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3. Adventsonntag 2000

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Lk 3,10-18

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Johannes der Täufer ist der letzte der Propheten. Er ist im eigentlichen Sinn der Adventprophet. Er wird uns wiederum im Evangelium vor Augen gestellt. Wir erinnern uns vielleicht an seinen Ruf zur Umkehr im Evangelium des letzten Adventsonntags. Es war die Stimme eines Rufers in der Wüste.
Heute hörten wir, was diese Predigt ausgelöst hat, was dieser Ruf für Auswirkungen und für Folgen bei den Menschen von damals hatte.
Liebe Brüder und Schwestern! Ich stelle mir vor, heute würde eine Predigt zur Umkehr eine solche Reaktion auslösen. Wir haben es im Evanglium gehört: Die Leute strömten zu Johannes und fragten ihn: Du sprichst von Umkehr. "Was sollen wir also tun?" Sie waren also bereit ihr Leben zu ändern. Sie waren bereit, wirklich umzukehren. Nur wußten sie nicht, wie sie es anstellen sollen. Was sollen wir also tun?
In der heutigen Zeit scheint es anscheinend zwei Reaktionen zu geben, wenn die Kirche von Umkehr und Sünde spricht. Entweder man nimmt Anstoß an der Kirche, man schimpft über die anscheinend veralteten Ansichten, ist aber nicht bereit sich selbst zu ändern, zu bekehren oder was dann manchmal die Folge ist, weil die Kirche anscheinend doch nicht nachgeben kann, man läßt sie unbeachtet links liegen und möchte so wenig wie möglich mit ihr zu tun haben, denn man würde ja unruhig werden.
Damals war es anscheinend etwas anderes. Die Leute hörten den Ruf zur Umkehr, sie hörten die nicht gerade salbungsvollen Worte des Täufers, der sich ja nicht scheute sie auch noch zu beschimpfen und die Sünde beim Namen zu nennen.
Sie pilgerten hinaus zu ihm zum Jordan, wo er taufte.

Ich habe mir überlegt: Wenn zu mir plötzlich die vielen Leute kommen würden und mich fragen würden: "Was sollen wir also tun?", wie würde ich antworten, und was würde ich ihnen raten?
Ich würde ihnen drei Dinge sagen:
1. Natürlich das, was auch Johannes geantwortet hat. Dies gilt auch für unsere Zeit. Dreimal wird er gefragt: Was sollen wir tun? Von den Leuten, auch von den Zöllnern und sogar von den Soldaten.
Den Leuten antwortete er: Seid barmherzig! Johannes sagte: "Wer 2 Gewänder hat, der gebe eines, dem der keines hat." Liebe Brüder und Schwestern. Wie oft fällt uns das teilen schwer? Den Kindern müßte man sagen: Jemand beim Spiel nicht ausstoßen, mitspielen lassen, teilhaben lassen. Das Spiel mit ihm teilen. Den Erwachsenen müßte man sagen: Kann ich mit jemand die Zeit teilen, der es notwendig hat. Habe ich Zeit für ihn? Nehme ich mir Zeit? Wie gehe ich mit jemand um, der sozial nicht so gut da steht, wie ich? Geb ich mich mit ihm ab, oder ist er mir egal? Kümmere ich mich um ihn? Hab ich ein Auge für die Not anderer?
Den Zöllnern sagte er: Seid gerecht! "Ihr Zöllner verlangt nicht mehr, als festgesetzt." Geht es auch bei uns, wenn es um´s Geld geht, noch gerecht zu? Wie oft wird um des Geldes wegen gelogen, betrogen, getrickst? Die Wahrheit wird nicht sehr ernst genommen. Wo Gelegenheit ist wird geschwindelt. Bei manchen Leuten ist das Geld leider zu einem Götzen geworden. Alles dreht sich um´s Geld. Die erste Frage lautet immer: Bringt mir das was? Hab ich Profit? Schaut was dabei heraus? u.s.w.
Den Soldaten sagte er: Seid zufrieden! "Ihr Soldaten begnügt euch mit eurem Sold." Seid nicht neidisch auf andere. Geld allein macht nicht glücklich. Uns hier in Österreich geht es doch im Vergleich zur 3. Welt in Wirklichkeit allen sehr gut. Nur wenn man immer auf das schaut, was der andere hat, und das auch haben will, dann wird man unzufrieden. Also seid zufrieden...

2. Als zweites würde ich bei der Frage: "Was sollen wir also tun?" meine persönlichen Wünsche einfließen lassen. Man könnte sie auch die Adventwünsche des Kaplans nennen. Es sind dies nur drei. Der Kaplan wünscht sich, dass viele zur Sonntagsmesse kommen. Er wünscht sich das vermehrte Gebet in der Adventszeit und er wünscht sich, dass jeder eine gute Weihnachtsbeichte ablegt.

3. Und drittens möchte ich so wie der hl. Paulus antworten auf die Frage: Was wir tun sollen? Wir haben es in der Lesung gehört: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" Dies klingt fast wie ein Befehl! Ganz eindringlich sagt es Paulus. Kann man sich auf Befehl freuen? Geht das überhaupt? Aber der hl. Paulus meint, wir können gar nicht umhin, wir müssen uns freuen, denn "der Herr ist nahe"! Das ist der Grund zur Freude. Gaudetesonntag. Freut euch! Wir wissen, der Herr kommt! Darum möchte auch ich es ihnen ein drittes Mal zurufen: "Freuen sie sich!" Wie freuen sich doch die Kinder auf Weihnachten. Und wir Erwachsene?
Wenn jemand meint, als Christ oder als Heiliger müßte man traurig „dreinschauen“, dann hat er sich gewaltig geirrt. Der hl. Franziskus hat einmal zu einem gesagt, der ein düsteres, trauriges Gesicht gemacht hat: "Warum machst du so ein Gesicht? Hast du etwa Gott beleidigt? Hast du gesündigt? Denn einen anderen Grund gibt es nicht zur Traurigkeit. Wenn es aber dies ist, so bringe das mit deinem Gott in Ordnung und belästige nicht andere mit deinem trüben Sinn."
Liebe Brüder und Schwestern! Wo die Sünde beginnt, hört die Freude auf.
Das ist der Grund, warum wir uns gut vorbereiten wollen auf die Ankunft des Herrn. Mit einem reinen Herzen und einem reinen Gewissen das Weihnachtsfest feiern, das macht die größte Freude, nämlich die wahre, innere Freude, und das gibt uns Gottes Frieden in unsere Herzen. Amen.

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