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16. Sonntag i. Jahreskreis B

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mk 6,30-34

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ein mir bekannter Priester, der die Angewohnheit hat recht lange zu predigen, und dessen Predigten nicht immer die interessantesten sind, hat sich auf diese Bibelstelle bezogen, als ich ihn auf diesen Schwachpunkt aufmerksam machte. Ich habe es ihm nur gut gemeint und riet ihm, kürzer zu predigen, da sagte er: „Auch Jesus lehrte sie lange.“
Man kann sich in vielen Punkten Jesus zum Vorbild nehmen, man soll es sogar, aber in manchen Verhaltensweisen ist man nicht dazu verpflichtet.
Jesus lehrte sie lange, obwohl es nicht geplant war. Er wollte doch ausrasten, ausruhen, sich erholen.
Ich wundere mich, daß Jesus dann doch sich diese Zeit nimmt und zu den Leuten spricht! Hat er nicht gerade das Ziel gehabt mit seinen Jüngern allein zu sein, sich zurückzuziehen, in Ruhe zu essen?
Dauernd wurde er bedrängt und jetzt laufen sie ihm auch noch nach in diese einsame Gegend, wo sie auftanken wollten. Warum wird Jesus nicht ungeduldig? Warum erklärt er es ihnen nicht: Jetzt geht es nicht!? Warum schickt er sie nicht weg?

Mir schweben verschiedene Gründe vor Augen?
Erstens steht im Evangelium. Er hatte Mitleid. Er sieht, wie sie nach Wahrheit hungern. Zu Fuß laufen sie ihm nach, denn sie ahnen und wissen: Hier spricht mehr als nur ein Mensch. Das, was er verkündet, hat dieser sich nicht einfach ausgedacht. Sie sagten: Er spricht nicht so wie die Schriftgelehrten. Er lehrt uns wie einer mit Macht, mit Vollmacht.
Zweitens sieht Jesus: Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Er selber sagt: Ich bin der gute Hirt. Einem verlorenen Schaf geht er nach bis er es gefunden hat. Er übergibt Petrus das Hirtenamt. Weide meine Schafe. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe.
Was sind Schafe ohne Hirten? Was tut so eine Herde? Diese Herde wird sich zerstreuen. Diese Herde wird es nicht mehr lange geben! Sie wird nicht überleben können, da keiner da ist, der sie verteidigt, der sie beschützt. Darum müssen wir um gute Hirten beten. Die Kirche braucht notwendig Priester. Der Priestermangel ist die große Herausforderung in der heutigen Zeit. Ohne Priester zerfällt die Kirche. Ohne Priester gibt es die Kirche Jesu Christi nicht mehr. Ohne Priester gibt es keine hl. Messe, keine Lossprechung von den Sünden, keine Krankensalbung. Die wichtigsten Sakramente können nicht mehr gespendet werden und damit stockt der Gnadenstrom. Gott will durch die Sakramente wirken. Alle Versuche, den Priester auf irgendeine Art ersetzen zu wollen, schlagen fehl. Der Priester kann nur durch einen Priester ersetzt werden.
Und drittens: Warum lehrt Jesus trotzdem, obwohl er müde ist? Dies steht nicht im Text, aber es ist ganz klar. Er hat den Auftrag vom Vater. Ich bin gekommen um den Willen meines Vaters zu tun, zu erfüllen. Er ist in die Welt gekommen, um zu verkündigen. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Dieser Auftrag bleibt, auch wenn er müde ist. So bleibt ein Priester ein Priester, auch wenn er Urlaub hat, zu Hause ist. Der Priester hat im strengen Sinn kein Privatleben. Darum schickt auch Jesus die Leute nicht weg und nimmt sich Zeit. Auch Jesus kann sich nicht einfach Urlaub nehmen von seinem Auftrag. Priester auf ewig, heißt es. Der Priester kann nicht sagen, heute habe ich keine Lust zum Messe lesen, keine Lust zum beten, zum Beichte hören u.s.w. Wenn er gebraucht wird, muß der Priester seinen Dienst erfüllen. Das hat Jesus uns damit sagen wollen. Auch wenn er müde ist, hat er trotzdem den Wunsch der Leute erfüllt, als sie kamen. Sie waren hungrig nach dem Wort Gottes. Und er lehrte sie lange.
Ich wiederhole die drei Punkte: Erstens hatte Jesus Mitleid. Zweitens sah er sie als Schafe ohne Hirten. Drittens ist er gesandt vom Vater die Frohbotschaft zu verkünden, zu jeder Zeit, wenn nötig. Diese Botschaft ist nicht nur die Wahrheit, sondern war für die Leute so interessant, daß es ihnen nichts ausmachte, lange zuzuhören. Auch heute hat die Wahrheit etwas interessantes an sich. Auch wenn sie nicht immer angenehm ist, uns manchmal als unbequem erscheint. Trotzdem wollen wir auf sie hören und die Wahrheit, die wir in den Geboten Gottes sehen und erkennen, erfüllen. Amen.

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