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Missionssonntag (24.10.1999)

Autor: Pfarrer Poschenrieder

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Oftmals wird Kritik an der Kirche geübt. Manchmal hören wir folgende Vorwürfe: "Was bildet sich die Kirche ein! Hat sie die Wahrheit gepachtet? Ist sie der alleinige Besitzer der Wahrheit? Jeder soll doch nach seiner Fasson selig werden! Da soll sich doch keiner einmischen.

Manchmal gibt es auch falsche Vorstellungen von der Lehre der Kirche: Manche meinen, dass die Kirche alle, die nicht getauft sind, in die Hölle schickt. Das sei doch unmenschlich.

Hin und wieder ist es sehr beliebt die Vergangenheit der Kirche vorzuwerfen. Da findet man immer etwas und man kann das sehr plastisch und anschaulich schildern. Schaut wie brutal die Kirche die Leute zum christlichen Glauben bekehrt hat. Sie wurden doch teilweise gezwungen. Und manche wissen auch, dass die Kirche Irrlehrer und Hexen verbrannt hat.

Was ist dazu zu sagen? Wie ist nun wirklich der Standpunkt der Kirche? Sollen wir nicht mehr missionieren? Ist das schlecht? Dürfen wir nur noch Sozialhelfer spielen? Oder ist es doch noch erlaubt Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu verkünden?

Wir feiern heute den Sonntag der Weltkirche, den Missionssonntag. Das ist Anlaß darüber nachzudenken!

Was heißt Mission? Das Wort "Mission" kommt vom Lateinischen "mittere" = "schicken". Jesus hat seine Apostel hinausgeschickt, seine Botschaft zu verkünden. Von allem Anfang an hat man das Abschiedswort Jesu vor seiner Himmelfahrt ernst genommen. "Geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Völker zu meinen Jüngern, indem ihr sie tauft und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe." Es ist dies der Missionsbefehl, der immer aktuell bleibt bis zur Wiederkunft Christi.

"Ite missa est" hat man früher am Schluß der Messe gesagt. Das heißt wörtlich übersetzt: Geht, ihr seid gesendet. Jeder von uns ist gesendet!

Die Kirche ist und bleibt in ihrem Wesen missionarisch! Jeder getaufte Christ hat den Auftrag bekommen, die Wahrheit Christi auf seine Weise zu verkünden. Das beginnt im Kleinen, wenn die Mutter mit ihrem Kind gemeinsam betet und endet im Großen, wenn der Papst in die verschiedenen Länder fährt, um seine Brüder zu stärken und dort die Botschaft Christi predigt.

Das zeigt seine Sorge um die Weltkirche. Im Aufruf der Bischöfe Österreichs zum Sonntag der Weltkirche lenken sie ihre Aufmerksamkeit vor allem auf Mexiko, das der Heilige Vater am Beginn dieses Jahres besucht hat. Beeindruckt von der Not dieser Menschen wandte sich der Papst gegen die Auswirkungen eines ungerechten Wirschaftssystems, in dem die Stärksten über die Schwächsten dominieren. Er fordert ein Ende von Gewalt, Terrorismus und Ausbeutung der Schwachen. Ebenso verurteilte er das Wettrüsten, den Raubbau an der Natur und jegliche Form von Rassismus. Der Papst ermutigte dann die Kirche von Mexiko, sich vor allem für die Immigranten, die Straßenkinder und die Indios einzusetzen, weil diese Gruppen immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Wir sind als missionarische Christen aufgerufen, an einer neuen und gerechteren Welt aktiv mitzubauen. Tragen wir dazu bei, daß an möglichst vielen Orten das Evangelium verkündet wird! Es besitzt die Kraft, die Erde zu verwandeln. Es ist das Feuer, das Saulus vor Damaskus vom Pferd warf und Augustinus aus seiner weltlichen Karriere hob und es ist die Liebe, die Franziskus zu den Aussätzigen gehen ließ.

Die Bischöfe schreiben weiter, daß einige durch Besuche selbst erlebt haben, wie die Kirche in den Ländern des Südens ganz entschieden für die Armen Partei ergreift. Wir wissen, daß die Christen dieser Länder mit Geldmitteln sehr sorgfältig umgehen. Es wird genau überlegt, wie die finanziellen Hilfen gut eingesetzt werden. Die Sammlung am heutigen Sonntag der Weltkirche unterstützt Diözesen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Durch diese Sammlung kann vielen Priester, Ordensleuten, Katechistinnen und Katechisten geholfen werden. Ihre Spende ermöglicht die Besoldung von Seelsorgern, Religionslehrern und Mitarbeitern sowie den Aufbau notwendiger Strukturen und baulicher Einrichtungen.

Es wird garantiert, daß Hilfe ankommt und keine Ortskirche vergessen wird. Zum Schluß danken die Bischöfe für die Großherzigkeit und Freigebigkeit der Gläubigen.

Noch wichtiger als spenden ist aber ihr Gebet für die Mission.

Beispielhaft dafür ist das Leben der hl. Theresia von Lisieux. Obwohl sie seit ihrem 16. Lebensjahr in der strengen Abgeschlossenheit des Karmel von Lisieux gelebt hat und schon mit 24 Jahren von Gott heimgerufen wurde, ist sie doch die Patronin der katholischen Missionen geworden. Warum? Sie hatte 2 Missionare anvertraut bekommen, für die sie besonders gebetet hat. Wie gerne wäre sie selber Missionarin geworden. Sie schreibt: "Die glänzenden Werke sind mir versagt. Ich kann das Evangelium nicht verkünden, mein Blut nicht vergießen. Was tut das? Meine Brüder arbeiten an meiner Statt, ich kleines Kind, bleibe ganz nahe dem königlichen Thron - ich liebe für jene, die kämpfen. Ich habe keine anderen Mittel, um Dir meine Liebe zu beweisen als folgendes: kein Opfer vorübergehen lassen, aus den kleinsten Handlungen Nutzen ziehen und sie aus Liebe tun. Dies ist nützlicher als alle anderen Werke zusammen."

Liebe Brüder und Schwestern! Jeder von uns kann in diesem Sinn heute und ein ganzes Leben lang für Christus und seiner Kirche missionarisch wirken und damit dem Missionsbefehl Christi gerecht werden. Amen.

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