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Fronleichnam 2000

Autor: Pfarrer Poschenrieder

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag feiert die Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes unseres Herrn“, besser bekannt unter dem Namen „Fronleichnam“. Das Wort heißt übersetzt: lebendiger Leib des Herrn. Der Leib des Herrn wird verehrt, der in der Gestalt des eucharistischen Brotes unter uns gegenwärtig wird. Durch die Wandlungsworte des Priesters bei der hl. Messe wird immer wieder neu Jesus durch die Kraft des Hl. Geistes mit seinem Leib und mit seinem Blut wahrhaftig unter uns gegenwärtig. Dieses große Geheimnis unseres Glaubens feiern wir besonders am Fronleichnamsfest und zwar an einem Donnerstag, damit wir uns an den Gründonnerstag erinnern, an dem Jesus die Eucharistie eingesetzt hat, an dem Jesus ihnen, den Aposteln, dann den Auftrag gegeben hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die Entstehung dieses Festes geht zurück ins 13. Jahrhundert. Eine Klosterschwester Juliane von Lüttich hatte eine Erscheinung. Sie sah einen Kreis auf dem das Kirchenjahr dargestellt war. Auf diesem Kreis war ein schwarzer Punkt. Der Herr sagte zu ihr. Ein Fest fehlt noch in diesem Kirchenjahr. Ein Fest zur Verehrung des Heiligsten Sakramentes des Altares.

Auf ihr Bemühen hin wurde dieses Fest dann eingeführt und man begann in Prozessionen durch die Straßen zu ziehen um das Heiligste, das wir auf Erden haben auf diese Weise auch zu verehren. Wir tragen Christus hinaus in die Welt, um ihn der Welt zu zeigen, um unseren Glauben mutig zu bekennen. Wir verkriechen uns nicht nur in den Kirchen wie verängstigte Hasen, nein Apostolat, es soll auch jeden einzelnen Christen ermutigen Jesus Christus im Alltag zu bekennnen. In manchen Gegenden ist es wirklich schon eine mutige Leistung sich bei dieser Prozession zu beteiligen, denn viele haben überhaupt kein religiöses Gespür mehr für das Heilige, für den Glauben an die Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament und wenn dann verschiedene Leute, die dieser Prozession begegnen, nur ein spöttisches Lächeln übrig haben, kostet es vielleicht den einen oder anderen doch eine Überwindung mitzugehen.

Aber gerade hier eröffnet sich eine Chance. Es muß wieder nachgedacht werden, was wir hier machen. Warum gehen wir hinaus? Warum gehen wir durch die Straßen mit Glockengeläute und mit Weihrauch, mit Himmel und mit Laternen? Warum sind die Wege geschmückt? Warum streuen die Kinder Blumen? Warum beuge ich vor der Monstranz meine Knie? Warum diese Ehrfurcht? Vor einem Stück Brot? Wohl nicht? Wenn es nur noch aus Tradition ist, wird es auch zu wenig sein. Warum also? Ist es nicht unser Glaube an die reale Gegenwart des Herrn, die uns so handeln läßt? Leider ist vielen diese reale Gegenwart nicht mehr bewußt und sie sehen in der Hostie nur noch ein Stückchen gebackenes Brot. Auch die Messe ist nur noch eine Mahlzeit. Dann geschieht diese oft so schlimme Ehrfurchtslosigkeit, die einem gläubigen Christen weh tut, besonders auch beim Kommunionempfang. Wie kann ich mich so gegenüber dem Herrn verhalten? Wenn ich die Hostie mit auf den Platz nehme, ist das ein Sakrileg, verboten, eine Entehrung des Allerheiligsten. Ich mußte schon einmal einem Jugendlichen nachlaufen. Es ist wirklich der Herr, den wir empfangen, und den wir nur empfangen können ohne schwere Sünde. Der hl. Paulus spricht: „Wer daher unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leib und Blut des Herrn. So prüfe sich denn der Mensch und dann esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch, denn wer unwürdig ißt und trinkt, ohne den Leib des Herrn zu unterscheiden, der ißt und trinkt sich das Gericht.“ Dieser Glaube wird in einer Strophe von dem Lied „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ folgendermaßen ausgedrückt:

"Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot."

Das heißt: Es nützt einem nichts bzw. es schadet sogar, wenn ich mir einer schweren Schuld bewußt bin und ich empfange den Leib Christi. Ich habe schon einmal darüber gepredigt, dass der regelmäßige Besuch der Sonntagsmesse Voraussetzung ist für einen würdigen Empfang der Kommunion. Das ist nicht meine Erfindung, sondern das sagt die Kirche. Und wenn sie trotzdem zur Kommunion gehen, dann strafen sie nicht mich, sondern sich selbst. Ich muß ihnen das sagen, denn ich bin dazu beauftragt, um ihnen zu helfen. Es bleibt das wahr wie es im Lied heißt. Gute kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod. Bösen wird er Tod und Hölle, Guten ihres Lebens Quelle, wie verschieden wirkt dies Brot. Dies Brot, das kein Brot mehr ist, sondern der Leib Christi. Wäre es nur Brot, hätte es wenig Wirkung. Vielleicht kommt uns im nachhinein die Frage, warum hat Gott/Jesus trotzdem dieses Sakrament eingesetzt, wenn so viele Sakrilegien, Frevel und Ehrfurchtslosigkeiten vorkommen. Hätten wir das heiligste Sakrament eingesetzt, wenn wir so wie Jesus gewußt hätten, daß unsere engsten Freunde gleich nach dem Empfang der heiligen Eucharistie untereinander streiten, wer von ihnen der Größte ist, wenn wir gewußt hätten, daß einer von diesen einen Verrat für 30 Silberlinge durchführt, wenn wir gewußt hätten, daß sie uns alle feig verlassen und in der Nacht des Ölbergs schlafen. Hätten wir das heiligste Sakrament eingesetzt, wenn wir gewußt hätten, daß der Führer dieser Gruppe schwört, daß er uns nicht kennt, und nichts mit uns zu tun hat? Wenn wir gewußt hätten, daß sie uns beim Sterben allein gelassen und sich ängstlich verkrochen hätten? Hätten wir dieses Sakrament der Liebe eingesetzt, wenn wir vorausgesehen hätten, was diesem Sakrament im Lauf der fast zweitausend Jahre zugefügt wird, wenn wir denken an die sogenannten schwarzen Messen, gar nicht zu reden von der täglichen Ehrfurchtslosigkeit gegenüber dem eucharistischen Herrn? Nein, wir hätten niemals das heilige Sakrament eingesetzt.

Christus hat es gemacht, weil er uns liebt, weil er uns bis zur Vollendung geliebt hat. Darum hat er sich hingegeben am Kreuz und sein Blut vergossen und uns die Eucharistie geschenkt, diesen Leib, der für uns hingegeben wurde, damit wir gestärkt werden, damit wir Kraft bekommen für den Alltag um gegen die Sünde zu kämpfen um besser zu werden und diese Liebe auch zu leben, die uns Christus vorgelebt hat, damit er in uns wirken kann und wir so besser ihm nachfolgen können. Amen.

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