| 21. Sonntag i. Jahreskreis A |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium: Mt. 16,13-20
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! "Du bist Petrus - der Fels - und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." In den vergangenen Jahrhunderten bis in die heutige Zeit ist immer wieder das Papsttum bezweifelt worden. Das Papsttum habe nichts mit Petrus zu tun, es sei aus römischer Herrschsucht oder germanischem Machtstreben entsprungen, aber niemals aus apostolischem Erbe oder gar aus einer direkten Stiftung Christi entstanden. Das Evangelium der heutigen Messe widerlegt diese Anschauung. Jesus legt den Grundstein seiner Kirche. Es ist ein Felsen. Es soll Petrus sein. Nicht nur im heutigen Evangelium hat Petrus die entscheidende Vorrangstellung. Wir sehen, wenn wir in die hl. Schrift schauen, tatsächlich, daß Petrus alle Apostel überragte. Er wird selbstverständlich in allen Apostellisten als der Erste genannt, obwohl er nicht als erster berufen wurde. Die anderen heißen dann seine Gefährten, die übrigen Jünger oder die Elf. Allein sein Name wird fast 200 Mal erwähnt. Von Anfang an ist er der Sprecher der Jünger und nach dem Weggang des Herrn der unbestrittene Leiter der jungen Kirche. Er führt die Wahl des Matthias durch, er hält die Pfingstpredigt, er bestraft Ananias und Saphira, er nimmt die ersten Heiden in die Kirche auf und er hat den Vorsitz beim Apostelkonzil. Auch Paulus anerkennt den Vorrang des Petrus, als er gerade mit ihm sprechen will. Wie soll es anders sein. Christus war während seines irdischen Lebens das sichtbare Haupt der Jünger. Nach seinem Tod wollte er einen Stellvertreter. Das wissen wir durch seine Worte, die er zu Petrus sprach. Du bist der Felsen, du hast die Schlüssel des Himmelreiches, du sollst binden und lösen, du sollst nach deiner endgültigen Bekehrung zu mir die Brüder stärken, du sollst der Hirte sein. Das sind alles Worte Jesu. Während der ganzen Zeit, wo Jesus in der Öffentlichkeit lehrte, wo er seine Jünger um sich sammelte bis zu seiner Himmelfahrt, gibt es ein paar entscheidende Situationen für Petrus. Vier besondere Blicke hat ihm Jesus zugeworfen, auf ihn gerichtet. Der erste Blick war der Blick der Berufung. "Als er den See von Galiläa entlangging, sah er, wie Simon und Andreas, der Bruder Simons, auf dem See die Netze auswarfen. Jesus sagte zu ihnen: "Folget mir! Ich will euch zu Menschenfischern machen." Sogleich ließen sie die Netze liegen und folgten ihm." Der zweite Blick ist der heutige Blick, der ihn zum Felsenmann macht. Der dritte Blick ist der Blick der Mahnung. Die dunkle Stunde der Verleugnung. Ich kenne diesen Menschen nicht. Auf der Stelle, während er noch redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und sah Petrus an. Der vierte Blick ist der Blick der Versöhnung. Petrus, liebst du mich? Herr du weißt alles, du weißt, daß ich dich liebe. Weide meine Schafe. Heute wirft Jesus dem Petrus einen besonderen Blick zu. Der heutige Blick macht Petrus zum Felsen. Mit diesen großen Worten, mit diesem wichtigen Satz wird nicht nur persönliches Lob gespendet oder eine im Grunde allen geltende Verheißung ausgesprochen, sondern ein Amt für immer gestiftet. Es ist das Petrusamt. Dieses Papstamt aber, der Felsengrund der Einheit und Unzerstörbarkeit der Kirche, ist in der Kraft Christi selber unüberwindlich. "Du bist Petrus und auf diesem Felsen baue ich meine Kirche. Diese Kirche ist nicht auf Sand gebaut, sodaß dieses Haus einstürzt, wenn ein Wolkenbruch kommt oder die Wassermassen heranfluten, wenn die Stürme toben und an dem Haus rütteln, sondern es ist auf Stein gebaut. "Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." Es gibt leider oft viele falsche Vorstellungen von dieser Kirche. Wir beten im großen Glaubensbekenntnis: Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Vierfach wird diese Kirche bestimmt. Es gibt erstens nur eine Kirche Jesu Christi. "Diese eine Kirche ist verwirklicht in der katholischen Kirche." (2. Vat.) Es gibt nicht viele verschiedene Kirchen. Christus wollte nur eine Kirche. Die Kirche, die er auf den Felsen Petri baute. Sie ist heilig. Das heißt nicht, daß keiner in dieser Kirche sündigt. Sie ist heilig, weil ihr Haupt, weil Christus, der Heilige Gottes sie gestiftet hat. Weil er ihr den Heiligen Geist verheißen hat, der in dieser Kirche wirkt, der sie in der Wahrheit führt. Sie ist apostolisch, d.h. sie ist auf das Fundament der Apostel gebaut. Die Bischofslinie des Petrusamtes in Rom ist die einzige bekannt durchgehende Bischofslinie. Mit Handauflegung wurde diese Weihe immer wieder von Bischof zu Bischof weitergegeben. Da ist kein Bruch vorhanden. Das läßt sich zurückverfolgen bis in die apostolische Zeit. Das ist etwas gewaltiges. Keine evangelische Gemeinschaft kann das, nicht die Anglikaner, nicht die Altkatholiken, nicht die Zeugen Jehovas, nicht die Mormonen, keine einzige christliche Sekte, nicht einmal die Orthodoxen, die sich vor 1000 Jahren getrennt haben. Als letztes ist die Kirche katholisch, d.h. allumfassend, den ganz Erdkreis umspannend. Sie ist nicht nur für gewisse auserwählte bestimmt, wie es im Alten Bund war, wo es ein kleines Volk gab, das auserwählte Volk Israel. Die Kirche ist katholisch, allumfassend. Da hat jeder Platz. Sie ist von Christus gewollt. Sie ist auf den Felsen Petri gegründet und sie wird nicht untergehen. Von diesen Grundwahrheiten wollen wir uns heute wieder erfüllen lassen. Es nimmt uns jegliche Sorge für die Zukunft. Es läßt uns dankbar sein in dieser Kirche leben zu dürfen. Amen. |