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5. Sonntag im Jahreskreis B

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mk 1,29-39

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Alle suchen dich!“ Kein Wunder! Nachdem Jesus so viele geheilt hat, kommen sie alle zu ihm. Jeder will Jesus sehen und eventuell von ihm geheilt werden.
Aber auch uns ist dies aufgetragen in der heutigen Zeit: Jesus suchen. Es scheint bei vielen hat diese Jesussuche aufgehört. Er ist anscheinend nicht mehr so attraktiv wie damals. Er ist natürlich auch als Mensch mit seinem Leib nicht mehr findbar, aber auch damals hat Jesus sich zurückgezogen und man mußte in anstrengend finden. Viele Menschen sind heutzutage mit ihrer Arbeit so beschäftigt, daß sie gar nicht auf den Gedanken kommen, Jesus zu suchen. Oftmals ist Sonntagsgottesdienst und Gebet ein Fremdwort geworden.
Jesus ist also verschwunden. Jesus betet! Jesus zieht sich zurück in die Einsamkeit. Wer von uns geht zum beten, wenn sich die Arbeit auftürmt und einem sogar über den Kopf wächst? Wer von uns nimmt sich die Zeit zum Beten? Zum Beten, da braucht man doch Ruhe. Beten, das kann man doch nicht mitten im Trubel. Wer von uns unterbricht plötzlich die Arbeit, läßt alles stehen und liegen und geht in die Stille beten? Unser Terminkalender ist voll von lauter wichtiger Arbeit, Aktivitäten, randvoll alles besetzt und abends ist man oft zu müde und ist lieber vor dem Fernseher, um sich berieseln zu lassen bis man einschläft. Beten ist gar nicht so leicht.
Jesus nimmt sich die Zeit und zwar in der Früh, wo noch alles ruhig ist, wo alles schläft, wo sein Geist frisch ist.
Ich habe mich während der Vorbereitung auf diese Predigt gefragt: „Hast du Zeit zum Gebet? Wie schaut´s bei uns Priester aus!“ Ich habe auch nicht die Predigt unterbrochen und bin beten gegangen. Viele Priester sind in Gefahr auch zu meinen, das und das sei wichtig. Die Arbeit sei wichtig. Manchmal bin ich ganz schlau und sage, meine Arbeit ist Gebet. Das ist vielleicht zum Teil richtig. Aber trotzdem hat Jesus es anders gemacht. Er ist in der Früh an einen einsamen Ort gegangen, um zu beten. Er hat die Stille gesucht. Er brauchte dieses Gespräch mit dem Vater, so wie jeder Priester, jeder Mensch diese Zeiten des Gebetes braucht. Am besten ist die Zeit in der Früh, habe ich bei mir selber festgestellt. Da hat man den Kopf noch nicht so voll mit all den Sorgen, Problemen und Terminen, die so immer wieder daherkommen. Vielleicht ist es bei ihnen anders. Vielleicht sind sie ein Morgenmuffel. Manch einer ist in der Früh zu müde, um zu beten, der betet lieber abends. Aber jeder sollte sich eine gewisse Zeit zum beten nehmen.
Jesus ist sich bewußt, daß er ohne die ständige, innigste Verbindung mit seinem Vater, daß er ohne Gebet nicht leben und wirken kann. Wenn er vor die Menschen hintreten, sie lehren und heilen soll, dann muß er als Gottmensch sich bei seinem himmlischen Vater die geistige Kraft und Stärkung holen.
Oftmals finden wir Jesus in seinem Leben im Gebet. Besonders bei seinen wichtigen Entscheidungen:
Bevor er seine Apostel auswählt, hat er die ganze Nacht im Gebet verbracht.
Als Jesus einmal an einem Ort betete und er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten! (Lk 11,1) Und er lehrte ihnen das Vater unser, das wichtigste Gebet.
Am Ölberg in seiner Not, wo er bewußt ja zum Willen des Vaters sagte, war er die letzten Stunden vor der Gefangennahme im Gebet mit seinem Vater verbunden und die Apostel haben ihn kläglich allein gelassen. Immer betete Jesus vorher.
Und auch im heutigen Evangelium hat er gebetet und kam zu einer neuen Entscheidung.
Würde vielleicht bei uns Priester die Aktivität anders ausschauen, wenn einer mehr betet? Wie war es bei Jesus? Sein Beten am Morgen, das hat seinen ganzen Tag eine ganz andere Richtung gegeben. Petrus und die Jünger, die den Meister nach langer Suche finden, und ihn erinnern, was noch alles zu tun vor ihnen liegt - alle suchen dich - die Leute brauchen dich, komm doch bitte, sie bekommen die Antwort: „Nein, das tun wir heute nicht! Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, denn dazu bin ich gekommen.“
Nachdem er sich zurückgezogen hatte, nachdem er gebetet hatte, nach dieser Stille am Morgen, da wußte Jesus plötzlich, daß das, was jetzt anscheinend so unheimlich wichtig war, gar nicht das Richtige ist. Könnte das nicht auch im Gebet bei einem Priester oder bei jedem, der betet, der Fall sein, daß er so manches als Unwichtig erkennt und es auf seinem Terminkalender streicht. Dann wird der Streß vielleicht schon weniger. Jesus wußte, ich darf mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wichtig ist heute morgen etwas anderes. Laßt uns aufbrechen und anderswohin gehen. Dazu bin ich gekommen, das ist jetzt wichtig, das muß jetzt getan werden. Jesus entdeckt das im Gebet, indem er sich zurückzieht. Eigentlich ganz einfach. Man muß nur Zeit dafür haben oder besser, ich muß sie mir nehmen. Amen.

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