Karfreitag im Jahreskreis B |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Für uns Katholiken ist der Karfreitag kein
Feiertag im strengen Sinn, denn die Erlösung durch Christus, die an diesem Tag geschah,
feiern wir mit übergroßer Freude erst so richtig am Osterfest, wo sie durch seine
Auferstehung vollendet wurde. Trotzdem wird das Leiden und Sterben Christi gefeiert. Alle
drei Tage des Leidens und der Auferstehung des Herrn gehören nämlich zusammen. Sie sind
eine Einheit. Es ist ein Tag. Wenn wir den Karfreitag ohne die Osternacht betrachten
würden, wäre alles sinnlos und gäbe es nichts zufeiern. Ist Jesus nicht auferstanden,
wäre unser ganzer Glaube hinfällig, dann sind wir noch in unseren Sünden und wären
nicht erlöst. Wenn wir das Sterben Jesu am Kreuz feiern, dann wissen wir, daß er
auferstehen wird, daß er den Tod bezwingt, daß er Macht hat über Leben und Tod, daß er
Sieger ist über die Sünde. Er tröstet die Armen und Besitzlosen, weil er
selber in Armut durchs Leben ging und nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte,
angefangen von der Geburt in Bethlehem bis zum Tod in Jerusalem. Er tröstet die
Heimatlosen, denn auch er fand in seiner Heimat keine Herberge und mußte erfahren, wie
seine Vaterstadt ihn verstieß. Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel ihre
Nester, der Menschensohn aber hat keine Stätte, wohin er sein Haupt legen könnte. Er tröstet die im Kerker Gefangenen, die
körperlich Mißhandelten und unschuldig Verurteilten, denn auch ihn trafen
Gefangenschaft, Mißhandlung und ein ungerechtes Todesurteil. Er tröstet die Kranken und
Sterbenden, die im Schmerz und Todesnot mit ihm rufen könnten. Mein Gott, mein
Gott, warum hast du mich verlassen. Diesen Trost predigt uns heute das Kreuz. Durch
all sein Leiden schenkt er uns Trost, weil wir wissen, er hat es aus Liebe getan, aus
Liebe zu uns Menschen, um uns zu erlösen von der Sünde, vom Leid und vom Tod, um uns
herauszuholen aus dem Elend, in das wir gestürzt sind und aus dem wir uns selber nicht
herausziehen können. |