4. Sonntag der Osterzeit i. Jahreskreis A |
Autor: Pfarrer Poschenrieder |
| Evangelium:
Joh 10,1-10
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Von Ostern bis zum letzten Sonntag zeigte uns die Kirche in den Evangelien den Auferstandenen. Der Auferstandene erscheint Maria Magdalena. Er erscheint den Frauen. Er erscheint den Emmausjüngern. Er erscheint dem Petrus. Er erscheint den Aposteln. Heute zeigt uns die Kirche nicht den Auferstandenen selbst, sondern ein Bild von Christus. Das Bild vom Hirten und seinen Schafen ist ein beliebtes Bild in der hl. Schrift, denn es hatte damals einen Sitz im Leben. Viele waren von Beruf Hirte und erwarben sich damit ihren Lebensunterhalt. Der Hirte ist damit ein vertrauter Beruf gewesen, unter dem sich jedes Kind etwas ganz konkret vorstellen konnte. Als Beispiel zähle ich nur die bekanntesten auf und rufe sie in Erinnerung. Hirte war der Abel, der Bruder des Kain. Hirte war sein Leben lang Abraham. Hirte war der Patriarch Jakob, der diesen Beruf viele Jahre in der Verbannung bei seinem Schwiegervater Laban ausgeübt hat. Hirten waren die Söhne Jakobs, als sie ihren Bruder Josef nach Ägypten verkauften. Hirte war 40 Jahre lang Moses, ehe er der Führer seines Volkes wurde. Hirte war David, der von der Herde weg zum König von Israel gesalbt wurde. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Jesus dieses Bild aufgreift und es für sich in Anspruch nimmt. Ich bin der gute Hirt. Aber auch alttestamentliche Stellen bezieht er auf sich. Auf dem Weg zum Ölberg sagte Jesus seinen Jüngern voraus: "Ihr werdet heute alle an mir irre werden. Denn es steht geschrieben (und zwar beim Propheten Zacharias): Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe werden sich zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa voausgehen." An Petrus richtet Jesus nach seiner Auferstehung die Vertrauensfrage: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?" Und er fragte ihn dreimal. Und Petrus antwortete kleinlaut im Bewußtsein seiner dreimaligen Verleugnung: Herr, du weiß alles, du weißt auch, daß ich dich liebe. Da gab Christus dem Petrus den Hirtenstab: Weide meine Lämmer, weide meine Schafe. Dieses Bild war für die ersten Christen so ergreifend und beeindruckend, dass wir es unzählige Male wiederfinden auf Wänden der Katakomben, auf Grabdenkmälern und auf Mosaiken in den Basiliken. Wir wissen, daß das, was einem wichtig erscheint, daß das, was für uns bedeutsam ist, sich in der Kunst niederschlägt. Daher können wir sagen, daß sich das Bild vom guten Hirten durch diese Form der Verkündigung im Glauben der Urchristen fest verwurzelt hat, bzw. fest verwurzelt war. Jesus ist für sie der gute Hirt gewesen. Ganzu sicherlich haben die Urchristen den bekannten Psalm 23 gebetet: "Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen." Das Leben eines Hirten dürfen wir uns aber nicht so sehr gemütlich vorstellen. Das Leben eines Hirten war kein Faulenzerleben; es war mit großen Mühen und Strapazen verbunden. Der Hirte mußte auch Kämpfer und Held sein. David erzählt sogar von Kämpfen mit Löwen. Jesus spricht vom Wolf, der auch gefährlich werden kann. Der Hirt mußte seine Schafe verteidigen, wenn Gefahr drohte. Jesus Christus hat in seinem Gleichnis einen solchen Hirten im Auge, der Kämpfer und Held war. Daher gibt der gute Hirt sein Leben für seine Schafe. In jeder Messe erfüllt sich dieses Gleichnis. In jeder Messe gibt der gute Hirt sein Leben für die Schafe. Die hl. Messe ist nichts anderes als die Vergegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Jesu Christ, nichts anderes als sein Sterben, wo er sein Blut vergießt, wo er seinen Leib hingibt, wo das Lamm geschlachtet wird. Das ist der gute Hirt, der die Schafe kennt, der sie liebt, der für sie in den Tod geht. Die Schafe hören auf seine Stimme, sie folgen ihm und sie kennen seine Stimme. Jeder Priester sollte nun so ein Hirte sein! Er soll die Schafe führen können. Er kennt den Weg, den ihm die Vorgesetzten im Theologiestudium und im Priesterseminar gezeigt haben. Er hat diese große Verantwortung übertragen bekommen durch die Weihe. Die Kirche sagt, du bist jetzt als Hirte gesendet. Ich denke dabei an den hl. Pfarrer von Ars. Er wurde nach Ars gesendet. Er war zu Fuß auf dem Weg in seine neue Pfarre. Weil er nicht sicher war, ob er auf dem richtigen Weg war, fragte er einen Buben: "Kannst Du mir den Weg nach Ars zeigen?" Als dieser ihm bereitwillig hilft, dankt ihm der neue Pfarrer mit einem Versprechen: "Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, dafür zeige ich Dir den Weg zum Himmel." Dazu ist der Priester berufen und geweiht. Er soll diesen Weg zur ewigen Seligkeit zeigen nach seinem bestem Wissen und Gewissen. Heute wollen wir besonders beten um Priester. Heute ist der Gebetstag um geistliche Berufe. Einen Diakon und eine geistliche Schwester hat Gars schon in letzter Zeit hervorgebracht. Jetzt braucht´s nur noch einen Priester. Ein letzter Gedanke: Jesus Christus ist der gute Hirt. Was tat dieser gute Hirt auf der Erde? Er hat seine Schafe nicht nur geleitet und gelehrt, sondern er hat sich selbst zu einem der Ihrigen gemacht! Er ist einer von uns Menschen geworden! Darum hören sie auch auf seine Stimme, weil er ein Lamm wurde. Das Paschalamm, das geopfert wurde, das das Leben hingab. Er ist damit kein Fremder mehr. Sie kennen ihn! Einen Fremden werden sie nicht folgen. Diese Stimme kennen sie. Jesus Christus ist mit uns den Weg gegangen, den Weg eines Menschen mit all seinen Schwierigkeiten, Leiden und Freuden. Auch der Priester ist dazu gesandt so ein Hirte zu sein. Durch die Weihe ist er Hirte. Durch die Taufe ist er einer von ihnen, ein Christ, ein Lamm. Beten wir für unsere Hirten, daß sie diese nicht leichte Aufgabe so gut wie möglich erfüllen können. Amen. |