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5. Fastensonntag i. Jahreskreis B

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Joh 12,20-33

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Leute gehen auf Philippus zu, um Jesus zu treffen. Auch wir wollen immer wieder die Bitte aussprechen: „Herr, wir möchten gern Jesus sehen.“ Es ist ein Wunsch, der damals da war und der auch heute bei vielen Menschen da ist. Wir sollen diesen Wunsch in unseren Gebeten immer wiederholen, dann wird er uns auch erfüllt werden.

Wer ist nun dieser Jesus? Er sagt heute: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt bringt es reiche Frucht.“ Dies sagt Jesus für uns, daß wir nicht am Leben hängen sollen. Viele Christen haben ihr Leben als Märtyrer für die Kirche gegeben und sind dadurch so ein Weizenkorn geworden, das viel Frucht brachte. Aus dem Blut der Märtyrer wuchs die Kirche zu neuer Kraft. Jesus meint damit aber auch sich selbst. Jesus Christus mußte sterben, um Frucht zu bringen. Sein Kreuzestod ist notwendig und war die Grundvoraussetzung um den Beweis für seine Gottheit durch seine Auferstehung zu bringen.

„Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.“ Jesus ist anziehend geworden. Nicht nur als lebender, wollten viele Menschen Jesus sehen, selbst als Gekreuzigter hat sich dieses Wort erfüllt. Wie viele schauen auf das Kreuz und schöpfen Kraft für ihr Leben. Ist das nicht paradox auf ein Leidenswerkzeug zu blicken, und sich Trost und Zuversicht zu holen? Jesus hat alle an sich gezogen. Wenn wir sprechen, dass etwas anziehend ist, dann meinen wir meistens etwas Schönes. Ist Jesus am Kreuz mit seinen Wunden, mit seinem Blut etwas Schönes? Sicherlich nicht, aber doch wurde wahr, daß der Blick auf das Kreuz uns Stärke gibt, neuen Mut.

Dieses Wort: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.“ bezieht sich auch auf unsere Sünden. „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle Sünden an mich ziehen.“ Er will unsere Sünden. Er hat die Sünden hinaufgetragen nach Golgota. Schenken wir sie ihm. Er wartet darauf. Dazu ist er in unsere Welt gekommen. Wir können alles bei ihm abladen.

Wie schwer drückt uns oft die eigene Schuld und belastet unser Gewissen. Die Beichte nimmt diese Last, dieses Kreuz fort.
Jesus Christus ist selber ein Simon von Cyrene, der das Kreuz abnimmt., der diese so schwere Last dann selber auf sich lädt.

Wann waren sie das letzte Mal beichten? Ich stelle diese Frage ganz bewußt, weil sich viele diese Frage nicht mehr stellen?
Ich möchte ein Beispiel erzählen, das zeigt, daß die Beichte bei den Jugendlichen nicht „out“ ist, wie manche es immer hinstellen. Bei einer Katechese habe ich den Jugendlichen erklärt, was nach dem Tod kommt. Himmel, Hölle, Fegefeuer, das haben sie gewußt. Anschließend erklärte ich ihnen das Gericht. Ich verglich es mit einer Waage. Auf die eine Seite werden dich die Heiligen, dein Schutzengel und besonders die Muttergottes verteidigen und alle deine guten Werke hinauflegen. Wenn du brav warst, wenn du jemanden geholfen hast, u.s.w. Auf die andere Seite legt der Ankläger, der Teufel alle deine Fehler, Sünden und schlechten Werke hinauf. Nun hoffen wir, daß sich die Waage auf die Seite der guten Werke neigt, daß auf diese Seite mehr gelegt werden kann, denn dann hast du dein Ziel geschafft. Schließlich sagte ich, daß es ein Mittel gibt, wo sich der Teufel besonders ärgert, weil mit einem Schlag auf seiner Seite der Waage nichts mehr draufliegt. Die Beichte! Hiermit kippt die Waage automatisch auf die gute Seite und du bist gerettet und kommst nicht in die Hölle. Darauf sagte einer: Herr Kaplan dann möchte ich ganz schnell wieder beichten. Dieser Jugendliche hat es kapiert. Er hat erkannt welch großes Gnadengeschenk die Beichte ist und deshalb wird die Beichte so bekämpft. Lassen wir uns nicht verwirren und nützen wir dieses Geschenk.

Man kann die Kinder und Jugendlichen zur Beichte begeistern. Wenn wir aber selber ein gespaltenes Verhältnis zu diesem Sakrament haben, dann natürlich nicht. Wenn der Jugendliche die Eltern frägt, wann sie das letzte Mal beichten waren und die sagen müssen: vor 15/20 Jahren bei unserer Hochzeit, wie soll der merken, dass dieses Sakrament etwas befreiendes ist. Wenn die Eltern auch nur Ostern gehen, weil ich halt gehen muß, kommt das Kind nicht auf den Geschmack und wird es ebenfalls als „Muß“ auffassen.

Liebe Brüder und Schwestern! Die öftere Beichte, auch wenn wir keine schweren Sünden haben, hilft uns auf unserem Weg zur Heiligkeit. Sie schenkt uns viele Gnaden, Kraft besser zu werden, Mut den Kampf gegen die Sünde weiter fortzusetzen und nicht aufzugeben. Die Mutlosigkeit ist die größte Waffe Satans. Wir bekommen durch die öftere Beichte auch ein viel feineres Gewissen und merken schneller, wenn wir den Weg der Sünde einschlagen.
Machen wir uns auch einen Vorsatz, beobachten wir uns in diesem Punkt, dann schenkt uns Gott die Gnade der Verbesserung.

Vergessen wir nicht nach der Beichte auch für die zu beten, denen wir durch unsere Sünden geschadet haben. Ein gute ehrliche Beichte gibt uns den Frieden mit Gott zurück, befreit in aller Hinsicht und läßt uns Ostern in rechter Weise begehen.
Den Aufruf des Heiligen Vaters wollen wir ernst nehmen und in diesem Jubeljahr all die Gnaden, die Gott uns schenken will, mit offenem Herzen aufnehmen. Amen.

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