Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn wir heute auf die hl. Familie blicken,
müssen wir sagen, dass sie es von Anfang an nicht leicht gehabt haben. Viele, viele
Schwierigkeiten haben sie bestehen müssen. Wir sehen sie zu Beginn als eine
Wanderfamilie.
Zuerst müssen sie nach Bethlehem auf Befehl des Kaiser Augustus, um sich in Steuerlisten
eintragen zu lassen. Dort wird in der Nacht das Kind geboren.
Dann dauert es nicht lange und sie müssen wieder wandern. Diesmal ist es aber eine
längere Strecke. Der Engel des Herrn schickt sie nach Ägypten. Sie müssen vor Herodes
fliehen, der die Kinder in Bethlehem grausam umbringen wird.
Und wieder verkündet ein Engel des Herrn im Traum, als Herodes tot ist, Josef soll nach
Nazareth zurückkehren.
In geheimnisvoller Weise erfüllt sich dadurch immer wieder die Schrift:
1. Der Prophet Micha: Du, Bethlehem, bist keineswegs die geringste unter Judas
Fürstenstädten. Denn aus dir wird hervorgehen ein Fürst, der mein Volk Israel regieren
soll. Darum als die Geburt in Bethlehem.
2. Der Prophet Hosea schreibt: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Daher die Flucht in das ferne Land.
3. Er wird Nazoräer genannt werden. Er wuchs auf in der Verborgenheit in
Nazareth.
Bis Jesus also in der Stille, der Zurückgezogenheit und im Glück von Nazaret aufwachsen
konnte, hat es die hl. Familie nicht leicht gehabt. Es war ein wenig turbulent, aber Gott
war mit ihnen.
Obwohl es natürlich eine etwas außergewöhnliche Familie war, will sie uns und unseren
Familien Vorbild sein.
Sie wissen, die Familie ist heute sehr in Gefahr. Der Angriff auf die Familie wird immer
heftiger. Sie sei überflüssig. Andere Lebensgemeinschaften gleichen Geschlechts seien
gleichwertig und genauso legitim. Man brauche eigentlich die Familie nicht mehr. Es ist
eine unnötige Institution. Viele erklären sogar. Es gibt keinen Grund mehr, warum ich
heiraten soll. Der Trauschein ist ein nichtiges Papier. Die steigenden Scheidungszahlen
bestätige und verstärke dies nur, sodaß viele nicht nur im Unterbewußtsein Angst
haben, eine Ehe einzugehen. - Nebenbei bemerkt kann ich jungen Leuten nicht mehr
einsichtig machen, warum sie heiraten sollen, wenn sie sowieso alles vor der Ehe tun
dürfen, was der Ehe vorbehalten ist. -
Umso mehr müssen wir uns wieder bewußt machen, daß die Familie in Gott gründet. Sie
ist Gottes Wille und Gottes Gebot. Er hat die Ehe als Sakrament eingesetzt.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und bindet sich an seine Frau und sie
werden ein Fleisch, so heißt es schon am Beginn des ersten Buches der Bibel und
Jesus hat dies verstärkt und gesagt: Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch
nicht trennen.
Vorbild soll uns sein die heilige Familie von Nazareth, denn diese war sicher die
glücklichste Familie, trotz ihrer Schwierigkeiten.
Woran erkennt man diese wahrhaft heilige, glückliche Familie? Was müssen wir tun, um
dieser Familie ähnlich zu werden.
Das Glück von Nazareth wird das Glück unserer Familien werden, wenn wir wie sie die
Pflichten gegenüber Gott treu erfüllen. Die Eltern hielten sich an die Vorschriften des
Gesetzes und brachten ihr Kind zum Tempel, um es dem Herrn zu weihen und das
vorgeschriebene Opfer zu bringen. Mit anderen Worten wir sollen den Willen Gottes tun und
damit Gott zur Familiemitte machen, auch wenn es manchmal Opfer kostet. Dazu gehört das
in den Tempel gehen, der Sonntagsgottesdienst, und dazu gehört auch das Familiengebet.
Die Liebe zu Gott muß leben. Sie lebt dann, wenn sich die Familie um den Herrgottswinkel
auch gemeinsam versammelt, so wie sicher Maria Jesus das Beten gelehrt hat, und die
heilige Familie gemeinsam gebetet hat.
Das Glück von Nazareth wird das Glück unserer Familien werden, wenn die gegenseitige
Liebe da ist, die Liebe zum Nächsten, gegenseitige Hilfe und gegenseitiges Verzeihen.
Die heilige Familie möge uns zeigen eine Familie voll Liebe und Treue, deren Frucht der
Friede war, und zwar nicht nur der äußere Friede, sondern hauptsächlich der innere
Friede, der Friede im Herzen, den wir, so hoffe ich, Weihnachten, dem Fest des Friedens
spüren und erfahren durften, und den wir uns nicht nehmen lassen dürfen. Amen. |