4. Fastensonntag i. Jahreskreis B |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Wir stehen in der Fastenzeit, der Vorbereitung auf Ostern. Der Hl. Vater betont, wie mehrmals erwähnt, daß diese Zeit die große Umkehr zum barmherzigen Vater sein soll. Ich möchte deshalb heute diese Predigt nützen, ihnen über das Sakrament der Buße, die hl. Beichte etwas zu sagen. Wir wissen, was der Evangelist Johannes schreibt, ist richtig: "Wer sagt, er habe keine Sünden, ist ein Lügner und die Wahrheit ist nicht in ihm." Immer wieder erfahren wir uns als sündige schwache Menschen, sodaß wir die Versöhnung mit Gott suchen müssen. Der Priester ist der von Gott Beauftragte, der Kraft seiner Weihe die Menschen von den Sünden lossprechen kann.Es ist sicher wahr, wenn jemand sagt, daß nur Gott Sünden nachlassen kann. Der Priester versteht sich nur dann richtig, wenn er sich als Werkzeug bewußt ist und sich im Auftrag der Kirche den Weisungen Jesu gemäß verhält. "Wem ihr die Sünden nachläßt, dem sind sie nachgelassen." Es ist dies das Ostergeschenk des Auferstandenen an uns. Christus hat bewußt die Sündenvergebung vom Spruch der Kirche abhängig bemacht und dieses Sakrament in die Hand seiner Priester gelegt. Von Anfang an hat die Kirche dieses Geschenk angenommen und die Christen haben gebeichtet. Ich zitiere nur Origenes und Tertullian aus dem 2. u. 3. Jahrhundert. Origenes schreibt: "Für die schweren Sünden gibt es nur eine Art der Nachlassung: das Sündenbekenntnis vor dem Priester." Tertullian schreibt: "Manche scheuen das Bekenntnis der Sünden wie eine Preisgabe ihrer selbst und verschieben es von einem Tag zum andern, mehr ihre Scham berücksichtigend als ihr Heil, gleich jenen, die mit einem geheimen Übel behaftet, die Kenntnis davon dem Arzt vorenthalten und so an ihrer falschen Scham zugrunde gehen." Um gut zu beichten, ist eine wahre und gute Gewissenserforschung wichtig. Ohne sie ist eine Erkenntnis unserer sündigen Seele und deren Heilung nicht möglich. Das heißt: man muß sich vor der Beichte eine gewisse Zeit nehmen, um nachzudenken. Es geht nicht darum, daß jemand jetzt auf die Idee kommt. Ich war schon lange nicht mehr beichten und sogleich in den Beichtstuhl geht und irgendetwas sagt, vielleicht die Sünden, die sie irgendwann einmal gelernt haben. Sie müssen in der Stille nachdenken. Beginnen sie mit einem Gebet. Rufen sie auch den hl. Geist an, der jetzt in ihre Seele leuchten soll und helfen soll, die Sünden zu erkennen. Für manche ist die Gewissenserforschung belastend. Sie sind von der Angst befallen, sie könnten nicht alle Fehler auffinden. Gewiß soll man sorgfältig sein, aber nicht mehr, als ich sie sonst für ernste Angelegenheiten aufwende. Es genügt das zu bekennen, was man mit der Hilfe Gottes erkennen kann. Sie können auch eine Hilfe zur Gewissenerforschung hernehmen, die finden sie im Gotteslob oder sie erforschen ihr Gewissen nach den 10 Geboten oder nach den 7 Hauptsünden (Geiz, Neid, Hochmut, Trägheit, Unkeuschheit, ...) Es spricht nicht für ihre Demut, wenn sie sagen, sie haben keine Sünden oder was auch vorkommt: Wenn sie sich im Beichtstuhl loben, sich dauernd rechtfertigen oder die Sünden der anderen aufzählen. Das Ziel ist eine gute Selbsterkenntnis. Man soll sich einerseits nicht schuldiger machen als man wirklich ist. Das kommt eher selten vor. Und man soll sich aber auch nicht besser hinstellen, als man in Wirklichkeit ist; d.h. es ist nicht gut, die Sünde zu verkleinern und sich für begangene Sünden zu entschuldigen und es ist nicht gut die Sünde zu übertreiben. Als schwere Sünden gelten die oftmals in der heutigen modernen Gesellschaft nicht mehr anerkannt werden, ich ihnen aber trotzdem sagen muß, weil es Lehre der Kirche ist, folgende: Wenn ich den Sonntagsgottesdienst bewußt nicht besuche, obwohl ich könnte, dürfen sie nicht zur Kommunion gehen, müssen vorher beichten gehen. Wenn ich mit jemanden zusammenlebe und ich bin nicht kirchlich verheiratet, müssen sie, um zur Kommunion zu gehen, vorher beichten und sich bis zur kirchlichen Trauung trennen, enthaltsam leben. Viele meinen, wenn ich geschieden bin, darf ich nicht mehr zur Kommunion gehen. Da müssen sie unterscheiden. Passen sie jetzt gut auf. Sie können dies vielleicht betroffenen Personen weitererzählen. Die Trennung an sich ist keine Sünde. Ich breche die Ehe erst, wenn ich eine neue Beziehung eingehe! Natürlich schaffen es viele nicht, besonders junge Menschen, dann allein zu leben. Jeder Priester, jede Klosterschwester aber ist ein Beispiel dafür, daß ein gottgeweihtes Leben in Keuschheit und Reinheit möglich ist. Der Ehepartner verspricht bei der Hochzeit ein Leben lang treu zu sein. Dieses Versprechen ist nicht mehr zurückzunehmen. Ich möchte ihnen nun ein paar Hilfen geben für sie, die sie den Sonntagsgottesdienst besuchen. Der regelmäßige Empfang des Bußsakramentes ist ein hervorragendes Mittel auf dem rechten Weg zu bleiben bzw. zu ihm zurückzufinden. Die öftere Beichte hilft uns, auf diesem Weg zur Heiligkeit voranzukommen. Im Bußsakrament erlangen wir also nicht nur die Vergebung der Sünden, wir bekommen auch vermehrte Gnaden und Kraft nach der Reinheit des Herzens zu streben. Der häufige Empfang der Beichte schärft das Gewissen und ein Weg in die Sünde wird viel rascher bemerkt. Ein wichtige Bedingung für eine gute Beichte ist auch, einen guten Vorsatz zu fassen. Vielleicht erinnert sich jemand, daß er bei der letzten Beichte überhaupt keinen Vorsatz gefaßt hat oder er hat ihn vergessen, weil er nämlich ohne richtige Überlegung gefaßt wurde. Oder er hat sich klare Vorsätze gemacht, aber bezüglich der Durchführung keine konkreten Pläne, so daß sie wieder im Sande verliefen. Beim Fassen eines Vorsatzes ist es eine alte Erfahrungstatsache, daß allgemeine Vorsätze so gut wie keinen Nutzen bringen. Die Vorsätze müssen konkret sein. Je öfter wir dieselben Sünden und Fehler beichten, desto konkreter soll der Vorsatz sein. So werden wir schrittweise über unsere Schwierigkeiten hinwegkommen. Haben wir uns über einen Zeitraum in einem Punkt kontrollieren und beobachten können, ist das schon der 1. Schritt zur Verbesserung. Wenn wir etwas vorangekommen sind, werden wir uns darüber freuen und mit neuer Motivation daran weiterarbeiten. Das Bekenntnis soll eine Anklage sein, ohne sich, wie bereits gesagt, irgendwie entschuldigen zu wollen. Man soll auch nicht dabei die eigenen Tugenden und Leistungen indirekt ansprechen. Wir sind immer geneigt uns in ein besseres Licht zu stellen. Es ist nicht so schlimm, wenn der Beichtvater von uns einmal vielleicht eine schlechtere Meinung hat, als wir es verdienen. Bei den Andachtsbeichten nun ist es manchmal gut sich genauer auszudrücken. Es kann uns zu einer größeren Demütigung verhelfen, besonders bei Gewohnheitssünden. Oft kostet uns die Nennung keine Überwindung mehr. Z. B. kostet es nicht sehr viel zu sagen, daß man sich geärgert hat. Es ist aber bedeutend schwerer zu sagen, daß man im Ärger auch die Tür zugeschlagen hat. Wenn wir uns so ausdrücken empfinden wir eine solche Verfehlung schwerer und bereuen sie tiefer. Abschließend ein paar Worte über die Verrichtung der Buße. Sie soll wirklich im Geist der Buße verrichtet werden. Wir können uns selbst zusätzliche Bußwerke auflegen. Es ist gut, wenn wir bei der Verrichtung der Buße auch für die beten, denen wir durch unsere Sünden geschadet haben. Wir dürfen nicht vergessen, dem Herrn für seine Güte zu danken, daß er uns seine Freundschaft neu geschenkt hat. Eine gute Beichte wird immer großes Glück und tiefen inneren Frieden bringen. Lassen sie sich vor Ostern damit beschenken. Amen. |