| 2. Fastensonntag 2000 |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium:
Mk 9,2-13
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Wer von ihnen ist noch nie auf einen Berg gestiegen? Der Berg ist etwas besonderes. Das Bergsteigen ist nicht nur aus gesundheitlichen Gründen für manche eine angenehme Abwechslung und eine beliebte Freizeitbeschäftigung, sondern es gibt noch andere Gründe, diese Mühe auf sich zu nehmen. Wir fühlen uns frei. Wir sehen die Schönheiten der Natur. Auf dem Gipfel sieht man weit in das Land hinein. Auf einem hohen Berg ist es oft noch ruhig und man kann die Stille angenehm spüren. Auf dem Berg steht das Gipfelkreuz, das uns auch immer an Jesus erinnert. Der Berg ist immer Zeichen für die Nähe Gottes. Denken sie nur an Mose, der auf einem Berg die 10 Gebote empfangen hat. Jesus steigt öfter auf einen Berg. Manchmal um zu lehren (Bergpredigt), manchmal, um zu beten und um sich zurückzuziehen. Auch die Himmelfahrt Christi wird auf einem Berg stattfinden. Heute steigt er auf einen hohen Berg, wahrscheinlich war es der Berg Tabor. Er nimmt drei seiner besten Freunde mit. Petrus, Johannes und Jakobus. Genau diese drei wird er später auch auf einen anderen Berg mitnehmen - den Ölberg. Auf beiden Bergen, heißt es, ging Jesus, um zu beten. Auf beiden Bergen schliefen die Jünger ein. Wie verschieden aber sind doch diese beiden Berge? Der Ölberg, der Berg des großen Leidens, wo Jesus Blut geschwitzt hat, wo er die Einsamkeit so stark spürte, wo ihn die Jünger kläglich im Stich ließen. Und der Berg Tabor, wo er verwandelt wird, strahlend weiß, wo Petrus so begeistert ist, daß er hier gleich drei Hütten bauen will, um zu bleiben. Wer hat noch nicht solche Taborstunden in seinem Leben gehabt und erlebt? Stunden, wo du so richtig glücklich warst. Stunden, an die du dich noch gerne zurückerinnerst und an die du oft denkst. Stunden, die sich bei dir eingeprägt haben. Du sehnst dich erneut danach und träumst davon. Vielleicht ist es beim einen oder anderen auch ein kirchliches Fest, die Erstkommunion, die Hochzeit, ein Osterfest, ein Weihnachstfest, wo sich der Himmel geöffnet hat und unser Herz sich geweitet hat, wo einer die Gnaden regelrecht gespürt hat, die er in diesem Augenblick von Gott geschenkt bekam. Für Petrus ist es auch so eine Stunde. Als er Jesus plötzlich in strahlendem Licht sah, war er so beglückt, daß er diese Erfahrung für immer festhalten wollte. Daher die Idee "Hütten zu bauen", um für immer mit Jesus auf dem Berg zu bleiben. In dieser Rede drückt sich ein urmenschlicher Wunsch aus, der aber zugleich sehr schädlich sein kann, denn wer das Glück festhalten will, dem entzieht es sich am schnellsten. Nur wer das Glück nicht gefangennehmen will, der wird von ihm für einen Moment in seine Arme genommen und kann mutig seinen Weg im Alltag weitergehen und wird in den leidvollen Stunden des Lebens sich dieser Stunden des Lichts erinnern, die ja auf einen Menschen in der Ewigkeit warten. Die Verklärung Jesu ist nämlich eine Vorwegnahme der Herrlichkeit Jesu. Seine Gottheit, die den Jüngern doch immer auch verborgen war, leuchtete nicht nur durch, wenn er Wunder wirkte, sondern auch in diesem Augenblick, wo sein Gesicht strahlte wie die Sonne und sein Gewand leuchtend weiß wurde. Beim Hinabsteigen vom Berg spricht Jesus aber bereits von seinem Leiden. Auch in unserem Leben ist Freude und Leid oft sehr eng beieinander. Auch in unserem Leben kommen Zeiten, wo es uns nicht so gut geht, wo wir Opfer bringen müssen, wo wir leiden werden müssen. Die Fastenzeit jetzt ist die Zeit, in der wir uns mit Jesus besonders verbinden wollen, mit seinem Leiden in Jerusalem, mit ihn den Kreuzweg gehen wollen. Am heutigen Sonntag also ein Berg des himmlischen Glanzes. Letzte Woche der Berg der Versuchung. Vor uns der Ölberg und dann der Kalvarienberg. Der Kalvarienberg, wo Jesus zwischen zwei Verbrecher hängt; der Berg Tabor, wo Christus zwischen Moses und Elias verklärt wird. Ölberg und Kalvarienberg sind Berge, wo Jesus gelitten hat. Heute, der Berg, wo wir Jesus einen kurzen Augenblick im Glanz der Herrlichkeit sehen dürfen, wo wir aber beim herabsteigen sofort wieder an das Leiden erinnert werden. Auf Tabor möchten die Jünger immer bleiben, vor Golgotha fliehen sie; nur Johannes nicht. Die Flucht vor dem Kreuz ist etwas durchaus verständliches. Wir wissen aber auch, daß das Kreuz nicht das Ende ist, sondern, daß Jesus den Tod bezwungen hat. Jesus hat dem Leiden einen Sinn gegeben, denn nach dem Leid kommt die Freude. Das Leid ist begrenzt, die Freude unendlich. Diese Freude werden wir erfahren, wenn wir tun, was die Stimme aus der Wolke gesagt hat. "Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören." Amen. |