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Das Hohelied der Liebe |
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Autor: Pfarrer Poschenrieder |
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1 Kor 12,31-13,13 , Evangelium: Lk 4,21-30
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! In der Lesung hörten wir aus dem 1. Brief des hl. Paulus an die Korinther einen Text, der öfter bei Hochzeiten ausgesucht und vorgelesen wird. Es ist das sogenannte Hohelied der Liebe. Dieser Text ist es wert ausgelegt, bedacht und erklärt zu werden. Über die Liebe wird und wurde schon viel geschrieben, viel gepredigt und viel gesprochen. Hier aber finden sie Worte über die Liebe, die kaum an Schönheit und Wahrheit übertroffen werden können. Paulus zählt zuerst einmal alles auf, was nichts ist ohne die Liebe. Ohne die Liebe ist einfach alles nichts wert. Was nützt es, wenn ich alle Sprachen könnte, wenn ich begabt bin, glänzend reden kann, wenn ich überall ein „sehr gut“ habe? Ja, Paulus wird noch kühner. Wenn er einen Glauben hätte, der Berge versetzte, so wie es Jesus sagte, wenn euer Glaube nur so groß wie ein Senfkorn wäre, ihr könntet Berge versetzen. Ja, wenn er alles den Armen schenken würde, wie der hl. Franziskus, und wenn er dann als Märtyrer für Christus den Feuertod sterben würde, wie heroisch wäre das alles. Aber es ist alles nichts ohne die Liebe. Das Faszinierende an diesem Text ist sein dramatischer Aufbau mit diesem ergreifenden Höhepunkt. Im 2. Teil erklärt er so schön was und wie die wahre Liebe ist, wie sie sich auswirkt und sich zeigt. Liebe ist geduldig. Liebe gibt nicht an. Liebe ist nicht nachtragend. Und diese Liebe hört niemals auf. Alles vergeht einmal, aber diese Liebe reicht hinein bis in die Ewigkeit. Paulus zeigt damit das schöne Idealbild der Liebe. Es gibt ja viele Zerrformen davon. Was kann jemand alles meinen, wenn er sagt: „Ich liebe dich.“ Wie oft ist es nur eine egoistische Liebe? Wie oft will man sich nur selbst befriedigen? Wie oft heißt es eben nicht: „Ich liebe dich.“, sondern in Wirklichkeit: „Ich liebe mich.“ Dieser Text im Korintherbrief ist für eine große Heilige aus dem letzten Jahrhundert von sehr großer Wichtigkeit geworden. Die hl. Theresia von Lisieux hatte von Kindheit an ein großes Verlangen, eine Heilige zu werden. „Aber“, sagte sie, „wenn ich die großen Heiligen betrachte, dann bin ich immer ganz entmutigt. Sie sind für mich wie unzugängliche Gebirge, Riesen, Berge, die zu hoch für mich sind. Heiligkeit - das ist für mich unerreichbar!“ Sie las von vielen Wundern dieser Heiligen und sie sagte später, ich will eine Heilige ohne große Wunder werden. Theresia wußte nun in diesem Augenblick noch nicht ihren Weg und suchte weiter. Eines Tages wurde ihr über die Frage Klarheit geschenkt. Sie entdeckte einen Weg, einen kurzen Weg, wie sie und wie jeder Mensch sicher das Ziel der Heiligkeit anstreben kann. Diese Erkenntnis kam ihr beim Betrachten gerade dieser Lesung, des Hohenliedes der Liebe. Paulus spricht von den Charismen in der Gemeinde. Aber in keinem konnte sie sich wiederfinden. Bis ihr dann beim Weiterlesen dieses Briefes die Erleuchtung kam: Es ist die Liebe. Theresia war glücklich. Jetzt hatte sie ihren Weg gefunden. Jetzt wußte sie, was ihre Berufung bzw. ihr Platz in der Kirche ist. Diese Erkenntnis war für sie eine große Beruhigung. Auf diesem Weg wollte sie nach Heiligkeit streben und diesen Weg lehrte sie andere. Von diesem Weg sagt Theresia immer wieder, dass es ein sicherer und einfacher Weg zur Heiligkeit sei. „Meine Berufung ist die Liebe.“ „Ich will im Herzen der Kirche die Liebe sein.“ Sie erkannte, dass von einem liebenden Menschen, auch wenn seine Hingabe an Gott ganz im Verborgenen geschieht, viel Segen ausgeht. Sie erkannte auch, daß der Kirche, dem Leib Christi, viel geistige Kraft verloren geht, wenn dieser Platz nicht mehr besetzt wäre. Man braucht nichts Großes und Außergewöhnliches zustande zu bringen, um eine Heilige zu werden; es genügt, die kleinen Dinge des Alltags mit Liebe zu tun. Das ist ein schneller Weg zur Heiligkeit. Es gibt viele Menschen, die diesen Weg im Alltag gehen: Es sind die vielen Heiligen des Alltags, die in einem gewöhnlichen, oft schweren Leben, treu ihren Glauben leben, gut sind zu ihren Mitmenschen, geduldig ihr Kreuz tragen und selbstlos ihren Dienst tun. Das 2. Vatikanische Konzil spricht von dieser allgemeinen Berufung zur Heiligkeit. Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen. Es gibt nicht zwei Stufen der Vollkommenheit, sozusagen eine niedere für das einfache Fußvolk und dann eine höhere für Ordensfrauen und Priester. Nein, jeder hat die gleiche Chance zur Heiligkeit, wobei Heiligkeit nichts anderes ist als Vollkommenheit in der Liebe. Jeder Christ ist berufen, nach der vollkommenen Liebe zu streben. Die hl. Theresia hat es versucht und geschafft. Auch wir könnten uns auf machen und diesen kleinen Weg der Liebe gehen. Amen. |