| Evangelium: Lk 1,39-45 Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Der Advent ist eine Zeit des Wartens, doch das
Warten hat sehr bald ein Ende. Heuer ist der kürzeste Advent. Der 4. Adventsonntag ist
zugleich Heiliger Abend und es sind daher nur noch wenige Stunden bis zur Ankunft des
Herrn.
Wir erleben das Warten oft in unserem Leben. Wir warten im Wartezimmer des Arztes. Wir
warten auf dem Bahnsteig auf den Zug. Wir haben manchmal deshalb schlechte Laune, denn es
ist verlorene Zeit, sagen manche. Zeit ist Geld und Geld ist Macht. Daher wartet man nicht
gerne. Warten ist fad und langweilig, besonders auch für Kinder, die auf das Christkind
warten. Aber so manches braucht einfach seine Zeit, braucht seine Vorbereitung. So manches
muß erst reifen. Und wenn diese Zeit nicht wäre, wenn diese Sehnsucht nicht wäre, die
Vorbereitung, wäre das Fest nicht einmal halb so schön.
2 Frauen begegnen sich im Evangelium, die warten auch. Sie erwarten ein Kind. Eine Frau
wartet 9 Monate auf ihr Kind. Für beide ist es eigentlich unerwartet, wenn auch aus ganz
verschiedenen Gründen. Die eine ist unfruchtbar und die andere Jungfrau. Sie werden
trotzdem mit einem Kind beschenkt durch ein Eingreifen Gottes.
Maria erfährt durch den Engel, dass auch ihre Verwandte noch ein Kind empfangen hat. So
eilt sie über´s Gebirge und besucht Elisabeth.
Der Advent ist daher zweitens nicht nur eine Zeit des Wartens, sondern auch eine Zeit des
Aufbrechens.
Das Zusammentreffen von Menschen kann sehr
unterschiedlich sein. Es kann aber durch kleine Zeichen schon Freude bereiten. Man
begegnet sich zufällig auf der Straße und grüßt freundlich. Der andere ist durch
dieses kleine Zeichen schon angesprochen und weiß um die Liebe des anderen, auch wenn
dieser momentan nicht Zeit für ein längeres Gespräch hat.
Es kann aber auch ein längerer bewußter Besuch sein. Maria möchte Elisabeth, die ja
schon älter war, aufsuchen. Wir können annehmen, dass sie ihr ihre Hilfe angeboten hat.
Aus dieser Begegnung ist uns Wichtiges mitgeteilt.
Diese Begegnung macht Freude. Wie freute sich Elisabeth über diesen Besuch. Sie erkannte
im Heiligen Geist: Es ist die Mutter meines Herrn, die mich besucht.
Denken wir daran, dass ein Besuch bei armen, kranken, einsamen Leuten, Verwandten
unaussprechliche Freude bewirken kann. Gerade zu Weihnachten kann es für jemand eine
schlimme Erfahrung sein, wenn er allein ist, wenn keiner an ihn denkt. Daher können wir
hier viel Gutes tun, wenn wir Menschen kennen, die keinen anderen zum Weihnachten feiern
haben und wir ihnen einen kleinen Besuch abstatten.
Es ist in dieser Begegnung Elisabeths mit Maria
auch eine verborgene Begegnung miteingeschlossen. Es ist die erste Begegnung des Johannes
mit Jesus, des Vorläufers mit dem Messias. Und auch Johannes weiß geheimnisvoll um diese
Gnade, denn als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Es
bewegte sich voll Freude. Die Kirche sieht schon immer in dieser Begegnung bereits, dass
Johannes im Mutterschoß vom Heiligen Geist erfüllt wurde. Johannes ist daher von Gott
besonders hervorgehoben unter den Menschen. Jesus sagt über ihn: Unter allen Menschen hat
es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer (Mt 11,11).
Es freut sich der ganze Erdkreis über die Geburt. Besonders der Himmel jubelt. Die Engel
verkünden die Freude. Vielen ist er zwar verborgen, aber einzelne Auserwählte wissen und
erfahren es. Johannes bewegt sich im Schoß seiner Mutter. Elisabeth drückt hier bereits
ihre Freude über die Menschwerdung aus. Später werden dies die Hirten, die es durch die
Engel wissen, tun, und auch die Weisen aus dem Morgenland, denen der Stern leuchtete,
huldigen dem Kind mit ihren Besuch an der Krippe und freuen sich.
Wir wissen es auch: die Geburt ist nahe. Maria´s Weg zu Elisabeth ist ein symbolischer
Weg, wo Gott aufbricht zu uns Menschen. Maria trägt Jesus zu ihrer Verwandten. Maria
trägt ihren Sohn letztendlich zu uns Menschen. Sie behält ihn nicht für sich. Sie
schenkt ihn der Menschheit. Darüber freut sich nicht nur Johannes und Elisabeth, sondern
alle, die erkannt haben, dass er der Erlöser, der Retter ist, der auf die Welt gekommen
ist, um uns von den Sünden zu befreien. Amen. |