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Pfingstmontag 1999 i. Jahreskreis A

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Joh 15,26-16,3.12-15

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Hl. Geist wird manchmal der „unbekannte Gott“ genannt. Es ist die göttliche Person, die wir uns am schwersten vorstellen können. Gott Vater und Gott Sohn sind als Person leichter vorstellbar als der Hl. Geist.
Jesus nennt ihn heute den Beistand, den er uns senden wird. Der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht. Es ist der Geist, der der Kirche verheißen ist, sodaß sie die Heilswahrheiten irrtumslos verkünden kann. Es ist der Geist, der immer in der Kirche gewirkt hat bis herauf in die heutige Zeit.
Gottes Geist hat manches mit dem Wind gemeinsam. Denn Gottes Geist ist nicht sichtbar, sondern nur fühlbar und spürbar. Dieser Wind kann nun unterschiedlich stark sein. Es kann ein leiser Hauch sein. Erinnern sie sich an das gestrige Evangelium: Jesus hauchte sie an: „Empfangt den Hl. Geist.“ (Joh 20,22) Es kann aber auch ein Sturm sein. Denken wir an die Apostelgeschichte: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ (Apg 2,2) Wenn wir uns das Gespräch Jesu mit Nikodemus ins Gedächtnis rufen, stellen wir fest, daß Jesus dieses Bild vom Wind verwendet: „Der Geist weht, wo er will. Du hörst seine Stimme, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ (Joh 3,8)
Auch der Priester spürt, daß der Geist weht. Wissen Sie, wo der Priester den Hl. Geist im wahrsten Sinne spürt?
Es ist nicht wie damals in einem großen Saal, sondern in einem kleinen Kämmerlein. Es ist nicht wie damals ein Ort, wo viele versammelt sind, sondern ein Ort, wo nur 2 versammelt sind. Den Geist hört der Priester nicht wie damals, als ein Getöse, ein Brausen vom Himmel kam, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, sondern er hört den Geist, der mit leisen Worten spricht.
Sie haben es sicher schon erraten. Ich meine den Beichtstuhl. Da spürt der Priester ganz deutlich wie der Geist Gottes wirkt. Da die Beichten zahlenmäßig zurückgegangen sind, kann man vermuten, daß der Geist heutzutage auch weniger wirkt. Denn die Beichten selber sind auch nicht immer gut.
Wenn einer kommt, und sagt: Ich habe keine Sünden, dann hat der Geist nicht gewirkt. Denn es heißt in der hl. Schrift im Johannesbrief: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Joh 1,8) Wenn einer nur kommt, um seine Pflicht zu tun, wo keine Reue spürbar ist, - und das merkt der Priester sofort, - wirkt der Geist nicht! Wenn einer kommt und keine Gewissenserforschung gemacht hat und nur immer das aufzählt, was ihm einmal in der Volksschule der Religionslehrer vielleicht gelernt hat und so Jahrzehnte beichtet, wirkt der Geist nicht.
Manchmal aber wirkt der Geist. Dann aber ist es für den Priester eine unaussprechlich große Freude. Dann wirkt der Geist einmal als leiser Hauch, dann wieder hört der Priester einen heftigen Sturm. Hin und wieder erlebt man einen gewaltigen Sturm. Das ist, wenn ich einen vor mir habe, der Jahrzehnte nicht mehr gebeichtet hat und reumütig zurückkehrt. So wie dies beim verlorenen Sohn war, als dieser nach einer langen Zeit zum barmherzigen Vater zurückkehrte. Dieser Sturm ist oft so kalt, daß der Priester eine Gänsehaut bekommt. Dann wiederum ist es ein leiser Hauch, ein Säuseln, wenn ein braver Kirchgänger sein zartes Gewissen erforscht hat und demütig seine Schwächen vor Gott hinbringt. Einer, der sich echt wieder bemühen will; einer, der regelmäßig kommt, wo der Priester merkt, wie dieser langsam Fortschritte in den Tugenden macht, wo der Priester merkt, wie ihm der Hl. Geist hilft, besser zu werden, wo der Priester merkt, man kann auch in der heutigen Zeit heilig werden.
Der Hl. Geist ist also unsichtbar und ungreifbar, aber dafür spürbar. Er kommt und geht, wie er will. Er hält sich an keine Regeln und läßt sich nicht berechnen. Der Geist wirkt aber dort, wo einer offen ist, wo einer den Weg zu Gott sucht, wo einer demütig ist.
In dieser Geisteshaltung wollen wir sein, damit Pfingsten weiterwirkt im Alltag. Wir wollen dem Geist Gelegenheit geben, uns als Werkzeug Gottes benützen zu können, daß der Geist von uns Besitz ergreift, und daß wir geisterfüllte Menschen bleiben. Amen.

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