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25. Sonntag i. Jahreskreis A

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Evangelium: Mt 20,1-16

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

"Niemand hat uns geworben!" Dieser Satz aus dem Evangelium stimmte mich nachdenklich. Wenn ich durch die Straßen gehe, schweifen meine Blicke immer links und rechts ab. Die Geschäfte sind voll von Plakaten. Die Schaufenster werben kräftig. Sie wollen ihre Produkte anbieten, um sie zu verkaufen. Einladungen zu Vorträgen bis hin zu Konzerten und Aufführungen jeglicher Art sind zu sehen. Man wird fast überschüttet von Informationen und Bildern. Die freie Marktwirtschaft weiß zu werben. Jeder versucht am attraktivsten und am besten sich zu präsentieren. Bei all dem geht es um menschliche Bedürfnisse, um Vergnügen, um das leibliche Wohl...

Wie wirbt die Kirche? "Niemand hat uns geworben!" Geht es hier nicht um etwas viel wichtigeres als um das Irdische, um ein bißchen Geld. Geht es hier nicht um das Seelenheil, um eine Ewigkeit entweder mit Gott oder ohne Gott? Warum scheint die Kirche hier mit diesen Formen eher etwas zurückhaltend auf? Ist das Gleichnis, das wir gehört haben, nicht ein Aufruf zur Werbung: "Niemand hat uns geworben!"

Wir Christen müssen uns die Frage stellen. Bin ich nicht mitschuldig geworden, weil ich geschwiegen habe? Wenn einer zum Gericht Gottes hinzutritt und Gott stellt ihn zur Rede, weil er keine Arbeit aufzuweisen hat, ist dieser nicht entschuldigt, wenn er sagen kann: "Niemand hat mich geworben." Haben wir Christen dann eine Mitschuld?

Ein Skeptiker könnte die Frage jetzt stellen: Soll die Kirche überhaupt sich auf die selbe Stufe stellen wie diese profanen Marketingprofies und sich dieser Mittel von Werbung bedienen? Natürlich soll die Kirche werben! Jesus sagt zu seinen Aposteln: "Ich werde euch zu Menschenfischern machen." Das 2. Vatikanische Konzil betont: Jeder Christ ist durch die Taufe und durch die Firmung berufen zu Apostolat, berufen Zeugnis abzulegen. (LG 33) Wir alle sind gesandt für Christus Zeugnis abzulegen!

Wie wirbt die Kirche? Die Kirche wirbt auch. Die kirchliche Werbung ist aber allumfassender. Die Kirche erinnert an Gott auf verschiedene Weise. Es beginnt in der früh, wenn die Glocken zum Gebet läuten. Die Glocken laden ein zum Kirchgang. Sie erinnern an die hl. Messe. Sie erinnern bei der Wandlung, daß jetzt Gott auf dem Altar gegenwärtig wird. Jede Kirche, jede Kapelle, jedes Marterl erinnert an Gott.

Jeder gläubige Katholik ist aufgerufen durch sein persönliches Zeugnis, durch sein christliches Beispiel, durch sein Vorbild und durch sein Leben die beste Werbung zu machen.

Ein paar Beispiele: Wenn wir in unsere Wohnung ein Kreuz hängen, ein Bild der Gottesmutter oder eine Statue eines Heiligen, ist das ein Glaubensbekenntnis. Wenn sich manche ein Kreuzchen um den Hals hängen, ist das ein Bekenntnis zu Jesus Christus. Wenn wir Schwestern im Ordenskleid sehen, oder wenn jemand als Priester erkenntlich ist, werden wir an die Kirche erinnert. Vielleicht stellt sich dann dieser jemand die Frage: Wann habe ich das letzte Mal gebetet? Wann war ich das letzte Mal in der Kirche? Bedeutet mir Gott etwas?

"Niemand hat mich geworben!" Im Evangelium scheint Gott ungerecht zu sein! Ist es nicht ein Ärgernis, wenn der Gutsbesitzer allen den selben Lohn auszahlt? Leute, die den ganzen Tag arbeiten, brave Menschen von Kindheit an, die ganz für Gott leben, die die Gebote Gottes halten, bekommen den selben Lohn, wie Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens zu Gott finden. Selbst die Leute, wie z.B. auch der rechte Schächer am Kreuz, wo es "5 vor 12" war, der sich in der Sterbestunde bekehrt, wird gerettet. Allen erwartet der große Lohn im Himmel.

Gott ruft zu jeder Stunde in seinen Weinberg. Gott wirbt immer wieder um jeden Menschen.

Jeder, der diesen Ruf hört und ihm folgt, wird belohnt mit der ewigen Seligkeit. Dort wird dann einmal keiner mehr neidisch sein und böse auf den anderen blicken nur weil dieser erst in der 11. Stunde gekommen ist. Dort wird nur mehr überaus große Freude sein über jeden, der es geschafft hat. Bei jedem ist das Glück unendlich groß. Gott liebt dort alle Menschen mit unendlich göttlicher Liebe. Gott bringt das Kunststück fertig, das kein Mensch schafft: Gott liebt dich mehr ohne den anderen weniger zu lieben. Das bringt nur der liebe Gott fertig. Wir Menschen nicht. Das ist das Paradoxe an Gott. Er liebt im Himmel besonders dich, aber jeden von uns liebt er gleich.

Im Himmel wird dein Glas mit Glück angefüllt. Jedes Glas wird voll sein. Dem Menschen wird soviel geschenkt wie er fassen kann. Die Gläser der Menschen werden verschieden groß sein, doch alle sind bis zum Rand gefüllt. Gott füllt die Gläser im Himmel bis zum überlaufen. Es wird kein Neid sein, wenn auch das Glas des Nächsten, der in der Todesstunde zu Gott gefunden hat und in seinen Weinberg kam, auch voll ist. Amen.

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