5. Sonntag nach Ostern |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium: Joh 15,1-8 Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Dieses Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen
nehme ich oft als Schriftstelle bei einer Taufe. Verschiedene wichtige Glaubenswahrheiten
können wir mit diesem Vergleich aufzeigen. Die Grundvoraussetzung um Frucht bringen zu können ist, so sagt es das Gleichnis, in Verbindung mit Christus zu bleiben, am Weinstock zu bleiben. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Es heißt nicht: Wir können wenig tun oder wir können schwer Gutes tun, sondern: nichts, rein gar nichts können wir tun. Jesus Christus ist bei allem christlichen Tun beteiligt. Wir nennen dies Gnade. Ohne diese helfende Gnade würden wir wirklich zu keiner guten Tat fähig sein. Damit das möglich ist, müssen wir, wie bereits gesagt, die Verbindung mit Christus aufrechterhalten. Die Saftzirkulation darf nicht in Stockung geraten, denn der Rebzweig braucht den ständigen Kraftzufluß aus dem Stamm. Er holt sich von dort die lebensnotwendigen Mineralien, das Wasser, u.s.w. Er verdorrt sonst ohne Mithilfe des Stammes.Wir haben gehört, was mit dem Rebzweig passiert, der keine Frucht bringt. Er wird weggeworfen. Man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Hiermit wird die Möglichkeit ausgedrückt, daß wir das Heil verlieren können. Ein schrecklicher Gedanke, der uns auch den Ernst, die Einmaligkeit des Lebens bewußt machen will. Das Gleichnis zeigt uns auch schön den
Unterschied zwischen einer leichten und einer schweren Sünde. Durch eine leichte Sünde
wird der Zufluß der Gnade erschwert. Bei einer Kaffeemaschine würde man das Verkalkung
nennen. Zurück zu unserem Bild mit dem Weinstock. Bei einer leichten Sünde bleiben wir
zwar am Weinstock, aber Gott kann uns nicht so beschenken, wie er will, weil wir seine
Gnade nicht so schnell aufnehmen können. Reinigung dieses Zuflusses kann geschehen z.B.
durch Beichte oder auch durch den Empfang der hl. Kommunion, u.s.w. Durch eine schwere
Sünde werden wir aber total getrennt vom Weinstock. Hier hilft uns nur eine ehrliche
Umkehrbeichte, um wieder an den Weinstock angeschlossen zu werden. Dann erst können wir
wieder Frucht bringen! Dann erst kann die Gnade wieder in uns wirken. |