| 22. Sonntag i. Jahreskreis A |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium: Mt 16,21-27
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Es ist die letzte Sonntagsmesse und Sonntagspredigt, die ich Ihnen heute halte. Wenn ich meine Aufgabe als Priester überlege und mir bewußt mache, welche Sendung mir bei der Priesterweihe vor 3 Jahren vom Bischof übertragen wurde, wird dies deutlich und verwirklicht, in dem was ich Sonntag für Sonntag hier tue. Im Dienst der Spendung der Sakramente zu stehen und im Dienst der Verkündigung. In den Texten der Priesterweihe ist von einem Dienst die Rede. Eine Frage des Bischofs lautet: "Bist Du bereit, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des Katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu erfüllen?" "Ich bin bereit!" Bei der Überreichung von Brot und Wein spricht der Bischof: "Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes." Diesen Auftrag, den ich an dieser Stelle bekommen habe, ist scheinbar zufällig auch Inhalt des heutigen Evangeliums, das auszulegen ich gesandt bin. Jesus sagt seinen Jüngern heute im Evangelium: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Das ist sicherlich kein angenehmer Rat. Ich vermute, vielen ist damals schon diese Lehre nicht angenehm gewesen und haben sich abgewandt. Aber dadurch sind sie dem Kreuz nicht entkommen. Es wurde sogar noch schlimmer, denn nun fehlte Ihnen der Sinn des Kreuzes und des Kreuztragens. Das Kreuz hat verschiedene Gesichter. - Denken wir nur zum Beispiel an das Kreuz von jungen Eltern. Sie haben sich schon solange auf ein Kind gefreut. Nun ist es endlich unterwegs. Es kommt zur Welt und es stellt sich heraus, daß ihr Kind schwer behindert ist. Was müssen diese Eltern und auch das Kind für ein schweres Kreuz in ihrem Leben tragen? - Oder da ist das Kreuz der Alkoholiker und der Suchtkranken. Sie haben zwar den guten Willen: "Nun endlich möchte ich aufhören, aber nicht selten holt sie die Sucht wieder ein. Was für ein Kreuz müssen diese Menschen tragen und die, die mit ihnen zusammen leben? - Da ist das Kreuz der eigenen Krankheit: Diabetiker, Krebs, Querschnittslähmung, gefesselt für ein Leben lang am Rollstuhl oder womöglich an das Bett. - Und wie ist es mit dem Kreuz des Alters. Man merkt, es will nicht mehr so, wie es einmal war. Die Kräfte lassen nach. Das Gefühl des Alleinseins, des Abgeschobensein. Es gibt wohl unzählige Kreuze und unzählige Geschichten der Menschen, die dies Kreuze tragen. Was kann nicht alles in unserem Leben zum Kreuz werden? - Die Arbeitsstätte kann zu einem Kreuz werden. Tagtäglich mühsam das Kreuz der Arbeit tragen. - Oder da ist die Angst, die Arbeit zu verlieren. Von heute auf morgen auf der Straße zu stehen. Und damit ist die Existenz am Ende. - Eine Familie kann zum Kreuz werden. Krisenstimmung in der Beziehung zum Ehepartner oder die Kinder, die auf schiefe Bahn geraten sind. Unsere Welt ist gezeichnet von Kreuzen. Menschen neben uns stöhnen unter ihnen und brechen darunter zusammen, fast unhörbar, weil unser Lärm und unsere Geschäftigkeit vieles überdecken, weil sich viele Kreuze hinter der geschlossenen Haustür und im verschlossenen Herzen abspielen. "Nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach!" Das kann es doch beim besten Willen nicht sein. Das, was Jesus da von uns verlangt, ist zuviel. Eine Legende erzählt von einem jungen Mann, der sein Kreuz nicht annehmen wollte. Damals als Jesus noch durch die Welt ging, gab er jedem Menschen ein Kreuz. Alle empfingen das, was ihnen Christus schenkte. Der eine bekam ein großes Kreuz, ein anderer ein etwas kleineres Kreuz. Wiederum einer; ein kantiges, rauhes Kreuz. Und einer ein schon fast abgerundetes Kreuz. Jeder nach seinen Möglichkeiten und seinen Kräften. Es gab aber einen jungen Mann, der meinte, daß sein Kreuz für ihn zu schwer sei. Er bat den Erlöser, er möge ihm ein leichteres Kreuz geben. Denn das Kreuz, was er derzeit trägt, kann er beim besten Willen nicht weitertragen. Jesus antwortete ihm: "Ich habe dir genug Kraft gegeben, damit du das Kreuz tragen kannst. Versuche es wenigstens!" Der junge Mann aber blieb bei seiner Meinung. Für ihn war das Kreuz zu schwer, um es weiterzutragen und er nahm eine Säge und sägte einfach ein Stück von seinem Kreuz ab. Es war gleich um einiges leichter und er hatte manchmal sogar das Gefühl, gar kein Kreuz mehr zu besitzen. Nach ein paar Jahren brach in dem Dorf, wo der Mann wohnte, ein Feuer aus. Das ganze Dorf stand so schnell in Flammen, daß die Bewohner nicht fähig waren, das Feuer zu löschen. Der einzige Ausweg war ein tiefes Tal, das ansonsten unüberquerbar war. Jedoch gab es da eine Brücke. Ein Teil der Menschen konnte sich durch diese Brücke retten. Doch sie hielt nicht lange und stürzte ein. Die Bewohner kamen nun auf die Idee, die Kreuze, die sie von Jesus empfangen hatten, zu einer Brücke zu machen. Jedem gelang es so auf die andere Seite zu kommen. Der junge Mann lief als Letzter los. Auch er versuchte mit seinem Kreuz eine Brücke zu bilden. Er mußte aber nun feststellen, daß sein Kreuz ein wenig zu kurz war, eben um dieses Stück, das er abgesägt hatte. Jesus gibt uns im Evangelium eine Antwort, wie wir mit unseren Kreuzen im Leben fertig werden. Er sagt uns nicht, wie wir die Kreuze ablegen können. Oder wie wir es leichter bekommen. Nein, er sagt sogar: "Tragt und ertragt euere Kreuze im Leben!" Ich weiß, wie schwer das zu verstehen ist. Bei Jesus war es nicht anders. Auch er hat sein Kreuz, sein Lebensschicksal tragen müssen. Darum wird auch dem Priester bei der Weihe gesagt: Stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes. So möchte ich auch Sie, liebe Brüder und Schwestern ermutigen ihre Kreuze, die Gott zuläßt, in Liebe anzunehmen, - sie nicht zu suchen!!! - , aber durch diese Annahme diesem Kreuz dadurch einen Sinn zu geben. Jesus selbst möchte uns Mut machen beim Kreuztragen, wenn er sagt, daß am Ende nicht der Tod steht, sondern das von Gott geschenkte Leben. Er selbst hat es uns vorgelebt und hat den Tod durch das Kreuz besiegt, als er am dritten Tage auferstand. Liebe Brüder und Schwestern! Ich wünsche Ihnen, daß Ihnen beim Kreuztragen immer wieder Menschen zu Hilfe kommen Auch bei Jesus damals war es so! Auch er konnte auf seinem Leidensweg, sein Kreuz nicht alleine tragen. Ihm kamen so viele Menschen zu Hilfe. Simon von Cyrene trug das Kreuz für Jesus. Veronika hielt ihm das Schweißtuch hin. Seine Mutter Maria trug in ihrem Herzen das Kreuz für ihren Sohn. Und wieviele standen da am Wegesrand und litten mit. Darum wünsche ich ihnen, daß Gott sie nicht allein läßt mit den Kreuzen, sondern hilft, damit wir unter dem Kreuz nicht zusammenbrechen. Seien wir voll Vertrauen, daß immer zur rechten Zeit Menschen da sind, die uns helfen unser Kreuz zu tragen. Amen. |