| Evangelium: Mk 1,29-39 Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Alle suchen dich! Kein Wunder!
Nachdem Jesus so viele geheilt hat, kommen sie alle zu ihm. Jeder will Jesus sehen und
eventuell von ihm geheilt werden.
Aber auch uns ist dies aufgetragen in der heutigen Zeit: Jesus suchen. Es scheint bei
vielen hat diese Jesussuche aufgehört. Er ist anscheinend nicht mehr so attraktiv wie
damals. Er ist natürlich auch als Mensch mit seinem Leib nicht mehr findbar, aber auch
damals hat Jesus sich zurückgezogen und man mußte in anstrengend finden. Viele Menschen
sind heutzutage mit ihrer Arbeit so beschäftigt, daß sie gar nicht auf den Gedanken
kommen, Jesus zu suchen. Oftmals ist Sonntagsgottesdienst und Gebet ein Fremdwort
geworden.
Jesus ist also verschwunden. Jesus betet! Jesus zieht sich zurück in die Einsamkeit. Wer
von uns geht zum beten, wenn sich die Arbeit auftürmt und einem sogar über den Kopf
wächst? Wer von uns nimmt sich die Zeit zum Beten? Zum Beten, da braucht man doch Ruhe.
Beten, das kann man doch nicht mitten im Trubel. Wer von uns unterbricht plötzlich die
Arbeit, läßt alles stehen und liegen und geht in die Stille beten? Unser Terminkalender
ist voll von lauter wichtiger Arbeit, Aktivitäten, randvoll alles besetzt und abends ist
man oft zu müde und ist lieber vor dem Fernseher, um sich berieseln zu lassen bis man
einschläft. Beten ist gar nicht so leicht.
Jesus nimmt sich die Zeit und zwar in der Früh, wo noch alles ruhig ist, wo alles
schläft, wo sein Geist frisch ist.
Ich habe mich während der Vorbereitung auf diese Predigt gefragt: Hast du Zeit zum
Gebet? Wie schaut´s bei uns Priester aus! Ich habe auch nicht die Predigt
unterbrochen und bin beten gegangen. Viele Priester sind in Gefahr auch zu meinen, das und
das sei wichtig. Die Arbeit sei wichtig. Manchmal bin ich ganz schlau und sage, meine
Arbeit ist Gebet. Das ist vielleicht zum Teil richtig. Aber trotzdem hat Jesus es anders
gemacht. Er ist in der Früh an einen einsamen Ort gegangen, um zu beten. Er hat die
Stille gesucht. Er brauchte dieses Gespräch mit dem Vater, so wie jeder Priester, jeder
Mensch diese Zeiten des Gebetes braucht. Am besten ist die Zeit in der Früh, habe ich bei
mir selber festgestellt. Da hat man den Kopf noch nicht so voll mit all den Sorgen,
Problemen und Terminen, die so immer wieder daherkommen. Vielleicht ist es bei ihnen
anders. Vielleicht sind sie ein Morgenmuffel. Manch einer ist in der Früh zu müde, um zu
beten, der betet lieber abends. Aber jeder sollte sich eine gewisse Zeit zum beten nehmen.
Jesus ist sich bewußt, daß er ohne die ständige, innigste Verbindung mit seinem Vater,
daß er ohne Gebet nicht leben und wirken kann. Wenn er vor die Menschen hintreten, sie
lehren und heilen soll, dann muß er als Gottmensch sich bei seinem himmlischen Vater die
geistige Kraft und Stärkung holen.
Oftmals finden wir Jesus in seinem Leben im Gebet. Besonders bei seinen wichtigen
Entscheidungen:
Bevor er seine Apostel auswählt, hat er die ganze Nacht im Gebet verbracht.
Als Jesus einmal an einem Ort betete und er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner
Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten! (Lk 11,1) Und er lehrte ihnen das Vater unser, das
wichtigste Gebet.
Am Ölberg in seiner Not, wo er bewußt ja zum Willen des Vaters sagte, war er die letzten
Stunden vor der Gefangennahme im Gebet mit seinem Vater verbunden und die Apostel haben
ihn kläglich allein gelassen. Immer betete Jesus vorher.
Und auch im heutigen Evangelium hat er gebetet und kam zu einer neuen Entscheidung.
Würde vielleicht bei uns Priester die Aktivität anders ausschauen, wenn einer mehr
betet? Wie war es bei Jesus? Sein Beten am Morgen, das hat seinen ganzen Tag eine ganz
andere Richtung gegeben. Petrus und die Jünger, die den Meister nach langer Suche finden,
und ihn erinnern, was noch alles zu tun vor ihnen liegt - alle suchen dich - die Leute
brauchen dich, komm doch bitte, sie bekommen die Antwort: Nein, das tun wir heute
nicht! Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, denn dazu bin ich
gekommen.
Nachdem er sich zurückgezogen hatte, nachdem er gebetet hatte, nach dieser Stille am
Morgen, da wußte Jesus plötzlich, daß das, was jetzt anscheinend so unheimlich wichtig
war, gar nicht das Richtige ist. Könnte das nicht auch im Gebet bei einem Priester oder
bei jedem, der betet, der Fall sein, daß er so manches als Unwichtig erkennt und es auf
seinem Terminkalender streicht. Dann wird der Streß vielleicht schon weniger. Jesus
wußte, ich darf mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wichtig ist heute morgen etwas
anderes. Laßt uns aufbrechen und anderswohin gehen. Dazu bin ich gekommen, das ist jetzt
wichtig, das muß jetzt getan werden. Jesus entdeckt das im Gebet, indem er sich
zurückzieht. Eigentlich ganz einfach. Man muß nur Zeit dafür haben oder besser, ich
muß sie mir nehmen. Amen. |