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Allerheiligen 2000

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Eine der wesentlichen, zentralen und wichtigsten Fragen unseres Lebens wird sehr selten gestellt. Doch manchmal werden wir daran erinnert. Das kann bei einem Sterbefall in der engeren oder weiteren Verwandtschaft sein, das kann aber auch durch die Kirche sein, wenn sie Allerheiligen und Allerseelen feiert. Es ist die Frage nach dem Leben nach dem Tod. Was kommt danach? Gibt es etwas? Wenn ja, wie wird es dort sein?
Heute am Allerheiligenfest lenkt die Kirche unseren Blick gerade auf alle Menschen, die dieses Ziel, wozu der Mensch in seinem Wesen bestimmt ist, erreicht haben. Die Kirche feiert an jedem der 365 Tage des Jahres einen oder mehrere Heilige. Wir kennen sie mit Namen. Allerheiligen sagt uns: Es gibt noch viel viel mehr. Alle sind heute eingeschlossen sind. Den vielen unbekannten Heiligen soll gedacht werden. Die Zahl der Heiligen ist viel viel größer als die, die die Kirche heiliggesprochen hat.
In der Offenbarung des Johannes beschreibt der Apostel dies. Er nennt eine Zahl 144.000 Es ist dies eine symbolische Zahl. 12 mal 12 mal 1000. 12 Stämme Israel, 12 Apostel. 1000: das bedeutet eine unzählbare Schar. Auf diese große Schar schauen wir, die vor uns waren und die nun bei Gott heilig sind.
Wenn wir heute die Heiligen im Himmel betrachten, sind mir 2 Punkte wichtig.

1. Sie leben. Es ist nicht aus nach dem Tod. Wir haben eine unsterbliche Seele. Gott wird unseren Leib wieder auferwecken. Die Heiligen leben im Himmel, bei Gott. Sie sind nicht tot. Jesus sagt einmal: „Ich lebe und auch ihr werdet leben.“ (Joh 14,19) Der Tod beendet nicht das Leben, sondern es wird gewandelt. Es ist uns eine ewige Wohnung bereitet. Eines der letzten Worte der hl. Theresia von Lisieux war: Ich sterbe nicht, ich gehe ein in das Leben.

2. Sie werden geliebt. Es gibt eine falsche Vorstellung vom Himmel. Wir könnten sie auch eine Angst vor dem Himmel nennen. sie heißt: Der Himmel ist langweilig. Der Himmel ist aber gerade das Gegenteil. Wir werden einmal überrascht sein wie sehr interessant es dort ist. Der Himmel ist auch nicht kalt und die Hölle schön warm. Im Himmel wird uns die Liebe erfreuen. Wir werden geliebt werden und wir werden einander lieben. Ich kann es auch anders ausdrücken. Es gibt dort keinen Streit mehr, kein Neid, keine Habgier, keinen Hochmut, keinen Egoismus. Dafür die ewige Freude, dauerndes Glück, Friede ohne Ende. Am besten aber beschreibe ich es mit der Liebe.

Wenn wir heute mit einem Hochfest auf all die Heiligen schauen, könnte jemand auf die Idee kommen und fragen: Brauchen wir die Heiligen? Tun wir den Heiligen nicht zuviel Ehre an? Gebührt nicht Gott allein die Ehre? Wird dadurch nicht Jesus Christus in den Hintergrund gedrängt?
Alle diese Fragen hat man sich immer wieder gestellt. Leider sind unsere evangelischen Mitchristen zu der Ansicht gekommen, es sei wirklich ein Hindernis zu Gott, wenn wir sie verehren. Sie finden in reformatorischen Kirchen keine Bilder und Statuen von Heiligen.
Aber überlegen sie. Gottes Ehre wird in keine Hinsicht geschmälert, wenn wir die Heiligen verehren, ganz im Gegenteil. Wir werden ermuntert durch ihr Beispiel im Glauben und im christlichen Leben uns zu bemühen. Die Heiligenverehrung besteht zurecht, weil uns immer auch bewußt ist, daß wir nicht direkt Hilfe von den Heilgen erwarten, wenn wir sie anrufen, sondern die fürbittende Hilfe. Diese Hilfe können wir uns von den Heiligen erbitten.
Wir haben auch Beispiele in der Hl. Schrift. Auf die Fürbitte Mariens hat Jesus auf der Hochzeit zu Kana aus der Not geholfen und sein erstes Wunder gewirkt und Wasser zu Wein verwandelt. Alles Heil, alle Vergebung und alle Hilfe kommt von Gott durch Christus unsern Erlöser, der der einzige Mittler allen Heiles ist. Doch die Heiligen und vor allem die Mutter Gottes, können uns dies alles erbitten, durch ihre Fürbitte zuwenden, deshalb verehren wir sie und rufen sie an. Würden wir von ihnen direkte Hilfe, Erbarmen, Vergebung erwarten, so wäre das Anbetung, ja sogar Götzendienst, und daher ganz und gar zu verwerfen.

Auf einen Punkt möchte ich noch eingehen. Manche haben auch eine falsche Vorstellung von einem Heiligen. Was ist ein Heiliger? Wer ist ein Heiliger? Es hat manchmal in unserer Zeit schon einen negativen Klang, wenn jemand sagt, der ist ein Heiliger. Da schwingt das scheinheilig stark mit und viele wünschen sich gar nicht ein Heiliger zu sein und sagen ich bin kein Heiliger. Ein Heiliger ist nicht einer, der nur betet und die Not der Mitmenschen übersieht. Dieser Mensch betet schon gar nicht richtig. Das richtige Beten würde die Augen für die Not der Mitmenschen sehen. Ein Heiliger ist nicht, der nur fromm in der Kirche ist und sobald er die Kirche verläßt unausstehlich ist. Jesus verurteilt dies oft bei den Pharisäern. Nicht der ist der Heiligste, der quantitativ am meisten „Vater unser“ am Tag runterspricht, sondern der ist es, der mich liebt, sagt Jesus, der meine Gebote hält, der den Willen Gottes tut. Dazu gehört auch z.B. wenn einer auf seine Gesundheit achtet, Sport betreibt, wenn einer lachen kann, wenn man sich mit einem unterhalten kann und natürlich auch, wenn einer betet.
Wenn wir uns diese Vorstellung eines Heiligen aneignen, ist es erstrebenswert ein Heiliger zu werden. Es geht sich nicht von heute auf morgen. Aber auch die Heiligen im Himmel war es nicht von heute auf morgen, sondern sie mußten ihr ganzes Leben darum ringen. Strebt danach heilig zu werden. Es ist und bleibt ein Kampf gegen die Sünde, sagt der hl. Paulus, aber wer nicht aufgibt, wird den Siegeskranz bekommen. Amen.

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