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Zöllner Zachäus (7. Gebot)

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Lk 19,1-10

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ein Jäger hat einen Star gezähmt und zum Reden abgerichtet. Sobald er rief. „Star, wo bist du?“ antwortet der Star: „Da bin ich.“ Nun kam ein Junge in des Jägers Haus, um irgend etwas auszurichten. Er sah den munteren Vogel und da eben niemand in der Stube war, nahm er den Vogel und steckte ihn in seine Tasche. Als der Jäger zurückkehrte und den Jungen sah, wollte er ihm eine Freude machen und rief: „Star, wo bist du?“ Wie staunte er, als aus der Tasche des kleinen Diebes die Antwort kam. „Da bin ich.“ Ein kleine Lehrgeschichte nicht nur für kleine Kinder. Die alten Römer hatten einen Rechtsgrundsatz, der lautet zu deutsch: „Die Sache ruft nach ihrem Herrn!“ Hier beim Beispiel mit dem Star ist der Spruch buchstäblich in Erfüllung gegangen, aber dies gilt auch für jedes andere Ding, das Eigentum des Nächsten ist.
So war es wahrscheinlich damals auch, als die Juden merkten, dass die Zöllner oft zu viel Geld verlangten und sie dadurch ausbeuteten. Doch konnten sie sich nicht wehren. Die Zöllner standen unter dem Schutz der Römer und darum waren Zöllner und Sünder eins und von den Juden gehasst. Um so verwirrender war der Satz Jesu: „Heute ist dem Haus des Zöllners das Heil geschenkt worden.“ Wie kann Jesus so etwas sagen? In den Augen der Leute war Zachäus ein Sünder. Er verstößt gegen das 7. Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“ Er hat zwar nicht eine Bank ausgeraubt, aber er hat betrogen und die Leute um´s Ohr gehauen, zuviel Steuern verlangt, u.s.w. Er selbst hat sich zwar nie so als Sünder gefühlt. Es ist sein Beruf. Das machen alle Zöllner, aber von den Leuten wurde er verachtet und dieses Schicksal trugen alle Zöllner mit ihm - bis zu diesem entscheidenden Tag. Was geschah an diesem Tag?
Angefangen hat alles damit, dass er die Nachricht hört, Jesus kommt nach Jericho. Das hat ihm keine Ruhe gelassen. Diesen Jesus möchte er kennenlernen. Was hat man nicht alles schon von ihm gehört? Er soll Kranke geheilt haben. Er soll ein Herz für die Armen und Sünder haben. Er soll viele Wunder gewirkt haben. Aber wie soll ich das nun anpacken? Ich bin klein von Statur und es ist immer eine große Menschenmenge um ihn herum. Er möchte Jesus wirklich sehen und beobachten, am besten so, dass er selber nicht gesehen wird, so hofft er, als er sich entscheidet auf diesen Baum zu klettern. Doch er irrt sich. Gerade vor seinem Baum bleibt Jesus stehen und ruft ihm zu: „Zachäus, komm schnell herunter ich muss heute in dein Haus einkehren.“ Zachäus traut seinen Ohren nicht. Hat Jesus das wirklich ernst gemeint. Ihn, einen Zöllner, der von der Menschenmenge verachtet wird, will er besuchen. Voll Freude springt er förmlich vom Baum und zeigt Jesus sein Haus. Während des Heimwegs kamen ihm dann wahrscheinlich die Gedanken. Ich bin ja wirklich ein Sünder. Ich habe gestohlen. Das muss ich wieder gutmachen. Ohne Zweifel. So kam es zu jenem wunderbaren Eingeständnis: „Herr, schau, die Hälfte meiner Güter gebe ich jetzt den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, gebe ich es ihm vierfach zurück. Du kannst dich auf mich verlassen. Der Herr schaute ihn jetzt voll Freude an und gibt ihm die Lossprechung. „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“
Liebe Brüder und Schwestern. Eine solche Gnadenstunde, wie Zachäus sie an jenem denkwürdigen Tag erleben durfte, möchte man jedem wünschen, der sie nötig hat. Dem Zachäus sind nicht nur seine Sünden gegen das 7. Gebot eingefallen, sondern er hat auch die Pflicht der Wiedergutmachung erkannt. Du musst so weit es geht, all das, was du dir unerlaubterweise angeeignet hast, zurückgeben. Wenn ich den Geschädigten noch weiß, gebe ich es ihm zurück. Wenn ich es nicht mehr weiß, gebe ich etwas den Armen. Zachäus hat als Wiedergutmachung mehr gegeben als er müßte. In seiner Freude hat er gleich mehr versprochen als nötig.
Das ist es, was wir uns heute bewußt machen wollen. Wenn wir im 7. Gebot gesündigt haben, dann haben wir die Pflicht der Wiedergutmachung. Viele Jahre hat Zachäus ohne Gewissenbisse gelebt, oder sein Gewissen totgeschlagen, doch in einem Augenblick hat er sein Unrecht erkannt und endlich hat er vorbildlich gezeigt, was man zu tun hat, um seine Schuld vor Gott und den Menschen wieder gutzumachen.
Es war für ihn selbstverständlich, dass das fremde Gut dem früheren Eigentümer zurückgebracht werden muss, und falls das unmöglich ist, dem Armen etwas gegeben wird. Und er will es auch so bald wie möglich tun. Das geht aus seinen Worten hervor.
Wie leicht war ihm plötzlich, als der schwere Stein der Schuld von seinem Herzen gefallen war. Wie groß war seine innere Freude, als ihm Jesus das Heil versichert. Sein Gewissen ist jetzt nicht mehr belastet.
Vom Zöllner Zachäus lernen wir also, dass wir, wenn wir etwas gestohlen haben, es wieder zurückgeben müssen, dass wir es wiedergut machen müssen. Ich denke, das ist eigentlich selbstverständlich und doch wird es manchmal zu wenig bedacht. Zachäus hat es bedacht und danach gehandelt. Wer einen ähnlichen Stein wie Zachäus auf dem Herzen hat und ihn ebenso los werden will, der lerne von Zachäus, der uns die Wiedergutmachung vorgelebt hat. Amen.

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