| Ev.: Joh 1,35-42 -
16.1.2000 Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Wir kennen den großen Bußprediger Johannes den
Täufer. Er ist uns auch im Advent kein Unbekannter gewesen. Er ist Zeuge des Kommenden.
Von diesem Kommenden hat er gesagt, daß er, der Täufer, nicht würdig sei, ihm die
Schuhriemen aufzubinden. Von diesem Kommenden hat er gesagt, daß er ihm vorangehe, weil
er vor ihm gewesen sei. Von diesem Kommenden hat er gesagt, daß er auf ihn den Geist habe
herabkommen sehen. Von diesem Kommenden hat er schließlich bezeugt, daß dieser der
Erwählte, der Sohn Gottes sei. Johannes spricht von Jesus als dem Größeren, und er
nennt ihn, als er vorüberging das Lamm Gottes.
Die Jünger des Johannes verstanden sofort, was er damit sagen wollte. Johannes hat
sicherlich seine Jünger so gelehrt, mit ihnen oft darüber gesprochen, daß, wenn der
kommt, den er verkündet, sie zu ihm gehen sollen. Seine Zeit ist nun zu Ende. Er hat ja
selbst immer betont, er sei nur der Wegbereiter. Jetzt kommt der, der größer ist
als ich. Die Zeit der Ablösung ist da, und das Ende seiner Sendung ist gekommen.
Er muß nun wachsen, ich muß kleiner werden. Johannes bindet seine Jünger
nicht an sich, sondern führt sie dem Kommenden zu. Das ist letztendlich die Aufgabe jedes
Priesters: Die Leute nicht an sich zu binden, sondern sie zu Christus zu führen. Je mehr
dies geschieht, desto mehr wächst Christus, desto mehr kann Christus wirken.
Seine zwei Jünger ließen alles liegen und stehen und folgten Jesus sofort.
Wahrscheinlich war es neben Andreas, der mit Namen genannt wird, Johannes selbst, der sich
in seinem Evangelium hier demütig im Hintergrund befindet. Der Satz: Es war um die 10.
Stunde, also 4 Uhr nachmittag, deutet darauf hin, daß die Stunde der Berufung sich bei
Johannes als einschneidendes, einmaliges Erlebnis unauslöschlich eingeprägt hat. Er
weiß es Jahrzehnte später noch, wie wenn es gestern gewesen wäre. Es war dies also eine
der wichtigsten Stunden in seinem Leben. Er wird ab jetzt Jesus ganz nachfolgen. Es war
sein Berufungserlebnis.
Jeder von uns ist von Jesus gerufen. Einige sind in die engere Nachfolge gerufen. Wie
geschieht diese Berufung?
1. So mancher Priester ist durch sein Vorbild vielen jungen Menschen ein Hinweis geworden
für ihre eigene Berufung. Durch die Predigt, durch das Hören, durch das Beispiel des
Johannes haben sich welche gefunden, die Johannes dann zu Jesus schickt. Berufung
geschieht durch Vorbilder, durch Menschen, die sich als Werkzeug Gottes benützen lassen.
2. Berufung geschieht aber auch durch Erwählung. Jesus wählt aus. Die Kirche bestätigt
bei der Priesterweihe die Berufung. Jesus spricht zu den 2 Jüngern, als sie ihn fragen,
wo er wohnt: Kommt und seht! Es ist dies eine unaufdringliche Einladung. An jenem Tag
blieben sie bei ihm und es war, denke ich, eine Zeit mit vielen Fragen. Jesus war der
Lehrer und die 2 Jünger wollten sicherlich sehr viel wissen. Dieses Gespräch war gewiß
sehr beeindruckend für die 2, sodaß sie mit Begeisterung weggegangen sind. Wir wissen
nicht, was er ihnen gesagt hat, aber sie haben Feuer gefangen. Es brannte sicher ihr Herz,
denn sie haben es weitererzählt.
Damit bin ich bei einem weiteren Punkt, wie Berufung geschehen kann. Nämlich durch
mündliches Weitererzählen. Andreas erzählt es sofort seinem Bruder. Wir haben den
Messias gefunden. Später wird genau dieser Petrus mit denselben Worten Jesus
antworten, als er ihn fragt: Für wen haltet ihr mich? Du bist der Messias, der Sohn
des lebendigen Gottes. Andreas sagt es Petrus. Einer sagt es dem anderen. Die
mündliche Propaganda. Wie reagiert Petrus darauf? Auf dein Wort hin schau ich mir das an.
Weil es der Bruder Andreas war, der es mit eigenen Augen gesehen hat und gehört hat, und
dessen Augen noch vor Begeisterung leuchten, deshalb schaue ich, Petrus, mir diesen Jesus
an. Mein Bruder ist ein glaubwürdiger Zeuge. Er hat mit ihm gesprochen. Könnten nicht
auch wir wieder mehr uns davon anregen lassen, andere ansprechen. So geschieht auch heute
fast ohne Ausnahme Berufung.
Mit diesen zwei hat Jesus begonnen und jetzt in diesem Jahr überschreiten die Christen
die 2 Milliardengrenze. Es ist die größte Religionsgemeinschaft auf der ganzen Welt.
Jeder dritte Mensch ist Christ. In 100 Jahren haben sich die Christen verdreifacht. Damals
waren sie überzeugt, daß ihnen Jesus die Wahrheit sagte, und es drängte sie, daß sie
es weitererzählten. Sind auch wir heute noch überzeugt, daß uns die Kirche die Wahrheit
sagt? Damals sprüten sie vor Begeisterung. Nehmen wir uns die 2 Jünger zum Vorbild und
erzählen auch wir die Botschaft Jesu Christi weiter. Laden wir andere ein zum
Sonntagsgottesdienst. Nehmen wir sie mit.
Andreas hat Petrus mitgenommen und der wurde erwählt zum 1. Papst, zum Fels. Auf diesen
Felsen hat Christus seine Kirche gebaut. Ihr Auftrag ist es die Wahrheit ohne Abstriche
weiter zu verkünden, um den Menschen den Weg zum ewigen Leben zu zeigen. Amen. |