeder etwas zu essen kaufen. Ist das schlecht? Sollen wir hungern? Die Worte erinnern auch an Aussagen Jesu, die er einem reichen Jüngling antwortet, der traurig dann weggeht. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich.“ Liebe Brüder und Schwestern! Wie leicht wird das Geld zu einem Götzen. Jeder kennt die Gefahr des Geldes. Man kann plötzlich nicht mehr genug bekommen. Die Gier nach immer mehr hält uns gefangen. Auch der Geiz ist nicht gerade bei den Armen zu finden. Die Angst ein bißchen etwas auszugeben finden wir öfter bei den Wohlhabenden. Sogar die Sünde des Neides erleben wir überraschenderweise gerade bei denen, die nicht die Ärmsten sind. Wenn wir nun genau die Intention Jesu wissen wollen, werden wir feststellen, dass Jesus nicht grundsätzlich jeden Reichen verurteilt. Er ist zufrieden, wenn ein Zöllner Matthäus nicht alles auf einmal hergibt, sondern einen gewissen Teil den Armen schenkt. Er erwähnt kein Wort beim Ratsherrn Nikodemus etwas herzugeben, der sicherlich nicht zu den Armen gezählt wird. Auch die Kirche hat sich nicht nur bei der Heiligsprechung auf arme Menschen beschränkt. Eine heilige Elisabeth war reich, gab natürlich viel den Armen, ein heiliger Kaiser Heinrich hatte sicherlich bis zu seinem Tod großen Besitz und auch unser Diözesanpatron Markgraf Leopold war kein armer Herrscher, sonst hätte er nicht seine Klöster, die er gegründet hat, reich ausstatten können. Die Absicht Jesu muß also anders verstanden werden. Die Antwort auf den Reichtum ist also. Man soll nicht am Geld kleben, man soll nicht um das Geld tanzen, wie man um das goldene Kalb tanzte. Genauso ist es mit der zweiten Seligpreisung, bzw. 2. Wehruf. Die Satten sind die Leute, die kein Herz gegenüber den Nächsten haben, gegenüber notleidende Menschen, die nur auf sich selber schauen nach dem Motto: Hauptsache mir geht es gut. Wie ist es aber mit dem Lachen, dem dritten Wehruf? Was will Jesus damit aussagen? Er wird doch nicht das „Fröhlich sein“ verurteilen? Darf man nicht mehr lustig sein, gerade jetzt in der Faschingszeit? Muss ich immer ein trauriges Gesicht machen? Als ich darüber nachdachte, fiel mir ein Lachen ein, das mir nicht gefällt. Ich denke an das Auslachen, an das Verspotten. Ich denke auch an ein höhnisches Lachen über Fehler anderer, sich lustig machen auf Kosten anderer. Ich denk an die Schadenfreude. Mir scheint auch, es gibt das Lachen des Teufels über die Sünde eines Menschen. Dieses Lachen ist nicht mehr angenehm und entspannend, sondern hässlich laut. Als letzten Wehruf hörten wir: Weh euch, wenn ihr gelobt werdet! Beim Loben ist immer die Gefahr, dass es einen in den Kopf steigt, dass man hochmütig wird, dass man glaubt wie gut man ist, dass man die Demut verliert. Das zweite ist, dass man es nie jedem recht machen kann. Jedem recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Das konnte selbst Jesus nicht. Seine Feinde brachten ihn sogar ans Kreuz. Muss man sich nicht sogar selber fragen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich überhaupt keinen Widerstand habe und ich immer nur gelobt werde? Weh euch, wenn auch alle loben? Die Botschaft Christi wird manchmal auf Widerspruch stoßen. Er sagt ja selber von sich: Er ist der Stein des Anstoßes. Er ist zum Eckstein geworden. Wir wissen, wer in der Sünde lebt, fühlt sich nicht wohl, wenn ihm die Wahrheit gesagt wird. Er möchte sie am liebsten nicht hören. Darum ist für manche die Botschaft Christi sehr unangenehm. Sie haben gemerkt, wenn man die Seligkeiten umdreht und die Wehrufe beachtet, ist es nicht immer ganz leicht, Jesus richtig zu verstehen. Für viele damals waren die Seligkeiten ein großer Trost, denn viele Arme waren darunter und die ersten Christen wurden stark verfolgt, so konnten sie aus den Worten Jesu viel Kraft schöpfen. Das finden wir auch in der heutigen Zeit. Aber auch die Wehrufe zeigen uns, wenn wir sie richtig verstehen, den Weg zu Jesus Christus. Er hat es uns vorgelebt. Wir wollen uns nach diesen Wegweisern unser Leben ausrichten. Amen. |