| Evangelium: Mk 9.30-37 Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Sie haben bestimmt schon einmal ein Kind gefragt,
was es werden will. Kinder träumen oft etwas großes zu werden. Wenn man sie fragt,
möchten viele reich werden, viel Geld verdienen, um sich viel leisten zu können. Sie
möchten einen wichtigen Posten, wo sie Macht haben, andere unter sich haben und wo sie
befehlen können. So manche Kindheitsträume verfliegen wieder, doch wenn wir die
Arbeitswelt beobachten, finden wir bei manchen dieses Streben wieder. Wir entdecken immer
wieder Menschen, die Charriere machen wollen, die was werden wollen, die sehr ehrgeizig
sind, die natürlich das große Geld machen wollen um sich dann ein schönes Leben
einrichten zu können.
Es ist dies ein sehr menschliches Streben, das beim einen mehr, beim anderen weniger
ausgeprägt ist. Auch unter den Aposteln ist nun dies festzustellen. Sie möchten wissen
wer von ihnen der Größte ist! Wer steht über dem anderen? Wer ist der erste? Wer gilt
mehr?
Obwohl Jesus ihnen gerade noch versucht hat zu erklären, was mit ihm geschehen wird, daß
er leiden muß, daß sie ihnen töten werden, obwohl sie ihn nicht verstanden, fragen sie
nicht nach dem Sinn seiner Worte, sondern ihnen ist in diesem Augenblick etwas anderes
wichtig. Sie diskutieren die Rangfolge. Unermüdlich bemüht sich Jesus seinen Aposteln
die falsche Messiasvorstellung zu nehmen und sie trauten sich nicht ihn zu bitten, er
möge es ihnen nochmals erklären. Dafür streiten sie über die Macht und die Reihenfolge
der Plätze im Reich Jesu. In welchem Reich? Im Reich, wo Jesus als Messias herrscht, ein
Messias, der aber nicht leiden darf. Gerade das haben sie falsch verstanden und wir
erinnern uns an die letzte Woche, an das Evangelium, wo Petrus eine große Demütigung
erfahren hat.
Ebenfalls spricht Jesus vom Leiden und Petrus, der soeben das Bekenntnis abgelegt hat:
Du bist der Messias!, macht Jesus Vorwürfe. Mein Messias leidet nicht.
Diesmal ist es ähnlich: Sie reden über die Rangfolge der Apostel und denken sich ein
irdisches Reich, eine jüdische Befreiungsorganisation vielleicht. Gerade diese Gedanken
will Jesus ihnen wegnehmen.
Es gibt aber im Verhalten Jesu einen Unterschied zum letzten Mal. Mit Petrus ist er sehr
grob umgegangen. Er hat ihn nicht mit Samthandschuhen angefaßt. Seine Antwort war nicht
sehr gewinnend, sie war streng abweisend. Weg von mir Satan! Können wir uns
einen schlimmeren Satz vorstellen? Vergleichen wir diese Reaktion mit dem heutigen
Handeln. Er setzte sich und rief die Zwölf. Sie sollen sich wahrscheinlich in einem
gemütlichen Kreis um ihn herumsetzen. Gespannt warteten sie was nun kommen wird. Ihr
schlechtes Gewissen bedrückte sie, denn sie ahnten, daß Jesus ihre Gedanken weiß. Jetzt
kommt der entscheidende Satz: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und
der Diener aller sein. Jesus verurteilt nicht ihr Streben der Erste, der Größte zu
sein, aber er stellt klar die Weichen. Er sagt ihnen, was sie tun müssen, um der Erste zu
sein.
In diesem Satz wird sich wieder besonders Petrus
angesprochen gefühlt haben. Ist doch er auserwählt worden der Erste zu sein. Du bist
Petrus der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Immer wieder wird er
sich daran erinnern. Gerade in den Situationen, wo er versagt hat. Als er Jesus dreimal
verleugnet, als der Hahn krähte, als ihn Jesus dreimal fragte: Liebst du mich? Es trifft
ihn ins Herz. Ich soll der Erste sein? Und ich bin doch ein Versager. Aber wenn ich klein
und demütig bin, dann bin ich der Erste. Die Szene spielt wahrscheinlich im Haus des
Petrus in Kafarnaum nicht zufällig. Petrus ist tatsächlich bestimmt der Erste zu sein.
Aber es gilt für ihn, dies richtig zu verstehn, nicht um zu herrschen, um Gewalt
auszuüben, um sich bedienen zu lassen, sondern er ist der Erste, um zu dienen.
Was heißt Diener sein? Diener sein heißt nicht nur kein Pascher zu sein, sondern heißt
viel mehr. Diener sein heißt nicht nur fleißig sein, nicht faul sein, sondern auch
offene Augen zu haben für die Not der Mitmenschen, freiwillig helfen. Diener sein heißt
nicht nur seine Pflicht erfüllen, sondern heißt besonders auch Christus nachfolgen und
dies mit allen Konsequenzen des Leidens. D.h. auch den Kreuzweg mitgehen.
Das alles heißt Diener sein. Diener sein lernt man aber nicht in der Theorie, sondern nur
in der Praxis. Jeder Mensch spürt das Kreuz, das ihm auferlegt ist. Wenn wir es im Geiste
Jesu annehmen, sind wir Diener und zugleich der Größte. Wir dürfen danach streben der
Erste zu sein. Wir sollen es sogar. Jesus hat dieses Streben nicht verurteilt. Erster ist
aber nur, wer Diener aller ist. Amen. |