Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Auf der einen Seite sagt man, es gibt keine
Hölle, oder man beschwert sich, daß die Kirche mit der Hölle droht. Auf der anderen
Seite sagt man das Wort, das in Wirklichkeit doch keiner glaubt: Wir kommen alle,
alle in den Himmel. Wenn man dann aber eine Betrachtung über den Himmel macht und
aufgrund der Heiligkeit Gottes sagen muß. Es kann nur jemand in den Himmel kommen, der
ohne Sünde ist, stellt man fest: So ganz ohne Sünde ist ja gar kein Mensch. Dann frag
ich mich, wohin kommen denn all diese Menschen?
Und dann hab ich gelesen: Würde man einer Person ins Gesicht sagen: Sie
kommen ins Fegefeuer, dürfte man heute wohl in den meisten Fällen Widerspruch oder
Ablehnung erfahren und als Fanatiker oder Fundamtalist abgestempelt werden. Zu sehr ist
das Wort Fegfeuer durch negative Assoziationen belastet, sodaß es selbst in der
Verkündigung der Kirche nicht nur dem Wort, sondern auch der Sache nach fast keine
Erwähnung mehr findet. Es gibt katholische Kinder und das sind nicht wenige, die gehen in
die Hauptschule und haben dieses Wort noch nie gehört. Rennt da nicht etwas schief?
Manchmal hat man den Eindruck alle Menschen seien zwangserlöst. Daß aber
alle Menschen ohne weiteres zu den vollendeten Heiligen zu zählen sind, deren Fest wir
heute auch feiern, das glaubt ja doch keiner, der mit offenen Augen das viele Böse sieht,
das Menschen in dieser Welt anrichten. Der Mensch ist nunmal fähig böses zu tun.
Betrachten wir nun das, was das Fegfeuer wirklich ist, nüchtern mit den Augen des
Glaubens, dann steht dahinter eine für uns alle sehr hoffnungsvolle und darum wirklich
erfreuliche Tatsache.
Wenn der Mensch noch nicht ganz würdig ist, Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen,
aber sich doch nicht mit einer Todsünde sich ganz von Gott getrennt hat, gibt es für ihn
die Hoffnung durch eine Läuterung, durch eine Reinigung im Fegefeuer.
Dieses Fegfeuer ist nicht ein Vorort der Hölle, wie ich immer wieder betone, sondern die
armen Seelen, die zwar arm sind, weil sie noch leiden müssen und noch nicht ganz bei Gott
sind, sind gar nicht so arm, denn sie sind sich ihres Heiles gewiß. Diese Freude, der
ewigen Verdammnis entgangen zu sein, ist größer als jede erdenkliche Freude hier auf
Erden.
Wir Christen auf Erden beten schon immer für die Verstorbenen. Die ersten Christen taten
dies bereits. Wir können etwas gutes für sie tun. Wenn sie noch im Fegfeuer sind, wird
ihr Leiden erleichtert werden, wird die Zeit verkürzt werden. Sie werden es uns einmal
unendlich danken. Für jedes kleinste Gebet, das wir für sie gebetet haben.
Das Fegfeuer ist nichts anderes als Heimweh. Die kleinen Kinder haben oft Heimweh. In der
Volkschule können sie sich das gut vorstellen. Wenn wir dieses Sehnsucht jetzt steigern,
das ist das Fegfeuer. Die Seele weiß, daß sie noch nicht würdig ist, ganz bei Gott zu
sein.
Darum sagte einst Petrus zu Jesus: Geh weg von mir. Ich bin ein sündiger
Mensch. In diesem Zustand darf und will die Seele nicht vor Gott erscheinen. Sie
wird freiwillig den Läuterungszustand wählen, damit sie gereinigt von Sünden in die
Heiligkeit des himmlischen Hochzeitsmahles eintreten kann.
Die Seelen im Fegfeuer sind also Freunde Gottes, sind Kinder Gottes. Sie hatten auf Erden
guten Willen, nur daß sie am Ende ihres Lebens das Soll an Liebe, die vollkommene
Reinheit ihres Herzens noch nicht erreicht hatten. Gott kann diese Seelen nicht für ewig
verstoßen, da er gerecht ist, ebensowenig kann er sie in diesem Zustand sofort in den
Himmel aufnehmen. Das verträgt sich, wie gesagt, nicht mit seiner Heiligkeit. So müssen
wir sagen, die Vorstellung, das Fegfeuer sei ein Anbau oder Nebenraum der Hölle oder eine
Filiale der Hölle völlig falsch ist, sondern das Fegfeuer ist eher ein Vorraum des
Himmels, wo die Menschen ihres Heiles gewiß sind. Für diese Verstorbenen beten wir
heute. Nützen wir das Gebet, um ihnen zu helfen. Sie sind uns dafür dankbar. Gewinnen
wir auch einen vollkommenen Ablaß für die Verstorbenen. Die Voraussetzungen dafür sind:
hl. Beichte, Kommunionempfang und Gebet auf Meinung des Hl. Vaters, außerdem Besuch des
Friedhofs und ein Gebet für die Verstorbenen.
In der Ewigkeit werden wir dann erfahren, wie dankbar uns die Verstorbenen dafür sind.
Amen. |