Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der heutigen Nacht hat der Hl. Vater die
heilige Pforte geöffnet. Damit ist uns ein Gnadenjahr geschenkt worden. Eine Jubeljahr
ist ausgerufen, weil wir 2000 Jahre Christi Geburt feiern können. Wir dürfen ein ganzes
Jahr die Gnaden der Menschwerdung empfangen. Viele Kirchen sind Jubiläumskirchen, wo sie
einen vollkommenen Ablaß erhalten können. Die 2 Kirchen in unserer Nähe sind Maria
Taferl und auch Säusenstein.
Die Freude soll uns also sozusagen gefangen nehmen. Diese Freude drücken die Menschen oft
aus, indem sie ein Licht anzünden. Das Fest Weihnachten wäre nicht wirklich Weihnachten,
wenn die Lichtsymbolik fehlen würde. Seit Wochen sehen wir die Christbäume, viele
Lichtergirlanden, kein Schaufenster ist ohne weihnachtliche Beleuchtung und zu Hause haben
wir sicher oft die Kerzen des Adventkranzes angezündet. Auch hier in der Kirche finden
sie beleuchtete Christbäume, das Friedenslicht und viele brennende Kerzen.
Wir haben heute in die Kirche gefunden, zur Krippe. Auf diesem Weg nach Bethlehem begegnet
uns ein dreifaches Licht.
1. Das erste Licht geht aus vom Stern, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe des
neugeborenen Kindes führte. Der Stern, der auch uns leuchtet. Manchmal versuchen Kometen
mit momentan hellerem Licht uns abzulenken vom Stern von Bethlehem. Diese Lichter
verblassen aber bald wieder und verschwinden. Der Stern von Bethlehem bleibt über dem
Stall stehen und wir wollen wie die Weisen bis zum Ende diesem Stern folgen, der uns zu
Christus führt. Dieser Stern hat auch sie heute in die Kirche geführt. Auch sie haben
sich nicht von anderen Lichtern abbringen lassen.
2. Das zweite Licht geht vom Engel aus, der den Hirten die Botschaft verkündete. Es
heißt: Die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte die Hirten, als der Engel erschien und
sie gerieten in große Furcht. Er sagt zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Ich
verkünde euch eine große Freude. Heute ist der Heiland geboren, der Messias. Die
Hirten, die Nachtwache hielten, durften die ersten sein, die diese Botschaft hörten. Und
sie gingen eilends nach Bethlehem. Warum gerade Hirten? Welche Ehre für diese armen
Leute. Sie waren die, die neben Maria und Josef wachten, anbeteten und Gott preisen
durften. Auch sie schliefen nicht in dieser hochheiligen Nacht. Sie fanden keine
schlafende Muttergottes und keinen schlafenden Josef. Im Stille Nacht singen wir:
Alles schläft, einsam wacht. Maria und Josef wachen über Jesus und seine
Kirche.
3. Das dritte Licht geht vom Stall von Bethlehem aus, von der Krippe. Das dritte Licht ist
Jesus selbst, dessen Glanz die Nacht erhellt. Von diesem Licht wollen wir uns erleuchten
lassen. Dieses Licht wollen wir betrachten. Wer ist dieses Licht? Wer ist Jesus?
Liebe Brüder und Schwestern. Wir feiern etwas Unvorstellbares. Niemand auf der ganzen
Welt feiert so etwas wie die Christenheit. Gott ist Mensch geworden. Gott ist ein Kind
geworden! Das ist etwas so großartiges, daß von seiner Geburt an die Jahre gezählt
werden. Es ist der Wendepunkt der Geschichte. Äußerlich betrachtet, die Geburt eines
Kindes von armen Eltern, noch dazu in einem Stall ohne Komfort, ohne bequeme Ausstattung.
Eine Begebenheit, wo höchstens die Caritas in der heutigen Zeit Interesse zeigen würde,
gescheige denn eine so große Zahl von Gläubigen. Und diese Geburt im Stall mit dem Kind
in der Krippe wird zum Ausgangspunkt einer Zeitrechnung, die einmal in allen Erdteilen und
noch nach zweitausend Jahren Gültigkeit hat. Wie ist so etwas möglich? Ja, wenn der
Ausgangspunnkt ein großes Ereignis wäre! Die Anhänger Mohammeds rechnen von der Flucht
ihres Propheten aus Mekka nach Medina. Es war immerhin der Beginn des Eroberungszugs,
etwas viel Größeres als die Geburt im Stall. Oder die alten Römer: Sie rechneten von
der Gründung der Stadt Rom, auch ein kleiner Anfang, aber doch im Vergleich zu einer
Krippe etwas Großes und Imponierendes. Oder gar die Juden. Sie rechnen von der
Welterschaffung an.
Also der Ausgangspunkt unserer Zeitberechnung ist scheinbar enttäuschend: eine Geburt in
einem Stall, ein Kind in der Krippe. Wenn jemand damals den Einwohnern von Bethlehem
verkündet hätte: Von hier aus beginnt eine neue Zeit, man hätte nicht nur
ungläubig den Kopf geschüttelt, sondern wahrscheinlich die Hand ins Feuer gelegt für
den Unsinn dieser Aussage, so unglaublich wäre diese Behauptung gewesen.
Immer wenn wir das Datum schreiben, könnte uns das erinnern. Es ist der 2000. Geburtstag
unseres Erlösers. Ein Bekenntnis des Glaubens an die Existenz Christi. Allen Leugner der
Geschichtlichkeit Jesu müßte diese Zeitrechnung sehr unangenehm sein.
Seit zweihundert Jahren zählen wir auch rückwärts. Damit ist etwas Entscheidendes
geschehen. Christus wird auf diese Weise wirklich zum Mittelpunkt allen Geschehens. Mache
Sie sich das bewußt: Das war zur Zeit der Aufklärung, die gerade nicht eine
christentum-freundliche Zeit war mit ihrer Leugnung aller übernatürlichen Phänomene.
Für mich ist das sehr tröstlich. Ich behaupte, daß dort wo äußerlich die Kirche am
stärksten bekämpft wird, im Verborgenen Gott Großes wirkt. Vielleicht kann man das
später auch einmal über unsere Zeit sagen.
Gerade zu dieser Zeit also der Aufklärung, einer so schlimmen Zeit für die Kirche, kam
man auf die Idee mit Plus und Minus zu arbeiten, das Plus für die Jahre auf uns zu, das
Minus für die Zeiten vorher. Einfacher geht es nicht. Aber damit ist etwas ganz
Gewaltiges geschehen. Christus wurde die Mitte des ganzen Weltgeschehens, er ist auch die
Mitte der Geschichte.
Er soll auch die Mitte unseres Lebens sein. Es sollen nicht die Geschenke der Mittelpunkt
des Weihnachtsgeschehens sein, sondern wir feiern die Geburt Jesu. Dies soll die Quelle
der Freude sein. Die Freude über die Geschenke wird vollkommen sein, wenn wir uns
erfüllen lassen von der Freude, die die Engel von Bethlehem verkündeten. Der Retter ist
da. Diese wahre Freude wünsche ich Ihnen dieses Jahr zum Weihnachtsfest. Amen. |