| Evangelium: Joh 6,60-69 Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. So begann
der hl. Vater letzten Sonntag seine Predigt zum Abschluss des 15. Weltjugendtreffens in
Rom, wo über 2 Millionen Jugendliche hinkamen. So etwas hat die Kirche noch nie erlebt.
Es ist etwas unerklärliches, dass ein 80-jähriger Mann so eine Anziehungskraft hat und
die Jugend so begeistern kann.
Herr, zu wem sollen wir gehen? so sprach Petrus am Ende der Eucharistierede Jesu, als
dieser sie fragte: Wollt auch ihr gehen?
Die Leute haben die Botschaft Jesu nicht verstanden. Sie haben leider nichts kapiert.
Jesus offenbart sich als das wahre Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Er gibt sich
selbst uns zur Speise. Aber die Zuhörer sind dafür unempfänglich: Was er sagt,
ist unerträglich. Wer kann das anhören? Sie glauben, sie sind Leute mit gesundem
Menschenverstand, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Darum glauben sie auch nicht
den Worten: Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise. Sie schütteln deshalb den Kopf und
gehen nacheinander murrend weg. Die Volksmenge des Anfangs schrumpft gleich zusammen.
Schließlich bleibt nur noch die winzige Gruppe der treuesten Jünger übrig. Doch wenn es
um das Brot des Lebens geht, ist Jesus nicht bereit nachzugeben, kann er gar
nicht nachgeben. Es geht um die Wahrheit, die er verkünden muß. Jesus läßt sich
dadurch nicht erschüttern und wird nicht unsicher. Er riskiert sogar, daß er die
Menschen, die ihm am nächsten stehen, verliert: Wollt auch ihr weggehen? Ich
zwinge keinen bei mir zu bleiben, doch ich bleibe dabei. Ich möchte euch mein Fleisch zu
essen geben. Das müßt ihr glauben. Es soll eine Stärkung für euch sein. Wer dieses
Brot ißt, wird in Ewigkeit leben! Meine Priester werden die hl. Messe feiern und euch
meinen Leib reichen.
Die Frage: Wollt auch ihr gehen? wurde die Jahrhunderte hindurch bis in unsere Zeit immer
wieder gestellt. Sie berührt uns persönlich und ruft jeden zur Entscheidung auf. Auch
uns fragt Jesus: Willst auch du gehen? Viele gehen! Immer mehr gehen und treten aus der
Kirche aus. Jesus hindert sie nicht. Die Menschen sind frei. Gott hat uns die Freiheit
geschenkt, weil wir nur in Freiheit ihn lieben können. Diese Freiheit enthält die
Möglichkeit sich gegen Gott zu entscheiden. Diese Freiheit enthält aber auch die
Möglichkeit sich für Gott zu entscheiden! Und bei jeder bewußten Entscheidung für
Gott, da herrscht im Himmel eine unaussprechliche Freude.
Der hl. Vater hat die Jugendlichen auch so gefragt: Und ihr? Geht ihr auch! Aber dann hat
er die Antwort gegeben. Ihr, liebe Jugendliche, seid heute hier, weil ihr mit den Worten
des Apostel Petrus sagt: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen
Lebens. 2 Millionen Jugendliche haben sich aufgemacht, Jesus Christus zu suchen und
seine Worte des ewigen Lebens zu hören.
Um uns herum werden viele Worte gemacht, aber Christus allein hat Worte, die für die
Ewigkeit bleiben. Und immer wird unter den vielen Fragen die eine entscheidende bleiben.
Zu wem sollen wir gehen? Wem sollen wir folgen. Wem sollen wir unser Leben anvertrauen?
Und dann sagt der Papst etwas sehr wichtiges.
Was im Leben wirklich zählt, ist die Person, mit der man sich entschließt, das Leben zu
teilen. Doch Vorsicht! Jede menschliche Person hat unweigerlich ihre Grenzen: auch in der
glücklichsten Ehe muß man ein gewisses Maß an Enttäuschung einkalkulieren. Also, liebe
Freunde! Ist das nicht die Bestätigung dessen, was wir vom Apostel Petrus gehört haben?
Früher oder später ruft jeder Mensch mit ihm aus: Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens. Jesus von Nazaret, Gottes und Mariens Sohn, das
ewige Wort des Vaters, geboren vor zweitausend Jahren zu Betlehem, er allein kann die
tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzens stillen. Er wird uns nie enttäuschen, wenn
wir uns ihm ganz anvertrauen.
In der Frage des Petrus: Zu wem sollen wir gehen? liegt schon die Antwort
über den Weg, den wir zurücklegen müssen. Es ist der Weg, der zu Christus führt. Der
Papst sagte: Der göttliche Meister ist persönlich erreichbar: Denn er ist
gegenwärtig auf dem Altar in der Wirklichkeit seines Leibes und Blutes. Im
eucharistischen Opfer können wir auf geheimnisvolle aber wirkliche Weise mit seiner
Person in Kontakt treten und so zur unausschöpflichen Quelle seines Lebens als
Auferstandener gelangen.
Jesus will uns aufmerksam machen auf die Wichtigkeit dieses Sakramentes. Wenn wir die
heilige Messe besuchen, gehen wir zu Christus. Hier finden wir Jesus im Brot, das vom
Himmel gekommen ist. Der Papst sagt: Jesus mag keine Halbheiten. Er verlangt von uns
Treue. Er will, dass wir die Eucharistie zur Mitte unseres Lebens machen. Liebt sie,
verehrt sie, feiert sie besonders am Sonntag.
Jesus zögert nicht, uns die bohrende Frage zu stellen: Wollt auch ihr
weggehen? Mit Petrus wollen auch wir vor Christus, dem Brot des Lebens, heute
wiederholen: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Amen. |