| 9. Sonntag im Jahreskreis B |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium: Dtn 5,12-15; Mk 2,23-3,6
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." In der Lesung, im Buch Deuteronomium, hörten wir dieses wichtige Sabbatgebot: Halte ihn heilig. Das war so etwas, wie eine Revolution. Das hatte es zuvor in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben. Freizeit für alle, auch für die Sklaven, ja selbst für den Fremden, der sich im Ort aufhielt. Das war etwas ganz Neues: Ein Tag, an dem jeder, ohne Unterschied, ruhen konnte, ausruhen und Kraft schöpfen. Für Israel war das das allerdeutlichste Zeichen dafür, daß das Volk aus der Knechtschaft befreit worden war. Als man in Ägypten weilte, als Israel noch in der Knechtschaft lebte, da konnte man von so etwas nur träumen! Deshalb war der Sabbat für Israel auch zuallererst ein Zeichen der Befreiung, ein Zeichen der Freiheit, ein Zeichen dafür, daß Israel zu einem freien Volk geworden war. Gott hatte sein Volk befreit, er hatte ihm die Möglichkeit geschenkt, zu ruhen, etwas, was in der Antike ansonsten nur den Göttern und den großen Herren vorbehalten war. Heute können sich das viele nur noch schwer vorstellen. Was für eine ungeheure Bedeutung dieser Tag für die Menschen damals gehabt haben mußte, das ist für viele nur noch schwer nachzuvollziehen. Die freie Zeit ist für uns schließlich fast für alle etwas selbstverständliches geworden. Wir haben neben dem Sonntag auch den Samstag und manche auch den Freitag nachmittag frei. Es gibt nun zwei Extreme. Die einen machen sich diese freie Zeit zu einem Streß. Sie fahren mit dem Auto zig Kilometer irgendwohin. Streß beim einpacken, durch Stau und durch andere Strapazen. Die anderen wissen nichts mit der Freizeit anzufangen .Gott sagt: Halte den Sabbat, den Tag des Herrn heilig. Und das heißt ganz konkret: trenn ihn heraus, trenn ihn aus dem Alltäglichem heraus, mache ihn zu etwas besonderen und das Besondere schlechthin ist Gott. Der Sabbat wurde der Tag, an dem man sich ganz besonders auf seinen Gott besonnen hat, an dem man sich von Neuem vor Augen geführt hat, daß Gott es war, der seinem Volk die Freiheit geschenkt hat. Der Sabbat wurde dadurch zu einem Tag, der die Menschen wirklich zur Ruhe kommen ließ, der ihnen auf der einen Seite neue Kraft und auf der anderen Seite erneuerte Orientierung gab, ein Tag, der deshalb ausstrahlen konnte, in die ganze Woche hinein. Ein Tag der der Ursprung von Glück, Zufriedenheit und Freude ist. Wahrer christlicher Freude. Wir Christen begehen diesen Tag auch als besonderen Tag, weil wir uns an diesem Tag erfreuen dürfen, daß Christus den Tod besiegt hat, daß er von den Toten auferstanden ist. Wir besuchen das heilige Meßopfer, weil wir wissen, daß er uns durch seinen Kreuzestod erlöst hat. Dies geschah aus Liebe zu uns. Es ist dies ein Tag wahrhaft christlicher Freude. Und wenn wir uns heute am Faschingssonntag, wo wir mitten in der Zeit der weltlichen Freude stehen, uns dies bewußt machen, dann sage ich: Die Kirche lehnt die Freude ganz und gar nicht ab. Ich möchte aber hinweisen auf die christliche Freude. Es gibt verschiedene Arten von Freude. Es gibt ein herzhaftes Lachen über einen Witz zum Beispiel. Der Clown im Zirkus versucht einen zum Lachen zu bringen durch seine Komik. Diese Freude ist sehr kurz, aber man sagt sehr gesund. Dann gibt es die Schadenfreude. Sie stimmen mir sicherlich zu, wenn ich sage, daß diese nicht zu den tugendhaftesten Freuden gehört. Zu diesen nicht sehr schönen Freuden gehört natürlich auch der Spott, das Auslachen. Dann gibt es die sogenannte Vorfreude. Von der es heißt, es ist die schönste Freude. Dann gibt es den Spaß, die Gaudi. Der Spaß ist meistens von kurzer Dauer. Wenn einer sagt, "das macht mir Spaß." oder "Der schaut spaßig aus", dann ist das ein großer Unterschied zu der christlichen Freude. Die christliche Freude hat mit einer wahren Fröhlichkeit zu tun und ist zu unterscheiden mit einer lärmenden Ausgelassenheit, die durch übermäßigen Alkohol zum Beispiel bewirkt wird. Der gedrückte Mensch am nächsten Tag mit Kopfweh bereut sein Tun, und die Freude ist wie weggeflogen. Die Kirche ist sicher traurig über die Ausgelassenheit und über die Sünden, die in diesen Tagen des Faschings vermehrt geschehen. Wir wollen uns nichts vormachen lassen von den Freuden der Welt. Sie sind keine echten Freuden, denn wie oft folgt darauf die bittere Ernüchterung und Enttäuschung. Die christliche Freude ist von Dauer. Über was freut sich der Christ? Der Christ freut sich an der Natur, an allem, was der Mensch an Positivem geschafffen hat, an der schönen Kunst, am Mitmenschen, dem Ebenbild Gottes, u.s.w. Wir Christen leben aus der Freude des Auferstandenen. Die christliche Freude hat ihren Ursprung vom Auferstehungsglauben und wir holen uns im gemeinsamen Sonntagsgottesdienst dieses Fundament dazu, frohe Christen zu sein. Amen. |