| 8. Sonntag im Jahreskreis B |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium:
Mk 2,18-22
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Liebe Kinder! Wir hörten im Evangelium etwas vom Fasten! Vielleicht sagt ihr jetzt: Themaverfehlung. Wir befinden uns im Fasching. HerrKaplan, sprechen sie doch über die Freude. Wenn ich das Wort "Fasten" höre, werde ich bloß traurig. Das Fasten ist für mich ein Opfer und daher tue ich es nicht gern. Das nimmt mir doch die Freude. Außerdem kommt die Fastenzeit früh genug und dauert ihre 40 Tage. Das ist eine lange Zeit. Da habt ihr vielleicht auch ein wenig recht.Und doch erwähne ich nochmals kurz den Inhalt des Evangeliums über das Fasten, denn die Jünger Jesus haben ja gerade nicht gefastet. Jesus wird dies von einigen Leuten zum Vorwurf gemacht. Ist Jesus gegen das Fasten? Nein, sicher nicht. Zu diesem Zeitpunkt aber anscheinend brauchen die Jünger nicht fasten. Was hat er geantwortet? Er sagt: "Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?" Was bedeutet das? Die Zeit vor 2000 Jahren, als Jesus auf dieser Erde weilte, beschreibt er als eine Hochzeit, ein Fest, wo man sich freute, daß der Bräutigam unter ihnen ist. "Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein: an jenem Tag werden sie fasten." Will Jesus damit sagen, daß wir jetzt immer, seit seinem Tod jeden Tag fasten müssen? Das wohl auch nicht! Jesus will aber damit andeuten, daß es eben auch Zeiten des Fastens geben wird, wenn er gestorben ist. Es gibt eine Zeit der Freude. Es gibt eine Zeit des Fastens. Man kann nicht immer Feste feiern, das wissen wir. Es braucht auch die Zeiten der Vorbereitung auf das Fest. Und es gibt den grauen Alltag. Heute aber sind wir aber noch nicht am Aschermittwoch angelangt, der Vorbereitungszeit auf das große Osterfest. Heute ist noch die Zeit des Faschings. Ja, es ist eine Zeit der weltlichen Freude, sage ich ganz bewußt. Die Kirche lehnt die Freude nicht ab. Ich möchte aber hinweisen auf die christliche Freude. Es gibt verschiedene Arten von Freude. Ein herzhaftes Lachen, über einen Witz zum Beispiel. Der Clown im Zirkus versucht einen zum Lachen zu bringen durch seine Komik. Diese Freude ist sehr kurz, aber man sagt sehr gesund. Dann gibt es die Schadenfreude. Sie stimmen mir sicherlich zu, wenn ich sage, daß diese nicht zu den tugendhaftesten Freuden gehört. Dann gibt es die sogenannte Vorfreude. Von der sagt man, es sei die schönste Freude. Dann gibt es den Spaß, die Gaudi. Der Spaß ist meistens von kurzer Dauer. Wenn einer sagt, "das macht mir Spaß." oder: "Der schaut spaßig aus", dann ist das ein großer Unterschied zu der christlichen Freude. Die christliche Freude hat mit einer wahren Fröhlichkeit zu tun und ist zu unterscheiden mit einer lärmenden Ausgelassenheit, die durch übermäßigen Alkohol zum Beispiel bewirkt wird. Der gedrückte Mensch am nächsten Tag mit Kopfweh bereut sein Tun und die Freude ist wie weggeflogen. Die Kirche ist sicher traurig über die Ausgelassenheit und über die Sünden, die in diesen Tagen des Faschings vermehrt geschehen. Wir wollen uns nichts vormachen lassen von den Freuden der Welt. Sie sind keine echten Freuden, denn wie oft folgt darauf die bittere Ernüchterung und Enttäuschung. Die christliche Freude ist von Dauer. Über was freut sich der Christ? Der Christ freut sich an der Natur, an allem, was der Mensch an Positivem geschafffen hat, an der schönen Kunst, am Mitmenschen, dem Ebendbild Gottes, u.s.w. Wir Christen leben aus der Freude des Auferstandenen. Die christliche Freude hat ihren Ursprung vom Auferstehungsglauben. Jesus hat den Tod besiegt und steht uns auch in Zukunft bei und ist bei uns. Einerseits ist er uns genommen seit seiner Himmelfahrt, seitdem er nicht mehr auf Erden weilt, andererseits aber leben wir in ständiger Verbindung mit ihm. In dieser Stunde wollen wir ganz bewußt die Zeit feiern, wo der Bräutigam unter uns ist. Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen, sagt Jesus einmal. Und ganz besonders wird Jesus gegenwärtig unter uns, wenn der Priester die Wandlungsworte spricht. Dann wird er mit Fleisch und Blut hier auf dem Altar gegenwärtig. Und wenn ihr, liebe Kinder, in der hl. Kommunion den Leib Christi empfängt, wird er auch in eurem Herzen gegenwärtig. Dann ist er ganz in euch. Wir leben also in einem ständigen Wechsel. Bald fasten wir trauernd, weil er von uns genommen ist, dann wieder dürfen wir uns auch bewußt machen. Er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Da hat er uns versprochen. Amen. |