| Evangelium: Lk 18,9-14
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Stellen Sie sich einmal folgendes vor: Ein Geschäftsmann aus China kommt nach Österreich. Er hat schon fleißig Deutsch gelernt. Er hat sich auch schon ein wenig über die christliche Religion informiert, will sie aber noch besser kennenlernen. So erkundigt er sich, und erfährt, dass die Christen am Sonntag sich in der Kirche versammeln, um Gottesdienst zu feiern. Dort will er hingehen. 10 Minuten vor Gottesdienstbeginn betritt er eine katholische Kirche. Nur vier Menschen trifft er an. Da fragt er jemanden. Doch der versichert ihm, der Gottesdienst beginne in zehn Minuten. Daraufhin setzt sich der chinesische Geschäftsmann in die letzte Bankreihe und wartet. Allmählich beginnen sich die Bankreihen zu füllen. Zuerst die hinteren. Mehr und mehr füllen sich auch die vorderen Bänke. Der Gottesdienst beginnt. Als Evangelium hört er jenes vom heutigen Sonntag. Das vom Pharisäer und vom Zöllner. Das Evangelium von jenem Pharisäer, der sich ganz
selbstbewusst vorne hingestellt hat und vom reumütigen Zöllner, der es nicht wagte, seinen Kopf aufrecht zu tragen. Der Predigt kann der Chinese leider keine Aufmerksamkeit mehr schenken, weil ihn nur noch eine Frage beschäftigt. Ob das in dieser Kirche auch so ist. Ob vorne die Pharisäer sitzen und hinten die Sünder und ob er sich mitten unter die Sünder gesetzt hat? Er schaut sich seine Banknachbarn genau an. Der eine gähnt, der andere blättert im Gesangsbuch, der dritte sucht gerade Geld. Na, der Sünder im Evangelium hat sich aber nicht so benommen, denkt er sich. Wie froh ist unser Geschäftsmann, als er doch noch die letzen Sätze der Predigt mitbekommt: Der Pharisäer habe sich groß vor Gott hingestellt und habe sich somit selbst disqualifiziert. Der Sünder jedoch habe sich vor Gott klein gemacht, und sei damit groß geworden vor Gott. Nach diesen Worten des Priesters war der Geschäftsmann aus China mit seinem Platz in der letzten Reihe sehr zufrieden.
Liebe Brüder und Schwestern. Wenn das in unseren Kirchen wirklich so wäre, dass vorne die Pharisäer sind und hinten die Sünder, dann wären die größten Pharisäer die Priester, denn die stehen am weitesten vorne. Und die größten Sünder wären jene Gläubige, die hinten stehen. Mit dieser plumpen Einteilung sind sie sicher nicht zufrieden, ich bin es ebenso wenig. Obwohl ich mir als Priester immer wieder die Frage stellen
muss: Besteht nicht für einen Priester tatsächlich die Gefahr, sich wie der Pharisäer hinzustellen.
Wen betrifft also in der heutigen Zeit das, was Jesus sagt und was ist an diesem Pharisäer so schlecht, dass Jesu mit ihm nicht zufrieden ist? Das Dankgebet ist es wohl nicht. Gelogen hat er auch nicht. Er fastete wirklich zweimal in der Woche. Er gibt wirklich den zehnten Teil seines Einkommens dem Tempel. Wer von uns kann schon solche Werke vorweisen? Auch der Zöllner ist ehrlich, ebenso wie der Pharisäer und er kann nur seine Sünden vorweisen. Also, was macht er falsch?
Mir scheint, 3 Punkte sind falsch. 1. Es geht um die innere Einstellung. Er ist mit sich selbst zufrieden. Er ruht sich aus bei dem, was er erreicht hat. Strebt nicht mehr nach etwas Höherem, nach dem Besseren. Dieses Streben nach dem Guten, nach dem Besser-werden ist etwas wichtiges. Tag für Tag sind wir da herausgefordert. Tag für Tag müssen wir uns da mühen. Und wenn uns das
bewusst ist, dass es ein täglicher Kampf ist, dass keiner gegen die Sünde irgendwann immun ist, dann ist auch Fehler 2 nicht vorhanden, denn dann werden wir uns auch nicht über andere erheben, denn letztendlich ist es die Sünde des Stolzes, die den Pharisäer zu Fall bringt.
Das ist das Zweite, was falsch ist. Sein Hochmut macht alle guten Werke zunichte. Müssen wir uns nicht immer sagen wie der hl. Paulus: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.“ Es ist ein Geschenk. Da brauche ich mir nichts darauf einbilden und stolz werden und auf die anderen herabschauen.
Und 3. Das, was Jesus noch kritisiert ist meines Erachtens auch das Selbstlob des Pharisäers. Wir sind immer in Gefahr unsere guten Taten zu sehr hervorzuheben.
Die Pharisäer merkten, dass Jesus diese 3 Punkte kritisiert. 1. Die Selbstgenügsamkeit. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. 2. Der Hochmut, der Stolz, der aus den Worten des Pharisäers herauszuhören ist und 3. Das Selbstlob. Er zählt Gott auf wie gut er ist.
Diese Kritik vertrugen sie nicht und sie ärgerten sich darüber. Diese schlechten Eigenschaften, Untugenden führten bei diesen Leuten zu lieblosen Verhaltensweisen. Sie machten einen großen Bogen um Sünder und Zöllner. Sie verweigerten ihnen sogar die Erklärung der Schrift. Bei Jesus ist das ganz anders gewesen. Er sucht den Sündern, will Freundschaft schließen, will ihn gewinnen. Er will nichts anderes so sehr, dass der Sünder sich bekehrt. Jesus spricht oft davon. Denken wir an den Hirten, der die 99 gerechten Schafe
zurücklässt, um das Verlorene zu suchen. Denken wir an den verlorenen Sohn, der seine Sünden bereuend umkehrt, wo der Vater ihm entgegenläuft und dann ein Festmahl feiert. Oftmals finden wir uns im älteren Bruder, der zornig wurde und nicht hineingehen wollte. Oftmals finden wir uns im Pharisäer, der sich über die Botschaft Jesu aufregt, weil sein Selbstgenügsamkeit, sein Hochmut und sein Selbstlob angegriffen wird und oftmals beten wir falsch: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie dieser Zöllner.“ Unser Gebet soll anders lauten: „Herr, ich danke dir, dass du so groß bist in deiner Liebe und dass du selbst dem schwersten Sünder vergibst, wenn er reuevoll zu dir zurückkehrt.“ Amen. |