| 2. Sonntag nach Weihnachten - Johannesprolog |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
"Und das Wort ist Fleisch geworden." Das ist die Weihnachtsbotschaft des Johannes. Wenn wir seine Botschaft vergleichen mit der Weihnachtsbotschaft des Lukas oder des Matthäus können wir erstaunt feststellen, daß gravierende Unterschiede da sind. Johannes schreibt ganz anders. Es werden nicht die äußeren Umstände der Geburt beschrieben. Wir hören nichts von Engel. Wir hören nichts von Hirten. Wir hören nichts von Bethlehem, vom Stall, von der Krippe, von den Magiern, ja nicht einmal die Muttergottes wird erwähnt. Johannes drückt es in einem einzigen Satz aus. "Und das Wort ist Fleisch geworden." Dieser Satz ist uns bekannt durch das Gebet: Den Engel des Herrn. Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten: Im Anfang war das Wort. Mit diesen beiden Worten "Im Anfang" beginnt auch das erste Buch der heiligen Schrift: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." Es handelt sich dabei aber jeweils um einen anderen Anfang. Gibt es zwei Anfänge? Im ersten Buch der heiligen Schrift ist der Anfang der Welt gemeint. Johannes meint den Anfang an sich, der eigentlich kein Anfang war. Denn Gott ist ohne Anfang und ohne Ende. Er ist immer und ewig. Dies sollte selbstverständlich sein, ist es aber oft nicht und oft können Kinder sich das schwer vorstellen und sagen: "Gott muß doch einmal begonnen haben." Gott ist aber ohne Anfang, sonst wäre er nicht Gott. Wenn Gott einen Anfang hätte, wer hat dann diesen Anfang gemacht?, könnte man dann fragen. Johannes schreibt: Im Anfang war das Wort, also Jesus. Das erfahren wir dann später, wenn er schreibt: "und das Wort ist Fleisch geworden." "Und Jesus war bei Gott. Und Jesus war Gott." Im Anfang war das Wort. Das bedeutet: Im Anfang, als Gott die Welt erschuf, da war es bereits da, das Wort. Denn durch das Wort ist alles geschaffen. Im Anfang existierte es bereits, denn es war schon immer, ohne Anfang. Im Anfang war das Wort schon da. Sie spüren vielleicht jetzt schon die Bedeutung dieses Textes. Der Text ist von so großer Wichtigkeit geworden, als über die Person Jesu nämlich plötzlich Unsicherheiten aufgetreten sind. Wer war Jesus? Johannes schreibt es am deutlichsten: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. 1. "Das Wort war Gott." Deutlicher konnte er die Gottheit Jesu Christi nicht ausdrücken. Jesus ist wahrer Gott. Sehr bald kam die Irrlehre auf. Jesus sei bloß ein Mensch, der leibliche Sohn Josefs. Johannes spricht anders. 2. "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Vielleicht irritiert das jetzt ein wenig. Johannes sagt nicht "Mensch geworden" oder "Kind geworden", oder "Leib geworden". Besteht der Mensch nur aus Fleisch? Sicher nicht. Aber Johannes will damit betonen und aussagen, daß Gott wirklich Mensch geworden ist, ein Mensch mit Fleisch und Blut. Er hat also keinen Scheinleib gehabt, wie später auch behauptet wurde. Johannes hätte auch schreiben können. Das Wort ist Fleisch und Blut geworden. Ganz einer von uns. Indem nun das Wort Fleisch geworden ist, wurde der Abgrund zwischen Gott und dem Menschen überbrückt. Der Abgrund, der seit der Ursünde bestand. Diesen Abgrund konnte nicht der Mensch überwinden. Gott hat ihn überbrückt. Er mußte alles wiedergutmachen. Darum sandte er uns seinen Sohn. Sein Sohn wurde sozusagen zur Brücke, über die wir gehen können. Die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits. Er hat die Brücke geschlagen und uns damit die Erlösung geschenkt, gebracht. Er ist die einzige Brücke. Jeder Mensch muß über diese Brücke gehen. Er muß glauben, daß Jesus der einzige Mittler ist zwischen Gott und den Menschen, und daß er uns dadurch erlöst hat. Das ist die Weihnachtsbotschaft des Johannes. Oftmals wird diese Weihnachtsbotschaft umgedreht. Die wahre Weihnachtsbotschaft lautet: "Gott ist Mensch geworden. Das Wort ist Fleisch geworden." Die neue Weihnachtsbotschaft lautet oft. "Der Mensch muß Mensch werden." Der Mensch muß sich selbst verwirklichen Oder auch selbst erlösen. Das ist der Blick nur auf sich selbst. Und dann sind die Worte heute noch wahr, die Johannes schreiben mußte. "Er kam in die Welt und die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." Die Seinen, das sind die Menschen, die nur auf sich selbst schauen, sich selbst verwirklichen wollen, die die Weihnachtsbotschaft umdrehen. Nicht das Wort Gottes wird bei diesen zur Norm, sondern der Mensch macht sich selbst zum Maß aller Dinge. Nicht der Mensch muß Mensch werden, sondern Kinder Gottes sollen wir werden. "Allen aber die ihn aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu werden." So klein wie das Kind in der Krippe, wollen wir werden. Nicht wir wollen das Wort Gottes beurteilen, sondern wir wollen diese Weihnachtsbotschaft, daß Gott Mensch geworden ist, annehmen wie ein Kind und in uns lebendig bleiben lassen. Amen. |