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Gebetswoche für die Einheit der Christen

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Lk 1,1-4,14-21

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir stehen in der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen. Das Anliegen der Einheit aller, die an ihn glauben, lag und liegt Jesus besonders am Herzen. Es hat durch die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ am 31.10 1999 neue Impulse und neue Hoffnung erhalten. Viele nennen das Ereignis in Augsburg ein historisches Ereignis. Erstmals haben seit der Glaubensspaltung offizielle Vertreter beider Kirchen eine Übereinkunft gefunden über eine Glaubenswahrheit, die mit zur Trennung geführt hat.
Oftmals können Gläubige damit aber nichts anfangen, weil sie mit dem Wort Rechtfertigung nichts anfangen können.

Um was geht es? Es geht um die grundlegende Frage, wie der sündige Mensch von Gott angenommen werden und vor Gott bestehen, d.h. gerettet werden kann. Martin Luther hat jahrelang die Frage gequält: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Er kam zu der Antwort: Nicht durch gute Werke, sondern allein aus Gnade im Glauben an Jesus Christus werde ich gerechtfertigt. Luther kämpfte heftig gegen die Praxis, der Christ könne sich durch gute Werke, d.h. durch oftmaligen Messbesuch, durch Wallfahrten, durch Ablässe, durch Spenden und andere Werke den Himmel verdienen.

Die gemeinsame Erklärung stellt nun fest, dass Gott den sündigen Menschen allein aus Gnade und im Glauben des Menschen um Christi willen rechtfertigt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass dies bereits auf dem Konzil von Trient, die Antwort auf die Reformation, gelehrt wird. Der gläubige Mensch wird nicht auf Grund seiner Werke gerettet. Der rechte Schächer wird auf Grund seines Glaubens an Jesus Christus gerettet. Recht viel gute Werke kann er in der Todesstunde am Kreuz nicht mehr vollbringen. Nun aber war schon immer Lehre der Kirche, dass dieser Glaube sich durch Werke ausdrückt. Im Jakobusbrief heißt es. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke. Der Jakobusbrief, den Luther auf Grund dieser eindeutigen Worte als strohene Epistel bezeichnete, ist Wort Gottes. D.h. Werke sind nicht überflüssig oder belanglos. Sie sind Früchte meines richtigen und echten Glaubens. Wir können aber natürlich nicht aufgrund unserer guten Werke Aufnahme in den Himmel verlangen oder fordern.

Wir sind nun froh, dass wir in diesem Punkt weitgehend Übereinkunft erlangt haben. Leider bleiben erhebliche Unterschiede. Luther hat die Lehre über die 7 Sakramente „über Bord geschmissen“, sodass nur noch 2 übriggeblieben sind. Das heilige Messopfer ist nur noch ein Abendmahl, wo es keinen geweihten Priester gibt, sondern nur noch den Vorsteher. An die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Altarsakrament kann er nicht mehr glauben. Die Lossprechung in der Beichte durch den Priester wird geleugnet. Der Papst als Nachfolger des hl. Petrus wird nicht angenommen. Diese recht unterschiedlichen Auffassungen können nicht von heute auf morgen überwunden werden.

Hier kann nur noch das beharrliche Gebet helfen, denn nach menschlichem Ermessen ist eine Einheit so schnell nicht denkbar. Dem Heiligen Geist dürfen wir natürlich keine Grenzen setzen, denn er bewirkt letztendlich die Einheit, um die wir beten müssen. Die Einheit der Christen muss allen ein Anliegen sein. Denken wir aber nicht nur an unsere evangelischen Mitbrüder, sondern denken wir besonders auch an die Orthodoxen. Auch hier können wir Annäherungen feststellen. Vor 35 Jahren wurde der gegenseitige Bann aufgehoben. Dass es Gespräche gibt zwischen Orthodoxen und Katholiken hätte sich vor 50 Jahren keiner träumen gewagt. Ein großes Anliegen ist es von unserm jetzigen Papst sich anzunähern und sie wissen, er hat großes geleistet, das in der momentanen Situation noch gar nicht entsprechend gewürdigt werden kann. Es ist uns sicherlich nicht so bewusst, was durch seine Reisen und Besuche an Schranken und Berührungsängsten abgebaut wurde.

Eine Gefahr des Ökumenismus ist natürlich, dass manche zu der Meinung gekommen sind, es gibt keine absolute Wahrheit. Wir treffen uns einfach in der Mitte. Jeder gibt ein bisschen nach, und so machen wir die Einheit. Die Einheit können wir nicht machen, sie muss uns geschenkt werden. Weil aber diese irrige Meinung sich stark verbreitet hat und auch unter vielen Gläubigen Anklang gefunden hat, wurde am 6.8.2000 von Rom das Schreiben „Dominus Jesus“ herausgegeben, in der die Kirche nochmals die Lehre des 2. Vatikanischen Konzils betont, in Erinnerung ruft und näher erläutert, dass die Kirche Jesu Christi trotz der Spaltungen der Christen voll nur in der katholischen Kirche weiter besteht. In den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sind nur Elemente der Wahrheit zu finden. Es gibt also nur eine einzige Kirche Christi, die in der katholischen Kirche verwirklicht ist. Freuen wir uns also einerseits über die bereits erreichten Übereinstimmungen, freuen wir uns aber auch, dass wir in der wahren Kirche Christi unseren Glauben leben dürfen.

Entscheidend für uns ist, dass wir uns bemühen im wichtigsten Gebot, das uns Jesus gegeben hat: in der Liebe zu allen. Beten wir um die Einheit und vertrauen wir auf das Wirken des Heiligen Geistes. Gott wird uns erhören auf eine Weise, die nur er kennt. Amen.

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