| Evangelium: Mk 13,24-32 Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Letzte Woche sind viele aufgebrochen, um ein paar
schöne Tage zu erleben und sich von den Anstrengungen der Woche zu erholen.
Sie mussten plötzlich erschüttert erfahren, was dieses schreckliche Unglück in Kaprun
für Fragen aufwirft, für Gedanken hervorrief, was wir alle wissen und doch nicht damit
rechnen: "Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da
ist."
Skifahrer mit zitternden Knien und bleichem Gesicht wurden interviewt, die mit der letzten
Bahn davor hoch gefahren waren und andere, die noch unten standen und aus irgendeinem
Grund nicht mehr in die Unglücksbahn gekommen waren. Sie alle fragen sich: "Was
wäre, wenn ..."
"Was wäre, wenn ich einer von diesen gewesen wäre?" Wann ist mein Ende? Aber
auch andere Fragen werden wieder wach: Wie wird es ganz am Ende sein? Wann kommt der
Weltuntergang? Ist es verbunden mit einer Katastrophe? Sind nicht Katastrophen von Jesus
prophezeit worden? Werden wir die Wiederkunft Christi noch erleben? Immer wieder hört man
von Prophezeiungen, Sterndeutern und Wahrsagern. Was ist davon zu halten? Soll man
versuchen die falschen von den wahren Propheten zu unterscheiden. Oder soll man alles in
Bausch und Bogen verwerfen? Ist alles Humbug, Schwindel, Unsinn? Der Mensch ist von Grund
auf sehr neugierig und viele interessieren sich für solche mysteriöse, nicht greifbaren
Dinge. Es ist eher selten, daß ein Mensch ganz unempfänglich ist, daß ihn das alles
kalt läßt. Es kommt nicht von ungefähr, dass nicht nur die Zeugen Jehovas den Zeitpunkt
des Weltuntergangs versucht haben auszurechnen und vorherzusagen. Inzwischen sind sie
davon abgekommen, weil sie unglaubwürdig werden, denn es ist nie eingetreten.
Um dieses Thema mit christlichen Augen zu betrachten, müssen wir in die hl. Schrift
schauen und sie mit einem nüchternen Verstand interpretieren. Was sagt Jesus vom
Weltende?
Das heutige Evangelium spricht davon. Was will uns dieser Text sagen?
1. Jesus möchte, dass wir wachsam sind. Denn die genaue Stunde kennt niemand, nicht
einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Sie kennen vielleicht die Geschichte von dem
Lieblingsdiener des Sultans, der ins Gemach seines Herrn stürzte, sich ihm zu Füßen
warf und um das schnellste Ross bat: Er müsse nach Basra fliehen. Im Park unten stünde
der Tod und strecke seine Hände nach ihm aus. Der Sultan gab ihm das Pferd. Der junge
Mann sprengte davon. Der Herrscher begab sich in den Garten und sah den Tod: "Was
fällt dir ein, meinen Diener zu bedrohen?" fuhr er ihn an. "Ich habe ihn nicht
bedroht", antwortete der Tod. "Ich hob nur meine Arme, erstaunt, ihn noch hier
zu sehen; denn ich bin in fünf Stunden mit ihm verabredet. Auf dem Markt in Basra."
Keiner von uns weiß, wann und wo er diese Verabredung hat, aber sicher ist, dass sie
kommen wird. So sicher, wie auch diese Welt endlich und vergänglich ist und ein Ende
haben wird.
Und darum sollen wir die Frage "Was wäre, wenn" nicht einfach verdrängen, sie
von uns zu schieben, so als ob noch einige Jahre Zeit ist. Dazu ist die Frage viel zu
ernst. Eltern, die ihre Kindern lieben, werden immer wieder einmal nachfragen, ob sie
etwas Wichtiges auch getan haben. Genau so erinnert uns die Kirche jedes Jahr um diese
Zeit an die Endlichkeit und Vergänglichkeit unseres Lebens, nicht um uns Angst zu machen,
sondern um uns zu helfen, dass wir nicht ganz unvorbereitet diese Stunde erleben. Erstens
also wachsam sein. Was will uns aber dieser Text noch sagen?
2. Das Evangelium sagt, es werden vorher Katastrophen kommen. Das haben wir besonders auch
in unserem Jahrhundert gemerkt. Nicht nur Karpun ist tragisch, noch viel tragischer waren
Hitler und Stalin.
Jesus sagt in diesem Zusammenhang: Wenn ihr aber von Kriegen hört, dann laßt euch nicht
schrecken, denn es muß so kommen, aber noch ist es nicht das Ende. Das ist erst der
Anfang.
Zwar können die Bilder vom Ende der Welt aus dem heutigen Evangelium uns beängstigen.
Sie können aber auch genauso trösten und Zuversicht und Hoffnung schenken. Es hängt von
unserem Standpunkt ab. Der echte Christ lebt in Erwartung. Die ersten Christen sehnten
sich nach der Wiederkunft Christi. Der letzte Satz der hl. Schrift bestätigt dies.
Maranatha heißt Komm Herr Jesus. Die ersten Christen wußten, wenn der Tag X kommt,
erscheint der Menschensohn, erscheint Christus mit Macht und Herrlichkeit. Es ist der Tag
des Triumphes, des Sieges und der vollendeten Erlösung. Es wird eine große Freude sein.
In diesem Sinn wird auch uns dieser Text keine Angst einflößen, sondern das Verlangen
steigern, die Wiederkunft Christi mit Sehnsucht zu erwarten. Amen. |