Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Ich wünsche Ihnen alles Gute zum
neuen Jahr! Jetzt sind sie erstaunt! Ja, ein neues Kirchenjahr hat angefangen. Was haben
Sie sich vorgenommen? Wie ist das letzte Jahr verlaufen? Haben Sie schon einen konkreten
Vorsatz gefaßt? Soll man sich nicht wieder bemühen?
Was!? Sie haben sich diese Fragen noch gar nicht gestellt! Diese Fragen stellen Sie sich
erst in einem Monat am 31.12, zu Silvester! Sie haben also den Jahreswechsel der Kirche
nicht bemerkt! Noch dazu so einen Wichtigen.
Wir merken, daß sich das Kirchenjahr nicht so in uns verwurzelt hat. Es ist uns nicht so
bewußt, daß die Kirche mit dem Advent ein neues Jahr beginnt, das Markusjahr, wo die
Frohbotschaft aus dem Markusevangelium hauptsächlich vorgelesen wird.
Sie wissen, Advent heißt Ankunft. Wir warten auf die Ankunft des Herrn und wollen uns
darauf vorbereiten. So wie das große Osterfest die Fastenzeit als Vorbereitungszeit hat,
so gibt es den 4-wöchigen Advent als Einstimmung auf Weihnachten.
Heute in der hl. Messe haben Sie sicherlich verschiedene Veränderungen bemerkt. Es ist
nicht so wie immer. Der Advent hat die Farbe violett, eine Farbe der Buße und der Umkehr.
Den Ruf zu Buße und Umkehr sollen auch wir hören, und er soll uns durch die Farbe schon
bewußt gemacht werden. Der Jubelruf des Gloria wird in der Adventzeit eingestellt, damit
das Gloria in excelsis, das Ehre sei Gott in der Höhe, das die
Engel zu Bethlehem singen, uns zu Weihnachten bewußter gemacht wird. Ein Adventkranz
hängt plötzlich in der Kirche und eine Kerze brennt.
Wir merken also, es ist schon eine andere Zeit angebrochen, eine neue Zeit. Für die
Kinder ist es oft eine lange Zeit des Wartens. Sehnsüchtig wird das Christkind erwartet,
das uns die Geschenke bringt. Für die Erwachsenen ist es oft eine Zeit der Hektik. Es
wird von einem Geschäft zum anderen gehetzt, um rechtzeitig die Besorgungen zu machen,
die Geschenke zu kaufen, damit jeder etwas bekommt.
Aber überlegen wir heute: Wie können wir dieses Jahr einen sinnvollen Advent
leben?
Für die Christen soll der Advent wie ein gewaltiges Tor sein, das er durchschreitet, das
in den Vorraum eines großen Heiligtums führt. Wenn wir als Christen durch dieses Tor
gehen, stehen links und rechts zwei Gestalten, zwei Wächter. Sie rufen uns zu und
erinnern uns auf welchen Weg wir uns aufgemacht haben. Diese beiden Gestalten sind sehr
verschieden.
Der eine ist groß, aber asketisch und in Kamelhaare gekleidet. Er will niemand anderer
sein, als eine aus der Wüste tönende Stimme: Bereitet die Wege des Herrn. Kehrt
um! Das Himmelreich ist nahe. Die Stimme klingt überzeugend, mit einem gewissen
Ernst dabei.
Die andere Gestalt ist eher zurückhaltend. Sie weiß, auf wen sie wartet, ihr Leib
spricht sichtbar von dem, den sie erwartet. Sie selbst spricht nicht viel, behält betend
das Geheimnis bei sich, und man hört nur leise die Worte: Siehe, ich bin die Magd
des Herrn.
Der eine ist Johannes der Täufer. Er ruft auf zu einem Neuanfang, zu Umkehr, zur Buße,
zu einer guten Weihnachtsbeichte, u.s.w.
Die andere ist die Gottesmutter Maria. Sie steht für die Ruhe, für die Stille des
Advent, für die Abende, wo man die Adventkranzkerzen anzündet, ein Gebet mit den Kindern
spricht und Lieder singt. Die Stimme des Gewissens spricht nicht in der Hektik des Alltag,
sondern du hörst sie, wenn es ganz leise ist, wenn wir uns besinnen, so wie es bei der
Gottesmutter Maria in Nazaret war, die sich vorbereitet auf die Geburt ihres Sohnes.
Welcher Unterschied zwischen den Gestalten. Beide wissen, auf wen sie warten. Beide warten
auf denselben. Und doch ist der große Unterschied da:
Die eine Gestalt, die sich nicht scheut die Sünden aufzudecken. Auch den Ehebruch des
König Herodes verschweigt er nicht. Er hat keine Angst vor Gefangenschaft und
Enthauptung. Er hat keine Bedenken mit derben Ausdrücken. Er bezeichnet die Pharisäer
sogar mit Natterngezücht, mit Schlangenbrut. Sie sollen Früchte bringen, die der
Bekehrung würdig sind.
Die andere Gestalt, ganz anders, etwas zierlich. Sie erwartet Gott als kleines
Menschenkind. Sie ist sich bewußt, daß Gott Großes an ihr getan hat. Ist es nicht auf
übernatürliche Weise geschehen, als ihr der Engel sagte: Der Heilige Geist wird
über dich kommen.? Sie glaubt ihm und doch ist es so unvorstellbar.
Beide warten auf den Kommenden mit einer Sehnsucht, die ihr ganzes Wesen erfüllt. So
sollen auch wir warten. Unser ganzes Leben ist ein Advent. Wir warten letztendlich auf die
zweite Ankunft Christi in Herrlichkeit, wenn er wiederkommt. Auch auf das will uns der
Advent wieder aufmerksam machen. Wir warten also auf Christus, und er möge uns wach
finden. Darum möge unser Advent ein Weg zu einem gnadenreichen Weihnachten sein. Ein
Advent der Besinnung, des Gebetes, der Einkehr und der Buße.
Treten wir ein durch diese Tor, wo links und rechts diese beiden großen Heiligen uns
begrüßen. Lassen wir uns berühren von ihren Worten, die sie uns zurufen und von ihrer
Botschaft, die sie uns mitteilen wollen. Dann wird es ein guter Advent im Sinne der
Kirche. Ein Erwarten der Herrlichkeit Christi, und ein Warten auch auf das Christkind, auf
das sich besonders die Kinder so freuen. Amen. |