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Christi Himmelfahrt ´99 i. Jahreskreis A

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mt 28,16-20

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Himmelfahrt Christi ist die Vollendung und Krönung des Lebenswerkes Christi, das mit seiner Geburt begonnen hat. Es ist die Heimkehr zum Vater. Er hat den Willen seines Vaters erfüllt und sitzt nun zur Rechten Gottes. 40 Tage hindurch ist Jesus den Seinen erschienen und hat ihnen gezeigt, daß er lebt. Einmal jedoch enden diese Erscheinungen. Am 40. Tag erscheint er ihnen das letzte Mal. Er gibt ihnen die letzten Weisungen. Er führt sie zum Ölberg. Es ist sein letzter Gang. 7 Wochen zuvor in der Nacht des Gründonnerstags, ging er auch diesen Weg zum Ölberg. Aber welch ein Unterschied! Damals gingen die Apostel traurig weg. Es folgte die Gefangennahme. Jetzt kehrten sie zurück mit Freude, obwohl es ein Abschied war. Damals der Schritt in die Nacht des Leidens, nachdem er Blut geschwitzt hat. Jetzt nur noch ein Schritt, und er ist in der Herrlichkeit des Vaters.
Die Jünger waren so ergriffen von diesem Ereignis, daß sie noch lange zum Himmel blickten, wo eine Wolke ihn aufnahm und ihn ihren Blicken entzog. 2 Männer mußten sie in die Wirklichkeit zurückholen. "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor!" Erinnert euch, was er gesagt hat! Ihr habt einen Auftrag bekommen.
Müßten diese 2 Männer in der heutigen Zeit uns Christen nicht das Gegenteil sagen. "Ihr Christen des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts, was steht ihr da und schaut zur Erde. Das Glück hier auf Erden ist anscheinend mit Händen zu greifen. Wir schauen oft nur auf das Geld. Wir brauchen nicht mehr vom frühen Morgen bis zum späten Abend zu arbeiten. Es gibt geregelte Arbeitszeit und viel Freizeit. Uns geht es materiell gut.
Wir lernen im Urlaub andere Länder und Kontinente kennen. Wir können uns das leisten.
Wir haben eine verhältnismäßig hohe Lebenserwartung. Die moderne Medizin stellt uns immer wieder her, wenn wir krank sind oder einen Unfall haben.
Wer schaut da noch zum Himmel? Wer denkt noch an Gott? Wer richtet da noch seinen Blick nach oben? Ist unser Blick nicht sehr irdisch geworden und der Glaube bei vielen sehr schwach. Der Glaube ist ja auch nicht leicht. Das Materielle kann ich sehen, fühlen, aber das andere, was uns Jesus verheißen hat, das ist ungewiß, das ist unsicher und daher schwer zu glauben. Da stütze ich mich lieber auf das, was anscheinend sicher, was greifbar ist. Für viele ist Jesus wirklich durch seine Himmelfahrt auch in ihrem Leben nicht mehr präsent. Sie leben, wie wenn er wirklich nicht mehr da ist. Aber hat nicht Jesus gesagt: "Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt." Manchmal spürt man direkt, manche Christen leben zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr wichtig, nicht mehr da in ihrem Leben und der hl. Geist ist noch nicht gekommen.
Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, ist das Fest Christi Himmelfahrt wichtig. Ich frage nun: Was hat es uns zu sagen?
Machen wir uns eines bewußt. Wenn wir uns die Bilder anschauen, die das heutige Festgeheimnis darstellen, - und dieses Motiv ist bei den Malern sehr beliebt gewesen, - dann stellen sie sich jetzt den auffahrenden Christus vor. Wie sieht er aus? Vor allem: Was hat er in den Händen? Bei einem Abschied hat die verreisende Person meist einen Koffer in der Hand. Selbst die Flüchtlinge haben oft ihre letzte Habseligkeit in einem Koffer oder ziehen es auf einem Leiterwägelchen hinter sich her.
Kein Maler käme auf den Gedanken, Jesus bei seiner Himmelfahrt so darzustellen: mit einem Koffer in der Hand oder ein Wägelchen hinter sich herziehend, darin das, was ihm besonders teuer und wertwoll ist. Nein, Jesu Hände sind leer. Der Maler gibt ihm höchstens eine Fahne in die Hand, als Symbol für seinen Sieg über den Tod. Als Jesus diese Welt verläßt und zum Vater geht, da sind seine Hände leer. Nur seine Wunden, die Male seiner Nägel künden seine große Liebe zu uns. Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Auch für uns gilt: Von all dem, was wir hier auf Erden unser eigen nennen, werden wir nichts in die Ewigkeit mitnehmen können. All die Dinge, für die wir schuften und Geld ausgeben, werden wir hier den Erben hinterlassen. Nur das, was wir aus Liebe getan haben, werden wir in die Ewigkeit mitnehmen. All das, was wir verschenkt haben, werden wir dort wiederfinden. Das Leichentuch hat keine Taschen, heißt es.
Welch eine befreiende Botschaft, die Christi Himmelfahrt an uns richtet. Sie nimmt von uns den Druck, noch mehr leisten zu müssen, noch mehr haben zu wollen. Sie schenkt uns eine innere Gelassenheit und Heiterkeit des Herzens. Christus, in den Himmel auffahrend, mit leeren Hände, nur mit den Malen der Liebe gezeichnet, will uns sagen: Du brauchst nichts mitzunehmen. Denn das, was dich dort an Liebe und Glück erwartet, will Deine leeren Hände ganz füllen und dich ganz glücklich machen. Amen.

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