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Maria Himmelfahrt 2000

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Lk 1,39-56

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn sie versuchen den historisch genauen Ort der Entschlafung Mariens zu suchen, werden sie in Schwierigkeiten kommen. Es gibt 3 verschiedene Orte. Zum einen finden wir in Ephesus, zum anderen in Jerusalem Stellen, wo an dieses Geheimnis gedacht wird. In Jerusalem sind es sogar zwei Orte.

Weiters werden sie zu verschiedenen Ergebnissen kommen, wenn sie sich die Frage stellen: Ist Maria gestorben oder ist sie lebend in den Himmel aufgenommen worden. Die einen sagen, Maria ist genauso wie Jesus gestorben. Die anderen sagen: Maria konnte nicht sterben. Der Tod ist eine Folge der Erbsünde und Maria ist vom ersten Augenblick ihres Lebens an von der Erbsünde befreit. Die einen sagen: Maria hat freiwillig den Tod auf sich genommen, so wie Jesus. Die anderen sagen: Das kann nur Jesus, weil er Gott ist. Maria ist ein Mensch und kann nicht freiwillig sagen, ich will sterben.
Die Kirche hat kein Urteil gesprochen. Die Meinung des Papstes, so wie die Meinung der meisten Kirchenväter ist: Sie ist gestorben. Die Frage ist nicht geklärt. Geklärt aber ist die Frage über ihre Aufnahme in den Himmel. Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden.
Wollen sie nun einen Schriftbeweis finden für dieses Dogma, für diese unfehlbare Glaubenswahrheit, werden sie wiederum passen müssen. Wir finden leider keine. Wie gerne würden wir uns so eine wünschen, wie bei Christi Himmelfahrt: Warum steht nicht in der hl. Schrift so ähnliches wie: Da stiegen die Apostel mit Maria auf einen Berg und vor ihren Augen wurde sie in den Himmel aufgenommen.
Die Bibel schweigt aber die Tradition nicht. Die Überlieferung spricht sehr bald von so einem Fest, das die Kirche feierte. Es steht eben nicht alles in der hl. Schrift.

Wir hörten im Evangelium vom Gang Mariens zu Elisabet. Diesen Gang über´s Gebirge können wir sehen als ihren beschwerlichen Lebensweg zu ihrem Ziel, als Gleichnis für ihren Heimgang zum himmlischen Vater. Dort wird sie mit Freude empfangen.

Das Gebet, das Maria bei Elisabet spricht, drückt viel schönes aus.
Sie sagt: Großes hat der Herr an mir getan. Das ist richtig. Dieses Große geschah bereits am Anfang ihres Lebens. Dieses Große geschah bei der Verkündigung, als sie Mutter Gottes werden durfte. Dieses Große geschah in Betlehem, als die Jungfrau ihren Sohn gebar. Dieses Große geschah am Ende ihres Lebens, denn ihr Leib schaute die Verwesung nicht.
Zwei dieser großen Ereignisse hat die Kirche besonders herausgestrichen. Das Eine ist die Unbefleckte Empfängnis, die wir am 8. Dezember feiern. Das Andere ist der heutige Festtag, die leibliche Aufnahme in den Himmel. Papst Pius XII. hat diesen Glaubenssatz vor genau 50 Jahren, im Jahre 1950 also, dogmatisiert, als verbindliche unfehlbare Lehre niedergeschrieben.
Uns wird dadurch bewußt gemacht, daß der Mensch eine Einheit von Leib und Seele ist, daß diese Einheit durch den Tod zerstört wird, daß die unsterbliche Seele aber nach dem Tod wartet auf den jüngsten Tag, wo uns Gott unsern Leib, als verklärten Leib wiederschenken wird. Bei Gott ist nichts unmöglich. Maria, die Gottesmutter, sie ist bereits als einziger Mensch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden.

Maria hat durch ihr Ja-Wort die Erlösung ermöglicht und Jesus in ihrem Schoß aufgenommen. Als Dankbarkeit hat sie Jesus in den Himmel aufgenommen.
Darum freut sich heute die ganze Kirche über die Macht und Liebe Gottes. Sie freut sich über die Ehrung Mariens. Sie freut sich über die Verheißung, die in all dem für uns Menschen liegt. Denn die Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel ist das Vorbild der Aufnahme aller Gotteskinder in den Himmel am Ende der Zeiten, wenn Gott „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ schaffen wird. Amen.

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