| Evangelium: Mk 10,2-16 Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Wenn ich in das Taufbuch schaue, freue ich mich
einerseits, dass alle diese Kinder getauft sind. Wenn ich aber dann sehe, dass fast alle
Eltern nicht kirchlich getraut sind, ich sage jetzt keinen Prozentsatz, sonst fallen sie
in Ohnmacht, stimmt es mich nicht nur sehr traurig und nachdenklich, sondern es ist dies
äußerst bedenklich.
In einer Nachbarpfarre stöhnte ein Pfarrer: Letztes Jahr habe ich überhaupt keine
Trauung gehabt. Noch dazu stellen wir fest, dass von den Ehen, die geschlossen werden,
immer mehr in Brüche gehen. Daher trauen sich immer weniger junge Leute kirchlich zu
heiraten.
Es stellt sich fast die Frage: Kann man fünfzig Jahre wirklich dieselbe Frau lieben? Kann
man fünzig Jahre nur demselben Mann treu sein? Ist der Mensch damit nicht überfordert?
Die Reaktion von vielen ist, sie leben zusammen ohne jegliche Bindung um, falls es schief
geht, sich leichter wieder trennen zu können. Allein der Hintergedanke ist
verhängnisvoll. Ich lasse mir ein Hintertürchen offen. Ich will mich nicht festlegen und
für immer binden. Ich trau mich nicht! Ist das die Lösung? Sicher nicht!
Wo liegt der Fehler? Einerseits sehnt sich die Jugend nach Treue und wahrer Liebe,
andererseits haben sie nicht die Kraft dieses Ideal zu leben. Warum?
Sicherlich spricht der Zeitgeist gegen dieses
Ideal. Sicherlich muß ich gegen den Strom schwimmen, wenn ich bis zur Ehe warten will.
Das heißt, es ist nicht leicht, die Reinheit zu leben und es ist nicht leicht eine Ehe zu
leben. Aber auch zur Zeit Jesu hat es diese Schwierigkeiten gegeben. Auch Jesus haben sie
darum diese Frage gestellt! Jesus hat eine eindeutige Antwort gegeben. Die Jünger sind
auch betroffen durch die Verschörfung der Ehesituation durch Christus.
Ich denke, ist nicht ein wichtiger Grund, weil viele das Gebet und die hl. Messe nicht
mehr ernst nehmen. Weil soundsoviele überhaupt nicht mehr beten? Das sind doch die
Kraftquellen, um bei bösen Tagen durchhalten zu können.
Liebe Brüder und Schwestern! Brautpaare hören am Tag ihrer Trauung den Satz: Was
Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Es ist ein Tag der
Entscheidung und viele von ihnen haben es selber vor dem Priester und vor Gott
versprochen. Dieser Bund ist ewig, für immer. Kein Mensch, nicht einmal der Papst kann
diesen Bund lösen. Die Ehe ist ein Liebesbund für die Ewigkeit. Was einen momentan
erschreckt, ist auf der anderen Seite das Fundament für das wahre Glück in der Ehe. Ich
kann mich verlassen. Ich bin nie allein. Es verspricht mir jemand, dass er mit mir durch
dick und dünn geht, in Gesundheit und Krankheit, in guten und bösen Tagen, und mich eben
nicht gleich wieder verläßt. Gott schenkt dazu die Kraft und die entsprechenden Gnaden.
Die Zwei werden ein Fleisch werden. Und jeder der sich darüber hinwegsetzt, seine Frau
entläßt und eine andere heiratet oder umgekehrt, begeht Ehebruch.
Wenn nun z.B. ein Mann Ehebruch begeht oder noch schlimmer seine Frau wegen einer anderen
verläßt, darf auch der andere Teil nicht daraus folgern, jetzt ist das auch mir erlaubt.
Genauso gilt das für einen, der ledig ist und eine Verheiratete heiratet.
In meinerer früheren Pfarre, wo ich Kaplan war, hat es einmal eine Entrüstung gegeben.
Ich habe erzählt: Auch ich wollte einmal heiraten. Und dann habe ich gesagt: Wenn mich
nun meine Frau verlassen hätte, wenn sie sündigt, wenn sie Ehebruch begeht und mit einem
anderen Mann durchgeht. Ich würde mein Leben lang allein bleiben, für sie beten, dass
sie sich bekehrt und gerettet wird. Obwohl sich viele aufgeregt haben, wie kann ich so
etwas behaupten. Das kann ich gar nicht wissen, wie ich mich verhalte. Ich sei weltfremd
u.s.w, bleibe ich dabei. Ich hätte es vor Gott versprochen und dadurch mein ganzes Leben
versprochen. Das gleiche gilt ja jetzt für mich als Priester. Ich habe auch mein Leben
lang versprochen zölibatär zu leben. Manchmal bemitleiden mich Leute, aber das muß
nicht sein, denn ich war ganz frei bei meinem Entschluß. Sie kennen den bekannten Satz.
Der Priester tut mir leid, der darf nicht heiraten. Ähnlich wäre es, wenn
ich zu einem kirchlich Verheirateten sage. Du tust mir leid. Du darfst nur eine Frau
haben.
Es geht, liebe Brüder und Schwestern, um die Liebe. Ich will meine Liebe jemanden ganz
schenken ohne Vorbehalt. Genauso ist dies bei einem Priester. Er schenkt sich ganz der
Kirche. Und nur diese Ganzhingabe, sowohl in der Ehe, als auch im geistlichen
zölibatären Stand macht ganz glücklich.Alles andere mit den Vorbehalten ist zum
Scheitern verurteilt. Wenn ich denke, ich bleibe treu, solange es gut geht, ist das
verkehrt und die Lüge kehrt ein. Die Lüge zieht über die ganze Welt, besonders über
die westliche Wohlstandsgesellschaft.
Auch wenn wir nun sehen, dass so und so viel schief geht, heißt das nicht, dass die Ehe
schlecht ist. Die Ehe ist gottgewollt. Sie ist ein Liebesbund. Einer gibt sich dem anderen
ganz hin. So ist es auch zwischen Christus und der Kirche. Christus hat sich für seine
Kirche, die Braut ganz hingegeben. Er bleibt seiner Kirche ewig treu. Er lebt es uns vor.
Darum ist die Ehe auch ein Sakrament! Durch das Sakrament der Ehe werden die Gatten
fähig, diese Treue zu leben und sie zu bezeugen. Durch das Sakrament erhält die
Unauflöslichkeit der Ehe einen neuen, tieferen Sinn. Durch das Sakrament bekommen sie
auch die Gnaden, das, was sie versprochen haben, zu halten.
Die Ehe ist in der heutigen Zeit in Gefahr. Die Ehe gehört daher geschützt. So ist jede
gelungene Ehe ein leuchtendes Vorbild, wo die Eheleute Gott danken dürfen. Denn was Gott
verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen, das bleibt in Ewigkeit. Amen. |