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Der untreue Verwalter

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Lk 16,1-13

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wie kann ein Schuft den Christen Vorbild sein? Wie kann Jesus einen solchen Betrüger loben? Vielleicht ist Ihnen auch diese Frage in den Kopf geschossen. Jesus lobt den ungerechten Verwalter! Warum tut er das? Ohne Zweifel ist und bleibt dieser Mann ein Gauner.
Es sind sich alle einig, was dieses Gleichnis aussagen will, bzw. was Jesus nicht damit sagen will. Jesus will sicherlich nicht das betrügerische Tun des Verwalters rechtfertigen. Jesus will sicher nicht, dass wir solche sündhaften Taten setzen.
Im ersten Augenblick ist es eine Skandalgeschichte. Der Verwalter hat seinen Herrn rücksichtslos hintergangen. Die Lösung wäre normalerweise, seine Schuld zuzugeben und Buße tun. Aber nein, er ist wirklich ein Schuft, denn er betrügt erneut. Dieser Schuft wird unverständlicherweise gelobt. 
Aber was wird gelobt? Was findet Jesus an ihm nachahmenswert. 2 Dinge liegen auf der Hand.
1. Der Herr lobte die Klugheit. Gelobt wird also nicht das Unrecht. Uns allen ist dabei klar, dass die Klugheit zum Guten wie zum Bösen gebraucht werden kann. „Klug sein“ ist nicht in sich schon etwas Gutes, denn wir müssen uns immer fragen: Zu was verwendest du die Klugheit? Tüftelst du damit einen Plan aus, um eine Bank zu überfallen, oder verwendest du deine Klugheit, um einen Verbrecher zu fangen. Der ungerechte Verwalter gebraucht die Klugheit zum Bösen. Wir müssen sie zum Guten gebrauchen.
Wenn wir uns die Geschichte noch einmal kurz anschauen, erinnern wir uns, dass dem Verwalter kurze Zeit bleibt, um Rechenschaft abzulegen. Was tut er in dieser Zeit? Er bleibt nicht untätig.
Das ist das Zweite. Gelobt wird in einem gewissen Sinn auch die Anstrengung, das „sich Mühen“, das „etwas tun“. Er legt nicht die Hände in den Schoß und sagt zu sich: „Hat ja doch alles keinen Sinn. Mein Herr hat mich ertappt.“ Nein, er überlegt und solange ihm noch Zeit bleibt, tut er etwas, um für sich etwas Gutes herauszuschlagen. Auch wenn die Methoden wiederum schlecht sind, muss man festhalten: Gelobt wird nicht die Methode, sondern die Anstrengung.
Was tun wir in dieser kurzen Zeit, um gerettet zu werden? Es bleibt auch uns letztendlich nur kurze Zeit auf dieser Erde. Wissen wir, wie lange uns Zeit bleibt, Gutes zu tun? Einmal ist unsere Lebenszeit zu Ende. Haben wir uns angestrengt, das ewige Ziel zu erreichen?
Der Verwalter strengt sich an und betrügt wieder. Er verschenkt, was ihm nicht gehört: 50 Fass Öl, 20 Sack Weizen. Beides verschenkt er großmütig an die, die dem Herrn etwas schulden, die sich etwas ausgeborgt haben oder die, die Pacht nicht zahlen konnten. Er verschenkt als wäre er der Besitzer. Er macht sich Freunde und denkt sich dabei: „Denen ich jetzt Wohltaten spende, die werden mich später in ihre Häuser aufnehmen, die werden mich nicht fallen lassen.“
Also noch einmal: Der Herr lobt nicht die Ungerechtigkeit, er lobt nur, dass dieser Mann es verstand, seine Zeit zu nützen, vorzubauen für die Zukunft, nicht einfach untätig blieb und sich dem Unheil überließ, sondern aktiv wurde, mit Phantasie und Tatkraft klug dem vorbeugte, was da auf ihn zukommen würde.
Die Vergleichspunkte sind also die Anstrengung und die Klugheit. Mit Bedauern wird festgestellt, dass die Anstrengung der Bösen oft größer ist, als die Anstrengung der Guten. Das haben wir gesehen bei den schrecklichen Terroranschlägen. Was macht da der Böse für Anstrengungen? Es ist dies eigentlich unvorstellbar. Für uns heißt das also: Wir sollen uns mühen, uns einsetzen, aber nicht für das Böse, sondern für das Gute und wir sollen darin klug sein. Dazu gebe uns der Herr die Kraft und die Gnade. Amen.

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