| Evangelium: Joh 10,11-18 Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Jesus Christus, als der gute Hirte, ist ein altes
Bild. Ein Bild, das der Herr selbst verwendet. Ein Bild, das zur damaligen Zeit einen Sitz
im Leben hatte. Viele Hirten gab es in dieser Gegend. Jeder wußte, wie ein Hirte
ausschaut, jeder kannte die Aufgaben eines Hirten und wußte, was ein Hirte zu tun hatte.
Jeder wußte, daß die Schafe auf die Stimme des Hirten hörten, daß sie ihm blind
folgten, und daß er, wenn er ein guter Hirte war, bei Gefahr die Herde bis aufs letzte
verteidigen würde. Es ging ja auch um seine Lebensexistenz.
Jesus offenbarte sich schon vor seinem Tod als der gute Hirte. Als der, der
sein Leben gibt für die Schafe. Hier wird die Liebe Jesu zu uns Menschen deutlich, seine
Sorge um unser Seelenheil. Der gute Hirt geht wirklich dem verlorenen Schaf nach, sucht
es, befreit es aus dem Dornengestrüpp und trägt es zurück. Sie kennen dieses Bild.
Als er den Jüngern zum dritten Mal erschien, sagt er zu Petrus: Weide meine Schafe,
weide meine Lämmer. Damit überträgt Jesus das Hirtenamt dem Simon Petrus und
seinen Aposteln. Jeder Priester soll so ein Hirte sein. Der Hirte seiner Herde.
Bis auf den heutigen Tag also hat sich dieses Bild gehalten. Auch wenn es in unserer
Gegend keine Hirten gibt. Aber durch Bilder, durchs Erzählen, weiß jedes Kind, was damit
gemeint ist.
Wenn wir von der Pastoral sprechen, kommt das ja von nichts anderem als von
Pastor und das heißt auf deutsch der Hirte.
Das heutige Bild also sagt uns, daß wir Christen so wie die Schafe auf die Stimme des
Hirten hören sollen. D.h. wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auf Jesus hören.
Wie hören wir die Stimme Jesu? Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: Wer euch
hört, der hört mich. Die Apostel und die Nachfolger der Apostel sind berufen alles
das zu lehren, was Christus gesagt hat.
Jesus ist der ewige Hohepriester und der gute Hirte schlechthin. Der Priester nun vertritt
Christus, er steht an seiner Stelle, er verkündet seine Botschaft, er handelt im Auftrag
und in der priesterlichen Vollmacht des Herrn, der eben seinen Aposteln und ihren
Nachfolgern jene Aufträge und Vollmachten übertragen hat.
Wenn er Eucharistie feiert und die Gaben verwandelt, verwandelt Christus. Christus ist es,
der durch den Mund und mit den Lippen die Worte spricht: Das ist mein Leib, das ist
mein Blut.Wenn er Beichte hört und die Lossprechung gibt, spricht Christus los.
Immer wenn er die Sakramente spendet, tut dies im letzten Christus durch ihn. Er handelt
in persona Christi, in der Person Christi.
Wenn der Priester ein Meßkleid und andere liturgische Gewänder anzieht, tut er es nicht,
um sich zu dekorieren, sondern um sich dahinter zu verbergen und Christus zu
verdeutlichen, weil Christus durch ihn wirkt und handelt.
Der heutige Gute-Hirte Sonntag ist zugleich Weltgebetstag für geistliche Berufe. Die
geistlichen Berufe sind die aktuelle Herausforderung, die brennendste Sorge der Kirche
heute. Nicht nur Priester fehlen in vielen Pfarren auch die Orden haben meist große
Nachwuchsschwierigkeiten.
Was sind die Gründe für den Rückgang geistlicher Berufe? Natürlich müssen wir
bedenken, daß es in den Familien weniger Kinder gibt. Natürlich hängt der Rückgang der
Zahl der Priester mit dem Rückgang der Kirchenbesucher zusammen, besonders fehlt die
Jugend. Natürlich spielt bei dieser Krise auch die Wohlstandsgesellschaft eine große
Rolle. Viele haben mir schon gesagt: Den Leuten geht es zu gut.
Aber das Priestertum selbst ist in der heutigen Zeit auch stark in der Krise. Der Priester
leidet manchmal unter einem Identitätsverlust. Was ist der Priester? Wie soll der
Priester sein? Wenn ich mir solche Fragen stelle, lese ich bei meiner Primizpredigt nach.
Mein Primizprediger legte mir folgendes ans Herz:
Die Menschen erwarten von Dir nicht den perfekten Manager, auch nicht den
religiösen Entertainer bei den diversen Pfarrfesten. Es kommt auch nicht
zuerst darauf an, ob Du gut singen kannst, elegant redest, ob Du modern bist,
aufgeschlossen für das Aktuelle und ein sympathischer Mensch - das alles kann schmerzlich
sein, wenn es fehlt und es ist recht, wenn diese Gaben da sind. Es ist aber nicht das
Entscheidende. Sondern immer und zuallererst bist Du als Priester ein Diener Christi
und ein Verwalter und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Und von einem Verwalter -
sagt der hl. Paulus - erwartet man nur eines: nämlich, daß er treu erfunden wird. Gott
erwartet von Dir, daß Du ihm treu bist. Und ebenso erwarten dies die Gläubigen. Denn
Dein Beispiel der Treue wird eine Bestärkung und Ermutigung sein für all jene - für die
Eheleute, die Familien und die Jugend -, die heute im Feuer der Prüfungen und
Versuchungen resignieren wollen.
Die Treue ist also das Größte. Darum hören die Schafe auf die Stimme des Hirten, weil
sie wissen, daß er treu ist, so wie Christus in Treue dem Willen des Vaters gehorsam war
und sein Leben gab für das Leben der Schafe. Beten wir, daß in der heutigen Zeit der
Wert der Treue wieder erkannt wird, daß die Braut, dem Bräutigam treu sein darf, daß
der Mann seiner Frau treu bleibt, daß sie ihr Versprechen ernst nehmen und daß ihr Leben
dadurch nicht zur Lüge wird. Beten wir, daß auch die Priester und alle Gottgeweihten
treu bleiben. Diese Treue ist das Vorbild für die Jugend, daß sie den Mut wieder bekommt
zu einer christlichen Eheschließung oder zum Schritt der Ganznachfolge Christi. Für
beide Stände müssen wir beten, denn sie sind vielen Angriffen und Gefahren in der
heutigen Zeit ausgesetzt. Amen. |