| Hochfest der Gottesmutter Maria |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Das magische Jahr 2000 ist angebrochen. Der Weltuntergang ist ausgeblieben. Sie alle sind in die Kirche gekommen, um das Hochfest der Gottesmutter zu begehen. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil läßt uns die Kirche dieses neue Muttergottesfest an diesem Tag feiern. Zu Beginn des bürgerlichen Jahres wird uns also Maria vor Augen gestellt als die Gottesmutter. Mit ihrem Ja zum Willen Gottes, mit ihrem Ja-wort zur Menschwerdung Gottes ist ein Neuanfang gemacht. Gott selbst will einen neuen Anfang setzen, indem er seinen Sohn in Maria Mensch werden läßt. So darf sie in Wahrheit Gottesmutter, ja auch Gottesgebärerin genannt werden. Weil eben Maria dadurch am Anfang steht ist es theologisch völlig richtig mit Maria zu beginnen und die Kirche hat recht getan, daß sie diesen ersten Tag der Gottesmutter geweiht hat. Das bedeutet für uns, daß wir in dieses Jubeljahr 2000 hineingehen sollen mit Maria, d.h. mit der Haltung Mariens. Sie kennen die vorbildliche Haltung Mariens. In dem einen Satz des Evangeliums ist sie ausgedrückt. "Maria aber bewahrt alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach." Es ist ein Satz, indem sehr viel ausgesagt wird. Auf 2 wichtige Aussagen darf ich näher eingehen. 1. Maria bewahrte alles. Es war ja sehr viel und sehr viel außergewöhliches geschehen. Es hat begonnen mit der Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria. Sie wird ein Kind bekommen, das ist vom Heiligen Geist. Weiters die übernatürlichen Eingriffe Gottes um Josef mit einzubeziehen. Dann die geheimnisvolle Geburt in Bethlehem. Als die Hirten kamen, wurde Maria erneut mit dieser fast mysteriösen Botschaft konfrontiert. Die Hirten erzählten ja alles, was sie erlebt haben. Daß ihnen Engel erschienen, daß sie von einem Kind erzählten, das sie finden werden, das in einer Krippe liegt, und daß es der Retter, der Heiland ist, der geboren wurde, der Messias, der Herr. All das, was geschehen war, bewahrte Maria in ihrem Herzen. Maria war also konservativ. "Konservare" heißt "bewahren". D.h. sie hat es nicht gleich wieder vergessen oder angezweifelt. Alle, die es hörten, staunten, wunderten sich. Das Staunen über die wunderbaren Taten Gottes haben viele verlernt. Wie können Kinder noch staunen. Nicht nur über den Christbaum, oder über die Geschenke. Sie staunen auch über das Geheimnis der Krippe. Gott macht sich ganz klein zu einem Kind, das ganz hilflos ist, das man wickeln muß, das man stillen muß, das man erziehen muß, u.s.w. 2. Maria dachte darüber nach. Dies ist eine ganz wichtige Haltung. Zuerst sollte man einmal darüber nachdenken, über das, was man soeben erfahren hat, was geschehen ist. Später wird Maria auch erfahren, daß ihrer Seele ein Schwert druchdringen wird, als sie im Tempel ist. Auch das hat sie im Herzen bei sich behalten, hat darüber nachgedacht. Es ist kein unkritisches in sich aufnehmen gewesen. Sie reflektiert alles. Wenn jemand nachdenkt, sind seine Gehirnzellen in Bewegung, dann macht der Geist Fortschritte. Das Hirn kommt zu neuen Ergebnissen. Der Mensch ist damit progressiv; zu deutsch er schreitet voran. In diesem Sinn ist Maria nicht nur konservativ, sondern auch progressiv. Verzeihen sie mir die kirchenpolitischen Schlagwörter. Aber auch die Kirche muß konservativ sein, den Glauben bewahren, und sie muß progressiv sein, voranschreiten durch nachdenken. Maria hat also zuerst viel nachgedacht und eher wenig gesprochen. Erst viel viel später hat sie diese Geheimnisse dann preisgegeben, als alles geschehen war, als alles vollbracht war, als der Evangelist Lukas sie gefragt hatte, ob sie ihm nicht etwas davon erzählten möge. Er will es aufschreiben, daß auch die Nachwelt davon Kenntnis bekommt. Da gibt Maria etwas von ihrem Innersten preis und erzählt es ihm. Was hat Maria alles durchgemacht. Die Freude über die Geburt des Kindes war überschattet von den Anstrengungen der Herbergsuche und vom anschließendem Flüchten- müssen. Maria hat nicht gestöhnt. Sie hat in Stille den Willen Gottes angenommen. Das Leiden aushalten in Stille wäre eine gute Übung auch für manche Schwierigkeiten im Alltag. Maria hat alles durchgetragen. Alle Schwierigkeiten, die sie mit ihrem kleinen Sohn hatte. In diesem Sinn wollen wir auch so wie Maria die Freuden und die Leiden von Gott auch im kommenden Jahr annehmen. Dies ist gemeint, wenn wir mit Maria ins neue Jahr 2000 gehen. Es möge wirklich ein Gnadenjahr für sie und für die Kirche werden. Den besonderen Schutz der Gottesmutter wünsche ich ihnen, sodaß die Freuden überwiegen und der Segen Gottes in allen Bereichen ihres Lebens auf sie herabkomme. Amen. |