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31. Sonntag i. Jahreskreis B

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mk 12,28b-34

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es geht heute um das erste und größte Gebot! Jesus verbindet 2 Gebote aus dem Alten Testament zu einem. In der Lesung hörten wir das Gebot der Gottesliebe. An einer ganz anderen Stelle im AltenTestament finden wir erst das Gebot der Nächstenliebe. Jesus verbindet die 2 zu einem Gebot und macht sie zum höchsten Gebot, das über die 10 Gebote steht. Er verkündet damit in gewisser Weise etwas neues. Mit diesem Liebesgebot steht und fällt alles, es ist das Kernstück unseres Glaubens. Wir nennen es das Doppelgebot der Liebe. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Wenn sich jeder daran halten würde, wäre alles in Ordnung.
Wenn man sich vorstellt, dass die Schriftgelehrten aus dem Gesetzbuch des Mose nicht weniger als 613 Einzelgesetze herausgeholt hatten, die in 248 Geboten und 365 Verbote eingeteilt wurden, dass sie all diese 613 Gesetzesvorschriften wieder in „leichte“ und „schwere“ unterteilten und in endlosen Schulübungen versuchten, in dieses Wirrwarr von Geboten irgendeine Ordnung zu bringen, erst dann versteht man so recht, wie der Gesetzeslehrer zu seiner Frage kommen konnte. Es war wir im Dschungel, im Urwald, wo man vor lauter Bäume keinen Weg findet. Hilflos waren die Juden oft und es kam nicht selten zu Streitereien.
Vielleicht hat sich das auch schon einer von uns gedacht. Warum so viele Gebote und Vorschriften in der Kirche. Hier ist die Lösung. Gottes- und Nächstenliebe. Hier ist das Gesetz Gottes auf die kürzeste Formel gebracht.

Was heißt aber Gott lieben? Wann lieb ich Gott? Was ist, wenn ich nichts fühle. Ich spüre oft nichts in mir und merke nicht, ob ich Gott liebe oder nicht.
Das Gefühl ist nicht das Wesentliche in der Gottesliebe. Gott soll immer Priorität haben. Seine Gebote erfüllen und nach seinem Willen handeln, ist Ausdruck der Liebe zu ihm. Damit kann ich feststellen, ob ich Gott liebe, auch wenn ich nichts spüre. Wenn ich Eifer für Gott und seine Sache habe. Wenn ich Treue zeige im Kampf gegen die Sünde.
Das Liebesgebot stellt uns vor eine große Herausforderung. Das liegt schon in der Natur der Liebe, denn die Liebe sagt niemals: Jetzt ist es genug.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“
Gott will nicht nur Almosen, nicht nur unsere Gaben, nicht nur unser Tun, sondern er will uns selbst mit unserm ganzen Sein, mit Leib und Seele, mit Körper und Geist. Er will alles von uns, er will uns ganz.

Das Zweite, was dem ersten gleichgestellt ist, ist die Nächstenliebe. Was heißt den Nächsten lieben wie sich selbst. Wer den Nächsten weniger liebt wie sich selbst, ist ein Egoist. Wer den Nächsten mehr liebt wie sich selbst, hat Minderwertigkeitsgefühle und kein Selbstbewußtsein.
Wie aber lieb ich mich selbst richtig. Es gibt eine richtige Selbstliebe und eine falsche Selbstliebe. Wenn ich selbstsüchtig bin, nur auf mich schaue ist das sicher nicht die richtige Selbstliebe. Die richtige Selbstliebe ist aber sehr wohl selbstlos. Wer sich selbst verleugnet, wer sein Leben gering achtet, der wird es gewinnen. Warum tue ich es, weil ich das Hundertfache bekomme, weil mir Jesus die ewigen Wohnungen verheißen hat. Wer sich selbst richtig liebt, also kein Egoist ist, kann den Nächsten lieben. Wer sich selbst annimmt als Geschöpf Gottes, die Sünde in sich haßt und das Gute fördert, der liebt sich selbst und wird den Nächsten richtig lieben.

Die zwei Gebote Gottes- und Nächstenliebe gehören also zusammen. Jesus hat die beiden Liebesgebote untrennbar miteinander verbunden wie die zwei Balken des Kreuzes. Der senkrechte Balken zielt auf die Liebe zu Gott, der Querbalken umspannt und umarmt die Welt und den Menschen. Die Streichung eines der beiden Liebesgebote führt zur Einseitigkeit. Entweder zu Betbrüdern mit Scheuklappen oder zu gottlosen Humanisten.
Man darf beide Gebote nicht gegeneinander ausspielen. Das passiert, wenn einer sagt: Die Liebe ist mehr als alle Brandopfer oder das andere Extrem: Die Caritas ist wichtiger als die Liturgie. Je echter Liturgie gefeiert wird, um so stärker wird die Gemeinde zur Caritas gedrängt. Endet der Glaube am Kirchentor ist die Messe schlecht gefeiert worden. Das Doppelgebot der Liebe aber ermutigt uns die Messe gut mitzufeiern und sich daraus Kraft zu holen, auch die Nächstenliebe so gut es geht im Alltag zu leben. Amen.

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