| Evangelium: Lukas 15,1-32
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In dem einen Gleichnis sucht der Hirt das verlorene Schaf, bis er es gefunden hat. Es ist für ihn sehr wertvoll, unbezahlbar. So ist es auch mit Gott und dem Menschen.
Was ist der Mensch wert? Wie viel ist er wert?
Wenn wir ihn untersuchen, wenn wir den Menschen zerlegen in seine Bestandteile, wird man entdecken, dass der Mensch relativ wenig wert ist. Angenommen ein Mensch wiegt 65 kg: So besteht er aus 45 l Wasser und aus Fett, das für sieben Stück Seife reichen würde. Er besteht aus Kohlenstoff für die Herstellung von 9000 Bleistiften. Er besteht aus Phosphor, gerade genug, um daraus 2000 Streichholzköpfe zu machen. Er besteht aus Magnesium, aus dem eine kleine Menge Salz gewonnen werden kann. Er besteht aus ein wenig Kalk. Er besteht aus ein wenig Eisen, das dem Gewicht eines kleinen Nagels entspricht und aus Schwefel, der genau die Menge ausmacht, um einen Hund vom Ungeziefer zu säubern.
Wenn man diese Einzelbestandteile kaufen würde, wäre man nicht viel Geld los.
Natürlich kommt dazu der Leistungswert, aber wenn wir den mit einer Maschine vergleichen, ist das auch nicht viel.
Für Gott sind wir aber unbezahlbar. Wir sind in den Augen Gottes von so hohem Wert, dass er alles daran setzt, so wie der gute Hirt uns immer nachzugehen, uns zu suchen, falls wir verloren gegangen sind, falls wir uns verirrt haben oder falsche Wege gehen.
Und die Freude ist unbeschreiblich groß, wenn Gott den Verirrten gefunden hat.
Alle drei Gleichnisse drücken das aus. Die Suche, bzw. das sehnsüchtige Warten auf den verlorenen Sohn, die Suche nach dem Schaf, und das Suchen nach der Drachme, einem Geldstück. Wenn sogar ein Geldstück für so manche von so großem Wert ist, es unermüdlich zu suchen,
wie viel mehr wert ist der Mensch vor Gott?
So ist es für uns alle wichtig, dass wir ausschauen nach verlorenen Menschen, nicht nur Gott sucht, sondern auch der Priester
muss suchen und jeder von uns ist aufgerufen zu schauen und zu suchen nach dem verlorengegangenen Schäfchen.
Eines freilich ist auch wichtig. Der Mensch muss sich von dieser göttlichen Liebe finden lassen. Das wird im Gleichnis vom barmherzigen Vater deutlich.
Der Sohn muss auch einsehen, dass er gesündigt hat. Er muss einsehen, dass er die Gebote Gottes übertreten hat. Er
muss einsehen, wohin er gekommen ist.
Bis dass der verlorene Sohn wieder beim Vater ist, sind 3 kleine Wunder geschehen.
Das erste Wunder ist, dass der verlorene Sohn überhaupt nachdachte. Der heutige moderne Mensch denkt über alles mögliche nach, nur nicht über Gott und über seine Gebote. Zuerst hat der Sohn auch nur nachgedacht, wie er ein schönes Leben führen könnte, wie er sich vergnügen könnte und er hat keinen Gedanken an das Vaterhaus verschwendet. Er fühlte sich wohl in diesem zügellosen Leben, bis plötzlich eins um das andere kam. Er verschleuderte alles, es kam die Hungersnot, bis er bei den Schweinen landete. Wie tief ist er gefallen? Wie tief fallen heute oft die Menschen? Aber immer wieder gibt es auch Bekehrungen und: „Es wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte.
Das zweite Wunder ist, dass Gott auch den Willen so stark machte, dass er umkehrte. Der Sohn entschließt sich wirklich aufzubrechen. Ist es nicht oft so, dass wir schwach sind unseren Willen auch auszuführen. Tagelang, wochenlang trägt der Sohn sein Elend mit sich herum und überlegt, aber er kann sich nicht entscheiden, bis er zu sich sagt: Ich will aufbrechen.
Wie oft ist vielleicht auch bei uns der Gedanke. Ich müsste eigentlich einmal wieder zur Beichte und alles abladen, was sich da aufgestaut hat, und es gelingt einem nicht, es wird wieder aufgeschoben. Das zweite Wunder: Er macht ernst und bricht auf.
Das dritte Wunder ist dann das persönliche Bekenntnis. Er kann es auch seinem Vater sagen: Ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Er hat die Demut und macht sich klein vor Gott. Das Bekenntnis gehört auch dazu und dann
vergisst der barmherzige Vater alles. Er läuft ihm nicht nur entgegen, sondern bereitet ein Freudenfest. Alles ist vergessen. Es gibt kein Nachtragen. Kein Vorwurf des Vaters ist zu hören; kein Wort von der Vergangenheit. Der durch die schwere Sünde tote Sohn lebt wieder.
Diesen Ruf jedoch darf der ältere Sohn nicht überhören.
Ich glaube, wir hier in der Kirche finden uns hauptsächlich im älteren Sohn wieder. Wir stehen an seiner Stelle. Wir befolgen Gottes Gebot, gehen in die Kirche und sind damit beim barmherzigen Vater. Wir müssen aufpassen, dass wir uns richtig entscheiden. Das Gleichnis ist offen. Wir wissen nicht, wie es ausgeht, wie sich der andere Sohn verhalten wird und wie er reagiert auf die Bitte des Vaters. Hoffentlich ist er nicht so verbittert über die Barmherzigkeit, dass er sich verschließt und nicht zur Versöhnung bereit ist, denn dann hat er keinen Platz im Haus des Vaters, dann ist er bald der verlorenen Sohn.
Oftmals passiert es auch uns, dass wir mit dem zu kämpfen haben, mit dem auch der ältere Sohn zu kämpfen hat: Mit dem Neid auf den jüngeren Bruder; mit dem Hochmut und dem Stolz u.s.w. Auch wir sollen so wie Gott bereit sein zu verzeihen, andere wieder aufzunehmen und nicht meinen, Gott handle ungerecht, wenn er barmherzig ist. Gott wird zu jedem von uns sagen: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Er steht zu uns und wird unsere Treue einmal unendlich belohnen. Amen. |