Liebe
Kinder, liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vor 200 Jahren lebte der große
Napoleon, Kaiser der Franzosen. Er heiratete 1810 die österreichische Kaisertochter Marie
Louise. Als diese am 13. August 1811 ein Kind erwartete war die halbe Welt in gespannter
Erwartung. Fürsten Herzöge und Generäle eilten nach Versailles zum Ort der Geburt. Zwei
kostbare Betten standen dort bereit, das Kind des Kaisers aufzunehmen, ein blaues, wenn es
ein Knabe war, ein rotes, wenn es ein Mädchen sein sollte. Paris sandte eine goldene
Wiege. Endlich, nach langem, ungeduldigen Warten, wurde dem Kaiser die Nachricht gebracht,
daß ihm ein Thronfolger geboren war. Sofort teilte er die freudige Nachricht weiter. 101
Kanonenschüsse wurden abgefeuert und grenzenloser Jubel herrschte überall im Land.
Liebe Kinder! Jetzt vergleichen wir diese Geburt des Kaisersohnes mit der Geburt Jesu.
Welch ein Gegensatz. Welch ein Unterschied:
Nicht die halbe Welt war in gespannter Erwartung, sondern Maria und Josef freuten sich
demütig über die Geburt in dieser heiligen, stillen Nacht. Nicht Fürsten, Herzöge und
Generäle eilten zum Kind, sondern arme Hirten kamen, um es anzubeten. Nicht 2 Betten und
eine goldene Wiege standen bereit, sondern in eine armselige Krippe mußten sie das Kind
legen, weil kein Platz in der Herberge war. Nicht Kanonenschüsse wurden abgefeuert,
sondern in die Stille der Nacht verkündeten die Engel die frohe Botschaft und sangen das
Ehre sei Gott in der Höhe. Nicht grenzenloser Jubel brach aus, sondern tiefer
Friede und wahre Freude herrschte in den Herzen der Leute.
Der 13. August 1811 sagt heute keinem Menschen mehr etwas, doch der 24. Dezember hat jedes
Kinderherz, jedes Menschenherz erobert, weil an diesem Tag der Messias, der Erlöser
geboren wurde.
Darum: Laßt uns froh sein. Heute ist unser Retter geboren. Traurigkeit hat keinen
Raum am Geburtstag des Lebens. Mit dieser Einladung zum froh sein
beginnt der hl. Papst Leo eine seiner Weihnachtspredigten. Wir feiern Geburtstag. Einen
ganz besonderen. Da müssen wir hin, da müssen wir dabei sein, mitfeiern und uns freuen!
Ihr alle, liebe Kinder, seid diesem Ruf gefogt und in die Kirche gekommen, um diese Geburt
zu feiern.
Genauso wie die Hirten damals, die von der Geburt dieses Kindes hörten in der Stadt
Davids, die Bethlehem hieß, und den Geburtstag feiern wollten, den Geburtstag des
Retters. Diese armen Hirten hätten sich nie getraut an einem festlichen, großen
Geburtstagsfest eines großen Herrschers und Königs teilzunehmen. Sie sind ja nur arme
Hirten. Als sie aber hörten, dass das Kind in einer Krippe lag, in Windeln gewickelt,
ganz arm, da fanden sie Mut zu ihm zu gehen, da verloren sie die Angst und die Scheu. Sie
haben ja nichts mitzubringen, außer ihre Armseligkeit. Aber das Kind ist auch arm, und da
sagten sie sich: Da dürfen auch wir hingehen, weil es so arm in einer Krippe
liegt.
Der Unterschied zum Sohn Kaiser Napoleons ist also groß. Noch heute wird in Paris die
kostbare, goldene Wiege gezeigt, die bestimmt war, den Sohn des großen Kaisers Napoleon
aufzunehmen. Diese Wiege ist ein totes Museumsstück geworden, die Krippe jedoch wird
umdrängt von Millionen liebender Menschen.
So wie die Hirten in Bethlehem, habt auch ihr, liebe Kinder, euch aufgemacht in die Kirche
zu gehen, um mit dem Kind zu feiern. Nun, bei jedem Geburtstag gibt´s Geschenke. Was
schenken wir ihm? Womit machen wir ihm eine große Freude? Die Hirten hatten sicherlich
nicht große Reichtümer. Aber die Freude war sehr groß. Am meisten freute man sich über
ihre Anwesenheit und über ihre Botschaft, die sie mitbrachten.
Die Hirten erzählten, was ihnen über dieses Kind gesagt worden ist. Erinnert euch. Der
Engel sagte: Ich verkünde euch eine große Freude. Es ist euch der Retter geboren,
der Messias. Das hörte Maria. Es ist die Bestätigung von der Botschaft, die sie
vom Erzengel Gabriel gehört hatte. Dieser Sohn, den sie gebären soll, wird groß
sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Er wird herrschen in Ewigkeit!
Wie groß muß ihre Freude gewesen sein:
1. Die Freude über die wunderbare Geburt ihres Kindes.
2. Die Freude, daß es der Retter ist, auf den sie schon so lange gewartet haben.
Und sie bewahrte alles in ihrem Herzen. In ihrem Herzen war Maria überglücklich.
Auch wir machen allein durch unsere Anwesenheit dem Jesuskind eine große Freude. Einem
Armen kann man leicht eine Freude bereiten. Einen Armen kann man reich beschenken. Darum
hat sich Jesus ganz klein und arm gemacht und ist ohne Herberge auf die Welt gekommen,
sodaß er in eine Krippe gelegt werden mußte.
Die größte Freude machten wir ihm aber, liebe Brüder und Schwestern, als wir ihm unsere
Armseligkeit schenkten, unsere Sünden, unsere Schwächen und Fehler in der hl. Beichte.
Und das ist auch unsere größte Freude. Wir sind heute in die Kirche gekommen, damit
Jesus auch in unser Haus kommt, in unsere Herzen. Dazu müssen wir uns so offen machen wie
die Krippe, so einfach und arm werden. Dann legt Maria das Jesuskind auch in unser Herz
hinein. Amen. |