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6. Sonntag im Jahreskreis B

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mk 1,40-45

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Aussatz galt lange Zeit als unheilbar und war eine der schlimmsten Krankheiten! Immer mehr wurde der Betroffene von Geschwüren zerfressen, bis er nach etwa 9 Jahren, geistig völlig zerfallen, in ein Koma fiel und starb. Mit dieser Krankheit verband sich die totale Isolation von der menschlichen Gemeinschaft, denn wer mit ihm in Kontakt kam, mußte damit rechnen, selber angesteckt zu werden. In der Lesung, im Buch Levitikus, ist genau beschrieben, wie ein Aussätziger sich zu verhalten hat. Schon von fern hatte der Aussätzige zu schreien: „Unrein! Unrein!“, damit jeder ihm rechtzeitig aus dem Weg gehen konnte. Er soll eingerissene Kleider tragen, das Kopfhaar ungepflegt lassen und den Schnurbart verhüllen, damit man ihn von weitem erkennt. Selbst auf offenen Plätzen durfte er nicht gegrüßt werden. Mindestens zwei Meter mußte man von ihm Abstand halten. Kein Aussätziger hätte sich getraut, diese Grenze zu überschreiten, denn er wußte, daß er mit Steinen davongejagt würde. Er ist unrein. Unser Aussätziger ist daher sehr mutig, wenn er sich Jesus zu Füßen wirft. Sein Vertrauen zu Jesus ist so groß, daß er in seiner grenzenlosen Not und Verlassenheit es wagt, sich über alle gesetzlichen Schranken hinwegzusetzen und auf Jesus zuzugehen. Er hatte die innere Gewißheit, daß Jesus etwas kann, was sonst keiner fertigbringt. Durch diesen Mann erfahren wir, daß keiner sich zu fürchten braucht, er sei zu unrein, um sich Jesus nähern zu dürfen. Er sehnte sich nach Reinheit.
Wir kennen das Wort Reinheit in einem anderen Sinn auch. Ich meine damit die Keuschheit. Darüber muß man heute leise reden. Ist diese Tugend der Reinheit überhaupt noch gefragt? Die Werbung arbeitet auf alle Fälle noch mit dem Wort „rein“. Ob das ein Waschmittel ist, das porentief rein wäscht. Oder ob das die Kosmetik ist, die einen schönen reinen Menschen aus einem macht. Überall wird auf Schönheit und Reinheit wert gelegt. Aber das Ringen der jungen Menschen um die Reinheit scheint gestorben zu sein. Der moralisch, sittliche Verfall ist weit fortgeschritten und die größte Sünde ist die, daß man die Sünde nicht mehr Sünde sein läßt, sondern sie als erlaubt darstellt. Wie viele haben keine Probleme mehr mit Ehebruch, mit jeglicher Art von Ehebruch, dazu gehören auch die „vorehelichen Ehebrüche“.? Wie viele haben keine Probleme mehr mit Abtreibung? Wie viele hören nicht mehr auf die Kirche, wenn es um die richtige Art von Empfängnisregelung geht? Wie wird heutzutage versucht die Jugend zu verderben mit allerlei diversen Zeitschriften, Filmen und ähnlichen Und die Jugend ist zu schwach sich dagegen zu wehren, weil ihnen die Kraftquellen fehlen, weil ihnen die hl. Messe, die Beichte und das Gebet genommen sind. Das Streben nach Reinheit, nach Keuschheit kennen viele gar nicht mehr. Das Wort „Unschuld“ wagt man gar nicht mehr in den Mund zu nehmen, denn man könnte ausgelacht werden. Der Kampf gegen diese Zeitschriften, Illustrierte und Hefte, die unsere Kinder nehmen, scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Oftmals hat die Jugend diesen Kampf gegen diese Sünde aufgegeben. Und doch kann jeder zu Jesus kommen und ihn bitten: „Herr, wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde.“ Jesus läßt ihn nicht im Stich.
Jesus ist der Heiland, der nicht nur den äußeren Aussatz heilen kann, sondern auch den inneren Aussatz der schweren Sünde, wenn er sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben.“
Obwohl Jesus den Aussätzigen nicht an sich herankommen lassen durfte, streckte Jesus seine Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es: Werde rein!“ Hier offenbart sich die göttliche Macht Jesu wieder. Er benützt sie, um zu helfen, um zu heilen. Die Liebe zu den Menschen drängt ihn. In vielen Heiligen wurde dieses Bedürfnis wach, Liebe diesen Menschen zu schenken. Das sehen wir, wenn ein hl. Franziskus, der früher vor jedem Aussätzigen einen heftigen Ekel empfand, nach seiner Bekehrung in sich eine Kraft fühlte, die ihn selbst überraschte. Er warf dem Aussätzigen nicht ein Almosen zu; vielmehr ergriff er seine verkrüppelten Hände und küßte sie.
Auch ein Mutter Theresa ist hier ein Vorbild. Ihre Liebe drängte sie zu den Armen nach Indien zu gehen. Auch in der heutigen Zeit gibt es solche Menschen und viele junge Schwestern sind diesem Ruf gefolgt und sind in ihren neugegründeten Orden beigetreten.
Diese Liebe geht aus von Jesus, der sie uns vorgelebt hat, der den Menschen gesund sehen will, der damals sagte: „Ich will es - werde rein.“ und der es auch heute will, der aber nur unsere Hände hat, mit denen er helfen kann, mit denen er helfen will und damit wahre Nächstenliebe leben will.
Jeder von uns kann das tun. Und wenn es nur ein Besuch bei kranken Leuten ist, wenn es nur ein Lächeln, ein liebes Wort zu einem Behinderten ist. All das ist das Gegenteil von ausgrenzen, das für einen Aussätzigen damals ein doppeltes Leid wurde, ausgestoßen von der Gesellschaft. All das ist Nächstenliebe, die wir leben wollen, die uns von Jesus selbst auch aufgetragen ist, weil Jesus selbst geheilt hat mit den Worten: Ich will es. Werde rein. Amen.

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